Kliniken & Institute … Kliniken Zentrum für… Über das Zentrum ZPM-Ethikrat

Stopp zu Grenzverletzungen

Beratung am Zentrum für Psychosoziale Medizin

Jede psychotherapeutische Beziehung lebt von der grundlegenden Voraussetzung, dass Patient*innen auf einen klar definierten äußeren Rahmen vertrauen können. Die Aufgabe des/der Therapeuten*in ist es, diesen Rahmen zu schützen. Der/die Behandelnde trägt in Bezug auf die Wahrung der Grenzen die Hauptverantwortung für einen gelingenden therapeutischen Prozess.

Dies bedeutet:

  • Psychotherapie berührt intime und höchstpersönliche Anliegen der Patientin / des Patienten. Deshalb muss die therapeutische Situation in ihren Bedingungen und Grenzen strikt geachtet werden.
  • Grenzverletzendes Verhalten ist nicht akzeptabel und stellt einen schweren Verstoß gegen die Berufsethik dar.

Das ZPM bietet in Form eines Ethikrats ein unabhängiges Beratungsangebot an, das unter Wahrung der Schweigepflicht Patient*innen sowie Mitarbeiter*innen des ZPM unkompliziert zugänglich ist. Der Ethikrat versucht grenzverletzende Vorfälle aufzuklären, zu bewerten und ggf. Vorschläge zu ihrer Bewältigung zu machen. Er berät zudem, wie weiter vorgegangen werden kann.

KONTAKT

Sollte bei Ihnen in Therapiegesprächen bzw. im klinischen Alltag der Eindruck unprofessionellen Verhaltens entstanden sein (z. B. Verwischung von Grenzen von professioneller und privater Ebene, Machtmissbrauch, sexuelle oder emotionale Grenzüberschreitung etc.), können Sie sich vertraulich beraten lassen.

Den Ethikrat des ZPM und erreichen Sie:

  • Innerhalb des Klinikums über Ethik.zpm(at)med.uniheidelberg.de oder Tel. 06221 56-4701.
    Sie werden zunächst vertraulich von Prof. Svenja Taubner beraten, bevor Ihr Anliegen in Rücksprache mit Ihnen in den Rat eingebracht wird.
  • Außerhalb des Klinikums bietet zudem Frau Dr. med. Ana Engellandt-Schnell als Ombudsfrau des ZPM – und externes Mitglied des ZPM-Ethikrates – ihre Beratung an. Sie erreichen Frau Dr. Engellandt-Schnell über dr.engellandt-schnell(at)web.de, bevor Ihr Anliegen in Rücksprache mit Ihnen in den Rat eingebracht wird.
  • Vor Ort in der Klinik/im Institut besteht selbstverständlich immer die Möglichkeit, den/die Ansprechpartner/-in Ihres Vertrauens, die Klinik- und Institutsleitung und auch die Beauftragte für Chancengleichheit am Klinikum zu kontaktieren.

Nicht zuletzt ist außerhalb des ZPM der Ethikverein e.V. eine sehr erfahrene Institution, die unabhängig und professionellvertrauliche Beratung anbietet (www.ethikverein.de).

BERATUNG WOFÜR?

  • Um sich Rat zu holen, falls in Therapiegesprächen oder im klinischen Alltag der Eindruck übergriffigen Verhaltens entstanden ist,
  • um sich klar darüber zu werden, ob und gegebenenfalls welche berufsrechtlichen Pflichten verletzt wurden, um eine unabhängige Bewertung des Sachverhalts und ggf. eine Beratung zu Konsequenzen zu erhalten,
  • um sich bei Verletzung verstanden zu fühlen.

 

ETHIKRAT DES ZPM

Der Ethikrat des ZPM versteht sich als Instrument zur unabhängigen Beratung und Aufklärung von Beschwerden über missbräuchliches und übergriffiges Verhalten innerhalb des ZPM oder in dessen professionellem Umfeld. An ihn können sich Patient*innen sowie Mitarbeiter*innen des ZPM wenden, die ungebührliche, übergriffige, die Privatsphäre verletzende, ausbeuterische, sexuelle und oder gewalttätige Grenzverletzungen selbst erlebt oder berichtet bekommen haben:

WER?

Dem Ethikrat des ZPM gehören neun Mitglieder an: Ein Kreis aus je einem/-r Ethikbeauftragten jeder/-s der fünf Kliniken/Institute, der Gesundheits- und Krankenpflege und der Geschäftsstelle des ZPM, der klinischen Ethikberatung des Klinikums und einer externen Vertrauenstherapeutin.

WIE?

Der Ethikrat ist über E-Mail oder Telefon unter Wahrung der Schweigepflicht für alle Patient*innen sowie für Mitarbeiter*innen des ZPM erreichbar s.o. In der Regel wird der Sachverhalt nach erfolgter Meldung vorbesprochen und, nach Zustimmung, idealerweise auch nach Anhörung weiterer Beteiligter, anschließend in den Ethikrat eingebracht. Im Rat werden die eingegangenen Anliegen regelmäßig ausgewertet, mit den Betroffenen zu den Geschehnissen gesprochen und zum weiteren Vorgehen beraten. Unter Würdigung der relevanten Aspekte und Positionen der Beteiligten wird der Sachverhalt unabhängig bewertet und ggf. eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen ausgesporchen.

WAS KANN AUF GRENZVERLETZENDES VERHALTEN HINWEISEN?

Beispiele für „Gelbe Karten“ im professionellen Verhalten

  • unangemessene Geschenke an PatientInnen
  • Darstellung therapeutischer Unfehlbarkeit
  • wiederholt bekundetes Desinteresse oder Ärger
  • persönliche Auskünfte aus der Intimsphäre
  • Rollenvermischungen zwischen Behandlung und Privatleben
  • wiederholt geäußerte Retter- oder Größenphantasien
  • unangemessene Komplimente

Beispiele für „Rote Karten“ im professionellen Verhalten

  • Eingehen auf / Anbieten von persönlichen, privaten und sexuellen Kontakten und Beziehungen
  • finanzielle/geschäftliche Verbindungen
  • unangekündigte Umarmungen/Berührungen
  • verbale erotische Aussagen
  • Aggressionen, Entwertungen und Demütigungen
  • unautorisierte Kontaktaufnahme in den Freundes-/Bekanntenkreis
  • Verletzungen der Schweigepflicht
  • Benutzen der Patientin / des Patienten für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit
  • enge Bezugspersonen ohne Abstimmung parallel in psychotherapeutische Behandlung nehmen

Modifiziert nach Schleu, A. (2015, 16. März), Vom Umgang mit Grenzen in der Psychotherapie, wap-tagung.de/wp-content/uploads/2016/09/Umgang-mit-Grenzen-in-PT_Bad-Wildungen_2015-03-16.pdf