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Für Ärzte

Sektion Reprodiuktionsgenetik

Rudolph Virchov erkannte zuerst, das der Ursprungsort jeder klinisch diagnostizierten Pathologie die Zelle ist (Zelluläre Pathologie). Dies spiegelt sich wieder in der Zell-spezifischen Gen-Expression, reguliert über die zell-spezifische Vernetzung der dazu gehörigen Gene auch „signal pathways“ oder „genetic networks“ genannt.

Aber nicht jede Veränderung der DNA-Sequenz (d.h. Mutation) führt direkt zu einer klinisch erkennbaren Pathologie. Deshalb kennen wir viele klinische Syndrome mit männlicher oder weiblicher Infertilität in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Bekannte Beispiele sind die Androgen-Resistenz-Syndrome und die congenitale Aplasie der Vas Deferenz (CBAVD), die oft, aber eben nicht immer mit der bekannten somatischen Krankheit „Mukoviszidose“ oder „Zystische Fibrose“ einhergeht:

Ganz allgemein lässt sich heute abschätzen, dass die Anzahl der Gene, die beim Menschen direkt oder indirekt die Fertilität beeinflussen bei etwa 3000-5000 liegt. Sie lassen sich grob in 3 Gruppen aufteilen:

  • Gene, die nur in der Keimbahn exprimiert werden,
  • Gene, die nur oder auch in den Gonaden exprimiert werden und
  • Gene, die auch in der Ontogenese, z.B. während des „Imprintings“ und der Implanatation in der frühen Embryogenese aktiv sind

Es ist vor allem die letzte Fallgruppe, die bei der Anwendung moderner Verfahren der künstlichen Befruchtung kritisch fragen lässt, inwieweit man dabei auch das Risiko eingeht, dass die genetisch bedingte Infertilität des Paares auf deren Nachkommenschaft übertragen wird bzw. dass zusätzliche somatische Pathologien erzeugt werden, die bei den Eltern noch nicht vorhanden, bzw. noch nicht erkennbar vorhanden waren.

Aus dem Blickwinkel des Grundlagenwissenschaftlers muss man deshalb natürlich fordern, dass jede Form von kausaler molekulargenetischer Diagnostik weiblicher oder männlicher Infertilität direkt mit den männlichen und weiblichen Keimzellen durchgeführt wird. Dies ist in der klinischen Routine-Versorgung der Patienten aber nur möglich, wenn die klinische Vor-Diagnose eine medizinische Indikation für die Gewinnung von Keimbahngewebe ergeben hat. Die molekular- und cyto-genetische Diagnostik im Labor basiert deshalb in der Regel zuerst auf einer Blutprobe des Patienten wo die Gewinnung von DNA und RNA, bzw. den Chromosomen aus den kernhaltigen Blutzellen, den Leukozyten, erfolgt. Dazu müssen 20 ml Vollblut in einem EDTA-Röhrchen ins Labor geschickt werden.

Die Einsendung dieser Blutprobe schliesst ebenfalls den zugehörigen Anamnese-Fragebogens, ausgefüllt mit allen klinischen Daten und Kopien der bereits erhobenen Befunde, als Beilage ein.

Für weitere Hintergrund- und Detailinformationen siehe Abschnitt Forschungsschwerpunkte und Diagnostik.