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Das Arbeitsgebiet der Verkehrsmedizin/Verkehrspsychologie

Die zunehmende Massenmotorisierung der letzten Jahrzehnte und der Wunsch nach Mobilität stellt eine Herausforderung sowohl an die Verkehrsmedizin als auch an die Verkehrspsychologie dar. So äußern immer mehr Personen, die krankheitsbedingt in früheren Jahren von der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr ausgeschlossen waren, den Wunsch zur Erlangung einer Fahrerlaubnis. Gleichzeitig nimmt eine unverändert hohe Zahl von Kraftfahrern in alkoholisiertem Zustand am Straßenverkehr teil. In jüngerer Zeit gewinnt zudem das Problem von Drogen und anderen zentral wirksamen Stoffen im Straßenverkehr an Bedeutung.

Die Aufgaben der Sektion Verkehrsmedizin/Verkehrspsychologie beziehen sich deshalb traditionell auf die Schwerpunkte "Fahreignung" und "Fahrtüchtigkeit". Die Komplexität der Aufgaben macht eine multidisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Psychologen unter Hinzuziehung von Juristen, Toxikologen und Ingenieuren notwendig. Die Erfahrungen aus der Forschung auf diesem Gebiet fließen dabei sowohl in die universitäre Lehre für Mediziner, Juristen und Psychologen als auch in die Gutachtertätigkeit ein.

Das verkehrsmedizinisch, -psychologische Forschungsfeld umfaßt experimentelle und epidemiologische Untersuchungen, sowie Untersuchungen mit dem Ziel der Qualitätssicherung in der Fahreignungsbegutachtung. Derzeit liegt ein Schwerpunkt auf der Entwicklung von Nachweisverfahren für drogen- und medikamentenbedingten Ausfallserscheinungen und der Erfassung psychophysischer Beeinträchtigungen durch Alkohol. Im Vordergrund des Forschungsinteresses stehen dabei Veränderungen des Reaktions- und Konzentrationsvermögen die durch kleine oder mittlere Alkoholdosen (O,5 - 0,9 ) hervorgerufen werden, da bei diesen Dosierungen erhebliche interindividuelle und intraindividuelle Wirkungsdifferenzen beobachtet werden, die deshalb auch in hohem Maße von forensischem Interesse sind. Neben den direkten Einflußgrößen interessieren dabei insbesondere auch die Auswirkungen von Moderatorvariablen und Randbedingungen wie z.B. Alkoholgewöhnung, physiologische Aktivierung oder laute Musik. Da auch der optische Apparat durch Alkohol und Drogen beeinflußt wird, stellen experimentelle Untersuchungen zur Beeinflussung des Gesichtsfeldes (Perimetrie) und der Pupillenreaktion (Pupillographie) einen weiteren experimentellen Forschungsschwerpunkt dar.

Die epidemiologische Forschung zu Fragen der Fahreignung und der Qualitätssicherung in der Fahreignungsbegutachtung ist eng mit der Untersuchungsstelle für Medizinisch-Psychologische Fahreignungsbegutachtungen (MPU) des Arbeitsgebietes Verkehrsmedizin/ Verkehrspsychologie verknüpft. Hierbei handelt es sich um die einzige Erstbegutachtungsstelle in der Bundesrepublik, die an eine Universität angeschlossen ist, woraus sich auch eine besondere Verpflichtung zur Forschung auf diesem Gebiet ableitet. An der Untersuchungsstelle werden pro Jahr ca. 400 Kraftfahrer untersucht, die entweder im Straßenverkehr auffällig wurden (z.B. durch Alkohol, Drogen oder Verkehrsverstöße) oder bei denen gesundheitliche oder charakterliche Bedenken an der generellen Fahreignung entstanden.

Die aus der Begutachtung gewonnenen Erkenntnisse, Erfahrungen und Befunde bieten die Möglichkeit zur Ermittlung valider Diagnose- und Prognosefaktoren bei der Beurteilung der zukünftigen Verkehrsbewährung verkehrsauffälliger Kraftfahrer. Im Vordergrund der Forschungsaktivitäten stehen dabei die alkoholauffälligen Kraftfahrerinnen, die Drogenkonsumenten sowie die immer größer werdende Gruppe der Kraftfahrer höheren Lebensalters. Untersuchungen zur Qualitätssicherung in der Fahreignungsbegutachtung befassen sich mit dem Aussagewert sogenannter "Alkoholismusmarker" bei der Diagnose eines erhöhten Alkoholkonsums, dem Einsatz von Persönlichkeitsfragebogen und der Vorhersagevalidität spezifischer Persönlichkeitsfaktoren sowie mit den Auswirkungen dieser Persönlichkeitsfaktoren auf die Untersuchungsergebnisse (z.B. der Einfluß von Testangst auf die Leistungsbefunde) die bei der Untersuchung erhoben werden.