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Qualitätssicherung

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Qualitätsmanagement in der Psychotherapie

Ansprechpartner: Jens Spinner

Seit Anfang der 90er Jahre begleitet die FOST wissenschaftlich die Durchführung von Programmen zum Qualitätsmanagement (QM) psychosomatischer- und psychotherapeutischer Behandlungen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer Lern- und Kommunikationskultur im Klinikteam, um aktiv daran zu arbeiten für möglichst viele Patienten ein klinisch bedeutsames Behandlungsergebnis zu erreichen.

Das Stuttgart-Heidelberger-Modell stellt die Ergebnisqualität ins Zentrum, berücksichtigt aber auch relevante Daten zur Struktur- und Prozessqualität. Alle Beurteilungen erfolgen sowohl aus der subjektiven Sicht des Patienten als auch aus der professionellen Perspektive des Therapeuten. Die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer Behandlung erhält dabei besondere Aufmerksamkeit.

Das QM beinhaltet eine standardisierte psychologische Eingangs- und Entlassungsdiagnostik sowie die detaillierte Dokumentation der angewandten therapeutischen Maßnahmen. Das Inventar beantwortet die zentralen Fragen jedes QM (Wer kommt zur Behandlung? Mit welchen therapeutischen Mitteln und in welchem Umfang wird behandelt? Welches Ergebnis wird erzielt?). Für die kontinuierliche Beobachtung des Gesundungsverlaufs wird das KPD-38 eingesetzt. Dieses Verfahren wurde von der FOST standardisiert, normiert und validiert. Es erfasst neben dem körperlichen und dem seelischen Befinden sowie der sozialen Beeinträchtigung auch die psychosozialen Ressourcen des Patienten.

Da reines Datensammeln noch keine Qualität sichert, umfasst das Stuttgart-Heidelberger-Modell folgende fünf Schritte:

  1. Informationsgewinnung
  2. Ist-Soll-Vergleich durch standardisierte Bewertungsalgorithmen: Jeder Verlauf wird als gut oder „auffällig“ bewertet
  3. Feedback der Ergebnisse an das therapeutische Team
  4. Kommunikation und Planung der Behandlung in internen Qualitätszirkeln
  5. Fallübergreifende Auswertungen und Qualitätsberichte

Seit 2003 setzt die FOST eine internetbasierte Software zur Datenerhebung, -verarbeitung und -rückmeldung ein. Dies ermöglicht die regelmäßige therapiebegleitende Bewertung und Rückmeldung des individuellen Gesundheitszustandes ohne Zeitverzögerung. Weitere Vorteile eines internetbasierten QM sind:

  1. Flexibilität des Fragebogeninventars und der Erhebungspläne
  2. Datenqualität: automatisches Prüfen auf Vollständigkeit und Plausibilität
  3. Erinnerungsfunktion: per E-Mail können Eingabelisten und Eingabeerinnerungen verschickt werden
  4. Rückmeldung: sofortige automatische Auswertung und Rückmeldung
  5. Sicherheit: passwortgeschützter Zugang für unterschiedliche Benutzergruppen, verschlüsselte Datenübertragung, Dokumentation aller Dateneingaben und Datenänderungen
  6. Nutzerfreundlichkeit: keine zusätzlichen Softwareinstallationen notwendig
  7. Kosteneinsparungen: keine Zusatzkosten durch aufwendige Dateneingaben und Datenauswertungen
Literatur

Kordy, H., Gallas, C. & Zimmer, B. (2011). Dokumentation und Qualitätssicherung. In: W. Senf & M. Broda (Hrsg.) Praxis der Psychotherapie (S. 146-149). Stuttgart: Georg Thieme Verlag

Software

Ansprechpartner: Dr. Markus Moessner

Die FOST entwickelt seit 1994 Software für die Dateneingabe, Datenverwaltung und –verarbeitung sowie für die Ergebnisrückmeldung nach dem Stuttgart-Heidelberger Modell zur Qualitätssicherung in der Psychotherapie. Das Computerprogramm AKQUASI (AKtive Interne QUAlitätsSIcherung) bildete seit dieser Zeit das technische Kernstück der ergebnisorientierten Qualitätssicherung.

Im Jahr 2003 erfolgte eine Weiterentwicklung des Programms zu einer internetbasierten Anwendung (Web-AKQUASI). Web-AKQUASI ermöglicht computergestützte Testerhebungen mit sofortiger Auswertung der Ergebnisse und deren Rückmeldung an die Programmnutzer. Dadurch wird ein kontinuierliches Monitoring des Behandlungsverlaufs ermöglicht, das die Beobachtung zentraler Prozess- oder Ergebniskriterien einschließt, die die Behandlungsplanung unterstützen können.

Für den Einsatz in Web-AKQUASI wurde ein Basis-Fragebogeninventar zusammengestellt, das psychische, körperliche und soziale Problembereiche sowie Ressourcenaspekte berücksichtigt. Das Inventar wird mit jedem Anwender individuell abgestimmt. Modifikationen am Basis-Inventar und ergänzende Instrumente (z.B. diagnosespezifische Fragebögen) können zeitnah im System realisiert werden.

Die Beantwortung des Inventars erfolgt computergestützt. Die Dateneingabe wird über einen Erhebungsplan gesteuert, der für jeden Patienten individuell im Programm definiert werden kann.

Web-AKQUASI bietet unter anderem folgende grafisch unterstützte Auswertungs- und Feedback-Funktionen:

  1. Skalenwerte in Relation zu Patienten- oder Bevölkerungsnormen, die grafisch in Profil- oder Verlaufsform dargestellt werden.
  2. Bewertungen individueller Verläufe nach dem Prinzip der klinisch signifikanten Veränderung.
  3. zusammenfassende Bewertung des individuellen Therapiestatus und –verlauf („Signal“)
  4. aggregierte Auswertungen auf der Ebene von Patientengruppen

Das Programm kann entweder über das Internet (auf einem Server der FOST) oder auf einem eigenen Server über ein Intranet betrieben werden, wobei in beiden Fällen alle Optionen des Programms zur Verfügung stehen.

Derzeit wird die Software für den Einsatz mit mobilen Eingabegeräten weiterentwickelt, was u.a. Datenerhebungsprotokolle im Bereich des ambulatorischen Assessments (Ecological Momentary Assessment) ermöglicht.

Literatur

Zimmer, B. & Moessner, M. (2012). Therapieevaluation in der stationären Psychotherapie mit Web-AKQUASI. Psychotherapie im Dialog, 13, 68-71.