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Thorakale RadioOnkologie

Die Arbeitsgruppe Thorakale RadioOnkologie befasst sich in enger Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern der Thoraxklinik Heidelberg mit der Erforschung multidisziplinärer Therapieansätze in der Thoraxonkologie. Die Zielsetzung ist hierbei eine Verbesserung der Wirksamkeit bei gleichzeitiger Reduktion von Nebenwirkungen durch den Einsatz moderner strahlentherapeutischer sowie informationstechnischer Verfahren.

Die Behandlung thorakaler Tumore und insbesondere des Lungenkarzinoms hat im letzten Jahrzehnt mehrere bahnbrechende Neuerungen verzeichnen können. Hierbei spielt die Strahlentherapie als Grundpfeiler multimodaler Therapieansätze eine zentrale Rolle. Durch die Weiterentwicklung strahlentherapeutischer Präzisionsverfahren, wie z.B. der CyberKnife-Radiochirurgie, der intensitätsmodulierten Radiotherapie oder der MR-geführten Strahlentherapie, ist der Einsatz der Strahlentherapie stadienübergreifend wirksamer und zugleich nebenwirkungsärmer geworden. Neue medikamentöse Therapieansätze, wie z.B. die Immuntherapie, versprechen synergistische Effekte, wenn sie in Kombination mit einer Bestrahlung eingesetzt werden. Für eine Vielzahl derartiger Fragestellungen kann eine Behandlung im Rahmen innovativer klinischer Studien angeboten werden.

Gruppenleiter | Head

Dr. med. Rami El Shafie

Schwerpunkt

Thorakale Radioonkologie, CyberKnife-Radiochirurgie

Forschungsschwerpunkte

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom im Frühstadium

Die Erfolgschancen der stereotaktischen Präzisionsbestrahlung (SBRT) im Frühstadium des Bronchialkarzinoms sind vergleichbar mit denen einer Operation. Gleichzeitig bietet die SBRT alle Vorteile einer nicht-invasiven Therapie.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • SBRT ultrazentraler Bronchialkarzinome mithilfe MR-geführter Strahlentherapie
  • KEYNOTE-867 Kombination der SBRT mit einer Immuntherapie (Pembrolizumab) bei medizinisch inoperablen Patienten
  • PACIFIC-4 Kombination der SBRT mit einer Immuntherapie (Durvalumab) bei medizinisch inoperablen Patienten oder bei Ablehnung einer Operation

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom im lokal fortgeschrittenen Stadium

Im lokal fortgeschrittenen Stadium (Stadium III) des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms ist neben der Operation die Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie mit nachfolgender Immuntherapie eine hochwirksame Behandlungsmethode.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • Keynote-799 Gleichzeitige Kombination der Immuntherapie (Pembrolizumab) mit der Strahlen-Chemotherapie
  • TradeHypo Hypofraktionierte Bestrahlung in Kombination mit Immuntherapie für Patienten, die keine Chemotherapie erhalten können
  • CheckMate-73L Gleichzeitige und konsolidierende Kombination der Immuntherapie (Nivolumab +/- Ipilimumab) mit der Strahlen-Chemotherapie
  • Entwicklung intelligenter Prognosealgorithmen für Therapieansprechen und Nebenwirkungsrate bei thorakaler Strahlentherapie

Präzisionsbestrahlung von Hirnmetastasen

Die stereotaktische Radiochirurgie am CyberKnife ermöglicht die punktgenaue Bestrahlung von Hirnmetastasen ohne relevante Dosisbelastung des umliegenden Hirngewebes. Die Radiochirurgie ist damit nebenwirkungsärmer als die konventionelle Ganzhirnbestrahlung. Moderne hochsensitive MRT-Bildgebung ermöglicht eine frühere Detektion kleinster Hirnmetastasen.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • CYBER-SPACE CyberKnife-Radiochirurgie von bis zu 10 Hirnmetastasen auf der Basis hochsensitiver MRT-Bildgebung
  • ESTRON Vergleich der stereotaktischen Radiochirurgie des Tumorbettes mit der Ganzhirnbestrahlung nach operativer Entfernung einer Hirnmetastase

Kleinzelliges Bronchialkarzinom

Die Therapie des limitierten Stadiums des kleinzelligen Bronchialkarzinoms besteht aus einer kombinierten Strahlen-Chemotherapie. Neuere Studien untersuchen den Effekt einer zusätzlichen Immuntherapie.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • ADRIATIC Konsolidierende Immuntherapie (Durvalumab +/- Tremelimumab) nach Strahlen-Chemotherapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms

Hirnmetastasen beim kleinzelligen Bronchialkarzinom

Der Therapiestandard für die Behandlung von Hirnmetastasen des kleinzelligen Bronchialkarzinoms ist die Ganzhirnbestrahlung. Neueren Erkenntnissen zufolge könnte auch hier die stereotaktische Radiochirurgie eine schonendere Alternative darstellen.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • ENCEPHALON Vergleich der stereotaktischen Radiochirurgie von bis zu 10 Hirnmetastasen des kleinzelligen Bronchialkarzinoms mit der Ganzhirnbestrahlung.

Kombination von Strahlentherapie und Immuntherapie

Die Kombination von Strahlentherapie und Immuntherapie zeigt auf biologischer Ebene eine Reihe von Effekten, die eine gegenseitige Wirkungsverstärkung dieser Therapien erhoffen lassen. Die therapeutische Nutzung solcher synergistischen Effekte wird in aktuellen Studien untersucht.

Ausgewählte Studien und Fragestellungen:

  • FORCE Synergistische Effekte der Kombination von Immuntherapie (Nivolumab) und Strahlentherapie beim metastasierten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom
  • RadImmune Präoperative Immunmodulation durch lokale Strahlentherapie vor geplanter Operation im Frühstadium des Bronchialkarzinoms

Digitale Ansätze in Therapie und Forschung

Moderne digitale Ansätze ermöglichen eine engmaschigere Betreuung von Patienten im Rahmen von Therapie und Nachsorge. So können Warnsignale früher erkannt und potentiell das Therapieergebnis verbessert werden. In der Forschung schaffen strukturierte Datenbanken und intelligente Algorithmen neue Zugangswege für die integrierte Analyse verschiedener Datenquellen (klinische Daten, Bilddaten, molekulare Daten). Die Arbeitsgruppe Thorakale RadioOnkologie arbeitet gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Medizininformatik an der Etablierung einer solchen integrierten Datenbasis, die es ermöglicht, sämtlich Facetten eines Krankheitsbildes bei der Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestelllungen einzubeziehen.