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Forschung

Die Arbeit der Forschungsstelle für Psychotherapie (FOST) zielt auf die Verbesserung des Verständnisses, der Prävention und der Behandlung psychischer Erkrankungen. Das Forschungsprogramm der FOST konzentriert sich auf verschiedene Bereiche der Psychotherapie- und Versorgungsforschung. Die aktuellen Arbeiten lassen sich primär den folgenden Schwerpunkten zuordnen:

Digitale Interventionen und E-Mental Health

Bereits seit 2001 beschäftigt sich die FOST mit der Entwicklung und Evaluation von internetbasierten und mobilen Interventionen („E-Mental Health“). Diese wurden in zahlreichen Projekten für verschiedene psychische Erkrankungen konzipiert, beispielsweise für Depression, Essstörungen, Dermatillomanie, selbstverletzendes Verhalten, Schizophrenie sowie Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen. Zum Einsatz kommen diese Interventionen in unterschiedlichen Bereichen des Versorgungsspektrums wie der Gesundheitsförderung und Selbsthilfe, der Primär- und Sekundärprävention, aber auch in der Behandlungsvorbereitung, Therapie, Rückfallprävention und im chronischen Krankheitsmanagement. Die Evaluationsstudien der FOST beschäftigen sich mit der Untersuchung der Wirksamkeit, Effektivität und Kosten-Effektivität von digitalen Intervention. Darüber hinaus werden unterschiedliche Implementierungs- und Disseminationsstrategien untersucht und Interventionen in Hinblick auf ihre Reichweite und Public Health Impact bewertet.

Ansprechpartner: PD Dr. Stephanie Bauer
(stephanie.bauer(at)med.uni-heidelberg.de)

Hilfesuche und Barrieren in der Versorgung

Die Tatsache, dass nur eine Minderheit der Betroffenen (zeitnah) professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, trägt entscheidend zu der enormen mit psychischen Erkrankungen verbundenen Krankheitslast auf Bevölkerungsebene bei. Aus Sicht der Versorgungsforschung ist die Reduktion dieser sog. „Treatment Gap” durch die Verbesserung des Zugangs zu evidenzbasierten präventiven und therapeutischen Angeboten von entscheidender Bedeutung. Die Arbeit der FOST konzentriert sich deshalb zum einen im Rahmen von Implementierungsstudien auf die Vergrößerung der Reichweite professioneller Angebote (z.B. durch digitale Interventionen) und zum anderen im Rahmen von Simulationsstudien auf die Abschätzung des Public Health Impacts unterschiedlicher Versorgungsstrategien. Darüber hinaus untersuchen wir sowohl spezifische Barrieren die dazu beitragen, dass Betroffene keine professionelle Hilfe erhalten als auch Faktoren, die zu einer verzögerten Inanspruchnahme, verminderter Adhärenz und Dropout beitragen. Im Rahmen von experimentellen und interventionellen Studien untersuchen wir außerdem die Wirksamkeit innovativer Ansätze um das Hilfesuchverhalten zu verbessern und Versorgungsbarrieren zu reduzieren. 

Ansprechpartner: PD Dr. Stephanie Bauer
(stephanie.bauer(at)med.uni-heidelberg.de)

Psycholinguistische Analysen

Sprache ist das zentrale Mittel in der Kommunikation und Interaktion mit anderen. Psycholinguistische Analysen von Sprache in gesprochener oder geschriebener Form können daher wertvolle Einblicke in psychologische intra- und interindividuelle Prozesse geben. Im Kontext von Psychotherapieforschung finden solche Analysen unter anderem Anwendung bei der Auswertung von Transkripten von Psychotherapiesitzungen oder therapiebegleitenden Angeboten mit schriftlichen Anteilen. Psycholinguistische Analysen bieten sich auch für die Erforschung von Kommunikation im Internet und insbesondere in sozialen Medien an, da diese größtenteils in geschriebener Form stattfindet und über längere Zeit gespeichert wird. Die Forschung der FOST in diesem Bereich fokussiert sich auf online Communities oder Foren in sozialen Medien mit Bezug zu psychischen Störungen. Bei der Analyse intra- und interindividueller Prozesse werden sowohl top-down Ansätze als auch bottom-up Ansätze verfolgt, um Sprachstile und relevante Themen zu identifizieren. Zum Einsatz kommen dabei Methoden wie das Linguistic Inquiry and Word Count Wörterbuchsystem oder Topic Modelling mit Latent Dirichlet Allocation.

Ansprechpartner: Johannes Feldhege
(johannes.feldhege(at)med.uni-heidelberg.de)

Netzwerkanalysen

NUTZUNG VON NETZWERKANALYSEN ZUR ANALYSE VON INTERAKTIONSMUSTERN

Im Rahmen von IKT-basierten Interventionen werden Nutzerdaten in standardisierter Form in Datenbanken gespeichert und können damit direkt für weiterführende Analysen genutzt werden. Psychotherapeutische Gruppensitzungen in Internet Chaträumen ermöglichen eine Untersuchung von relevanten Prozessvariablen und besonders förderlichen Interaktionsmustern. Die Analyse komplexer Interaktionsmuster erfordert Methoden, die in der Lage sind die Prozesse in ihrer Komplexität zu beschreiben. Die moderne Netzwerkanalyse bietet sich für die Modellierung solcher komplexer Interaktionsmuster unter Einbeziehung von Personenvariablen an. Die Netzwerkanalyse dient der Identifikation und der Modellierung von Mustern in den Beziehungen, die sich anhand der Interaktionsdaten der Kommunikationspartner abbilden. In einer Repräsentation als Netzwerkknoten und –kanten können diese in ihrer Gesamtheit formal charakterisiert werden. Dabei werden Individuen als Knoten und die Beziehungen zwischen Knoten als Kanten abgebildet. Es lassen sich lokale Netzwerkstrukturen um Individuen herum darstellen, die mit Eigenschaftsmerkmalen (z.B. Diagnosen, psychische Belastung, etc.) in Beziehung gesetzt werden können, wodurch sich neue Möglichkeiten für die Operationalisierung von Konzepten zur Erfassung spezifischer Gruppentherapieprozesse eröffnen.

Ansprechpartner: PD Dr. Markus Moessner
(markus.moessner(at)med.uni-heidelberg.de)

Qualitätssicherung

QUALITÄTSMANAGEMENT IN DER PSYCHOTHERAPIE

Seit Anfang der 90er Jahre begleitet die FOST wissenschaftlich die Durchführung von Programmen zum Qualitätsmanagement (QM) psychosomatischer- und psychotherapeutischer Behandlungen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer Lern- und Kommunikationskultur im Klinikteam, um aktiv daran zu arbeiten für möglichst viele Patienten ein klinisch bedeutsames Behandlungsergebnis zu erreichen.

Das Stuttgart-Heidelberger-Modell stellt die Ergebnisqualität ins Zentrum, berücksichtigt aber auch relevante Daten zur Struktur- und Prozessqualität. Alle Beurteilungen erfolgen sowohl aus der subjektiven Sicht des Patienten als auch aus der professionellen Perspektive des Therapeuten. Die Zufriedenheit der Patienten mit ihrer Behandlung erhält dabei besondere Aufmerksamkeit.

Das QM beinhaltet eine standardisierte psychologische Eingangs- und Entlassungsdiagnostik sowie die detaillierte Dokumentation der angewandten therapeutischen Maßnahmen. Das Inventar beantwortet die zentralen Fragen jedes QM (Wer kommt zur Behandlung? Mit welchen therapeutischen Mitteln und in welchem Umfang wird behandelt? Welches Ergebnis wird erzielt?). Für die kontinuierliche Beobachtung des Gesundungsverlaufs wird das KPD-38 eingesetzt. Dieses Verfahren wurde von der FOST standardisiert, normiert und validiert. Es erfasst neben dem körperlichen und dem seelischen Befinden sowie der sozialen Beeinträchtigung auch die psychosozialen Ressourcen des Patienten.

Da reines Datensammeln noch keine Qualität sichert, umfasst das Stuttgart-Heidelberger-Modell folgende fünf Schritte:

  1. Informationsgewinnung
  2. Ist-Soll-Vergleich durch standardisierte Bewertungsalgorithmen: Jeder Verlauf wird als gut oder „auffällig“ bewertet
  3. Feedback der Ergebnisse an das therapeutische Team
  4. Kommunikation und Planung der Behandlung in internen Qualitätszirkeln
  5. Fallübergreifende Auswertungen und Qualitätsberichte

Seit 2003 setzt die FOST eine internetbasierte Software zur Datenerhebung, -verarbeitung und -rückmeldung ein. Dies ermöglicht die regelmäßige therapiebegleitende Bewertung und Rückmeldung des individuellen Gesundheitszustandes ohne Zeitverzögerung. Weitere Vorteile eines internetbasierten QM sind:

  1. Flexibilität des Fragebogeninventars und der Erhebungspläne
  2. Datenqualität: automatisches Prüfen auf Vollständigkeit und Plausibilität
  3. Erinnerungsfunktion: per E-Mail können Eingabelisten und Eingabeerinnerungen verschickt werden
  4. Rückmeldung: sofortige automatische Auswertung und Rückmeldung
  5. Sicherheit: passwortgeschützter Zugang für unterschiedliche Benutzergruppen, verschlüsselte Datenübertragung, Dokumentation aller Dateneingaben und Datenänderungen
  6. Nutzerfreundlichkeit: keine zusätzlichen Softwareinstallationen notwendig
  7. Kosteneinsparungen: keine Zusatzkosten durch aufwendige Dateneingaben und Datenauswertungen

Weitere Informationen zu der für das internetbasierte QM eingesetzten Software ASMO finden Sie hier.

Ansprechpartner: PD Dr. Markus Moessner
(markus.moessner(at)med.uni-heidelberg.de)

Software ASMO

Die Software ASMO (“Assessment und Monitoring psychischer Gesundheit”) erlaubt die flexible und nutzerdefinierte online-Datenerhebung via Smartphone, Tablet oder PC. Einsatzmöglichkeiten sind neben der Psychotherapie-Prozess- und Ergebnisforschung das longitudinale Monitoring psychischer Gesundheit und Krankheit sowie das Ecological Momentary Assessment (EMA) innerhalb und außerhalb von therapeutischen Settings. Die Software erlaubt die Umsetzung unterschiedlicher Studiendesigns und der dazugehörigen Erhebungen (z.b. RCTs, EMA-Studien, Beobachtungsstudien, experimentelle Studien).

Zusätzliche Module ermöglichen darüber hinaus die Integration internetbasierter und mobiler Interventionen (eHealth/mHealth) zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen. Außerdem steht ein Modul für die Qualitätssicherung in der Psychotherapie zur Verfügung, mithilfe dessen Prozess- und Ergebnisparameter effizient erhoben und relevante Informationen in Echtzeit an therapeutische Teams zurückgemeldet werden können.

Die an der FOST etablierte Server-Infrastruktur und Expertise in der Softwareentwicklung erlaubt es uns, ASMO flexibel an spezifische Anforderungen in Forschungsprojekten und unterschiedlichen Versorgungskontexten sowie an die Bedürfnisse unserer klinischen Kooperationspartner anzupassen.  

Weitere Informationen zu der für das internetbasierte QM eingesetzten Software ASMO finden Sie hier.

Ansprechpartner: Maximilian Wilhelm
(maximilian.wilhelm(at)med.uni-heidelberg.de)

Bei Fragen, Projektideen und Kooperationswünschen können Sie uns jederzeit kontaktieren.