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Familiärer Brustkrebs

Brustzentrum Heidelberg / Senologie

Hintergrund

Etwa 5-10% aller bösartigen Brust- und Eierstockerkrankungen sind auf familiär erbliche Faktoren zurückzuführen. Eine Häufung von Erkrankungsfällen in Familien, frühes Erkrankungsalter oder das Vorhandensein von Zweittumoren in Brust oder Eierstock können auf das Vorliegen einer erblich bedingten Brust- oder Eierstockkrebserkrankung hinweisen.

Die bedeutendsten Gene in diesem Zusammenhang sind BRCA1 und BRCA2. Mutationen in diesen Genen sind für über 20 % der Fälle von familiärem Brust- und Eierstockkrebs verantwortlich. Solche krankheitsverursachenden Mutationen können durch eine molekulargenetische Untersuchung bei einer von der Erkrankung betroffenen Person aufgedeckt werden. Damit sind eine risikoadaptierte Beratung und ggf. auch Testung von ratsuchenden, gesunden Familienangehörigen möglich. Ein solcher Gentest, welcher erst nach ausführlicher gynäkologischer und humangenetischer, bedarfsweise auch psychologischer Beratung und Prüfung durchgeführt wird, kann anhand einer Blutprobe (20ml EDTA-Blut) bei einem erkrankten Angehörigen erfolgen. Wird eine eindeutige Veränderung in einem der Gene gefunden, so kann bei jedem ratsuchenden Familienangehörigen nach der entsprechenden Veränderung gesucht werden, um festzustellen, ob diese Anlageträger sind und somit ein erhöhtes Brust- und Eierstockkrebsrisiko vorliegt. Wird die Anlage nicht nachgewiesen, so kann der ratsuchende Angehörige beruhigt werden. Im Rahmen der angebotenen Paneldiagnostik werden weitere Gene untersucht, die ebenfalls mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs assoziiert sind wie RAD51C, RAD51D, CHEK2, CDH1, PALB2, BRIP1, BARD1, PTEN, ATM und TP53. Mutationen in einigen dieser Gene (insbesondere TP53 und CDH1) sind neben Brust- und Eierstockkrebs auch mit dem Auftreten anderer Tumorerkrankungen assoziiert.

Veränderungen in diesen Genen können intensivierte Vor- oder Nachsorgeuntersuchungen oder die Diskussion prophylaktischer Operationsmaßnahmen indizieren.

Wird bei der erkrankten Person in der Familie keine der genannten Genveränderungen gefunden, kann leider das Vorliegen einer Erbanlage für Brust- und Eierstockkrebs nicht ausgeschlossen werden.

Für eine genetische Untersuchung kommen folgende betroffene Familien in Betracht: 

  • mindestens 3 Frauen an Brustkrebs erkrankt sind
  • mindestens 2 an Brustkrebs erkrankten Frauen, davon 1 mit einem Ersterkrankungsalter unter 51 Jahren
  • mindestens 1 an Brustkrebs und 1 weiteren an Eierstockkrebs erkrankten Frau
  • mindestens 1 an Brust- und Eierstockkrebs erkrankte Frau
  • mindestens 2 an Eierstockkrebs erkrankten Frauen unabhängig vom Alter
  • mindestens 1 an beidseitigem Brustkrebs erkrankten Frau unter 51 Jahren
  • mindestens 1 an einseitigem Brustkrebs erkrankten Frau unter 36 Jahren
  • mindestens 1 an Brustkrebs erkranktem Mann und zusätzlich 1 Frau an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt ist
  • mindestens 1 Frau mit Eierstockkrebs vor dem 80. Geburtstag
  • mindestens 1 Frau mit triple-negativer Brustkrebserkrankung vor dem 50. Geburtstag


Das Lebenszeit- und Erkrankungsrisiko

Auch bei fehlendem Nachweis einer klinisch relevanten Mutation, aber auffälliger Familienanamnese und einem Erkrankungsalter vor dem 45. Lebensjahr, kann ein statistisches Risiko an einem Mammakarzinom zu erkranken ermittelt werden. Erreicht das Risiko einen definierten Schwellenwert von >5% für die nächsten 10 Lebensjahre, wird die Aufnahme in das intensivierte Früherkennungsprogramm empfohlen.

 

Bestrahlung im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter

Frauen nach einer Bestrahlung im Brustbereich beispielsweise im Rahmen der Therapie eines Hodgkin Lymphoms, haben ein erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom zu erkranken. Solchen, die bei Erstdiagnose eines Hodgkin Lymphoms < 30 Jahre alt waren und im Thoraxbereich bestrahlt wurden, sollte daher ab 8 Jahre nach Therapie die Teilnahme an intensivierten Früherkennungsuntersuchungen in spezialisierten Zentren angeboten werden.

VERBUNDPROJEKT FAMILIÄRER BRUST- UND EIERSTOCKKREBS DER DEUTSCHEN KREBSHILFE

An der Universitätsfrauenklinik Heidelberg existiert im Rahmen eines Projektes der Deutschen Krebshilfe ein Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs, in dem entsprechend dem interdisziplinären Anspruch Gynäkologen, Humangenetiker, Radiologen und Psychotherapeuten eng zusammenarbeiten.

Es findet eine gynäkologische Beratung über Früherkennungsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten statt sowie eine humangenetische Beratung zur Stammbaumerstellung mit ggf. individueller Risikoberechnung und Aufklärung über die genetischen Hintergründe, Möglichkeiten und Konsequenzen eines Gentests. Eventuell kann eine psychotherapeutische Beratung zur Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Gentestung in Anspruch genommen werden.

Erst nach diesen Beratungen kann die molekulargenetische Untersuchung durchgeführt werden. In Abhängigkeit einer persönlichen Risikoberechnung aufgrund der Stammbaumanalyse und eventuell den zusätzlichen molekulargenetischen Untersuchungen kann eine Teilnahme an dem „Intensivierten Früherkennungs- und Nachsorgeprogramm“ (IFNP) empfohlen werden. In Abhängigkeit der persönlichen Risiken können regelmäßige Ultraschalluntersuchungen bis zweimal jährlich sowie Mammographien ab dem 40. Lebensjahr oder MRT Untersuchungen empfohlen werden. 

Zur Prävention kommt eventuell auch eine prophylaktische Operation in Betracht. Internationale Studien konnten zeigen, dass durch eine prophylaktische Brustdrüsenentfernung oder die prophylaktische Eierstockentfernung das Risiko einer entsprechenden Erkrankung bei Mutationsträgerinnen deutlich reduziert werden kann. Vorher müssen die Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden und in der Beratung die aktuelle Situation der Ratsuchenden für die Entscheidungsfindung besonders berücksichtigt werden.

Über diese zusammenfassende Kurzinformation hinaus ist eine persönliche Beratung sinnvoll. Dafür stehen wir Ihnen in unserem Zentrum gerne in der Speziellen Sprechstunde für Familiären Brust- und Eierstockkrebs zur Verfügung.

 

Terminvereinbarung

Montag bis Donnerstag 
von 8.30 bis 16.00 Uhr

Freitag
von 8.30 bis 14.00 Uhr

Telefon 06221 56-5087

sprechstunde.genetik(at)med.uni-heidelberg.de

Ansprechpartner

Portrait von Prof. Dr. med. Sarah Schott
Prof. Dr. med. Sarah Schott

(aktuell in Elternzeit)


Stellvertretung

Portrait von Dr. med. Juliane Nees
Dr. med. Juliane Nees

DEGUM I Mammasonographie

Schwerpunkt

Senologische Diagnostik