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Forschungsprojekte am HIP

Forschungsarbeiten zeigen die Effektivität und somit auch die Berechtigung psychodynamischer Verfahren mit einer vergleichbaren Wirksamkeit gegenüber anderen Verfahren (z.B. Leichsenring, Klein, & Salzer, 2014). Sie weisen jedoch auch auf den Bedarf an weiterer Forschung hin. Diese beschäftigt sich neben der Etablierung der Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapie für verschiedene Patientengruppen auch zunehmend mit Prozess-Ergebnis-Zusammenhängen unter Einbezug von Psychotherapeuten- und Patienten-Variablen, um weitere Fragen zur Wirkungsweise von Psychotherapie zu klären.

Die Forschungsprojekte am HIP lassen sich grob in die Bereiche Ausbildungsforschung und Psychotherapieprozessforschung einteilen. Eine Übersicht können Sie der folgenden Tabelle entnehmen.

Psychotherapieforschung

  • Prädiktoren und mikroanalytisch-linguistische Charakteristika von Beziehungsbrüchen in der Psychotherapeutischen Beziehung
  • Veränderungen des autobiographischen Gedächtnisses im Verlauf psychodynamischer Psychotherapie bei depressiven Patienten in Abhängigkeit vom Bindungsstil
  • P-AK Psychotherapeutische Abendklinik – neue Versorgungsform für depressive Patienten
  • Working Alliance –Continuous time Modelling
  • Therapeutische Allianz aus Sicht von Patienten und Therapeuten
  • Kindheitserfahrungen - APK Studie
  • Einsicht in Konflikthafte Beziehungsmuster

Ausbildungsforschung

  • Konzeption, Implementierung und Evaluation eines longitudinalen Curriculums zur Vermittlung und praktischen Prüfung psychodynamischer Interventionskompetenzen in der Ausbildung Psychologischer Psychotherapie (DYNAMIK-Studie)
  • Videogestützte Supervision in der Psychotherapieausbildung
  • Studie zur Entwicklung von Psychotherapie Kandidaten/innen (SPRISTAD)

Neue curriculäre Entwicklungen in der psychotherapeutischen Ausbildung:

Longitudinales Curriculum zur Vermittlung Psychodynamischer Interventionskompetenzen in der Ausbildung Psychologischer Psychotherapeuten am Heidelberger Institut für Psychotherapie – DYNAMIK-Studie – gefördert von der Köhler-Stiftung, in der Verwaltung d

Psychodynamische Psychotherapie hat sich in zahlreichen randomisiert-kontrollierten Studien in der Behandlung psychischer Störungen als nachhaltig wirksam erwiesen. Zentral für die Wirksamkeit eines Verfahrens ist dabei die Etablierung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung zwischen PatientIn und TherapeutIn. Spezifische psychotherapeutische Interventionen können dabei einen substantiellen Beitrag zur positiven Beziehungsgestaltung leisten. Allerdings zeigen Studien, dass werdende PsychotherapeutInnen unzureichende reflexive und interventionelle Kompetenzen aufweisen. Dementsprechend stellt die Vermittlung des kompetenten Umgangs mit therapeutischen Techniken ein zentrales Ziel der psychotherapeutischen Ausbildung dar.

Es wird zu Recht angenommen, dass der Transfer therapeutischer Kompetenzen von der Ausbildung in das therapeutische Setting verbessert werden kann, wenn die im Schwerpunkt theoretische Ausbildung um praktische Trainingseinheiten erweitert wird. Dies entspricht auch dem Wunsch von AusbildungskandidatInnen, die eine stärkere Verknüpfung und Verschränkung von theoretischen Lerneinheiten mit praktischen Trainingseinheiten einfordern. Auch auf der bundespolitischen Ebene zeichnen sich Entwicklungen hin zu einem Nationalen Lernzielkatalog Psychotherapie und der Einführung von mündlich-praktischen Prüfungen zur Evaluation von Handlungskompetenzen in der Psychotherapieausbildung ab.

Rollenspiele in der Gruppe von AusbildungskandidatInnen (Peer-Rollenspiel) und Simulationsverfahren mit Standardisierten PatientInnen (SP – „SchauspielerpatientInnen“) stellen wichtige und wirksame Trainingsmethoden zur Vermittlung kommunikativer Kompetenzen dar, allerdings sind sie in der psychotherapeutischen Ausbildung noch eine Seltenheit. Erste Trainingsseminare mit Standardisierten PatientInnen zur Verbesserung psychotherapeutischer Kompetenzen zeigen, dass diese einen wirksamen methodischen Ansatz darstellen und sich der Trainingserfolg auf aktuell laufende psychotherapeutische Behandlungen übertragen lässt.

Die DYNAMIK-Studie stellt das erste longitudinale Curriculum zur Vermittlung Psychodynamischer Interventionskompetenzen in der Ausbildung Psychologischer PsychotherapeutInnen dar. In insgesamt acht Modulen (siehe Abb.) werden über vier Ausbildungsjahre hinweg zentrale psychodynamisch-psychotherapeutische Interventionen im Peer-Rollenspiel und mit Standardisierten PatientInnen trainiert. Dabei stellen praktische Übung, angeleitete Selbstreflexion, Video-Feedback, Peer-Feedback sowie die Rückmeldungen der Standardisierten PatientInnen und DozentInnen zentrale Effektoren für den erwünschten Erwerb der psychotherapeutischen Interventionskompetenzen dar. Zum Abschluss des Curriculums soll eine formative praktische Prüfung stattfinden.

 

Ltd. OA Prof. (apl.) Dr. med. Christoph Nikendei, MME

Dr. phil. Dipl.-Psych. Inka Montan

OA PD Dr. med. Jobst-Hendrik Schultz, MME

OÄ Dr. rer. nat. Ulrike Dinger

Module

Informationen zu abgeschlossenen wissenschaftlichen Arbeiten finden Sie in den folgenden Links

Therapeutic Agency Inventory (TAI)

Therapeutic Agency (TA) bezeichnet das patientenseitige subjektive Erleben eigener Einflussmöglichkeit innerhalb eines therapeutischen Prozesses. Ziel war die Entwicklung und die psychometrische Validierung eines Fragebogens zur deren Messung. Die Ergebnisse zeigen, dass dieses Konstrukt mit dem TAI reliabel, valide und veränderungssensitiv gemessen wird. Therapeutic Agency zeigt dabei erwartbare Zusammenhänge mit anderen psychotherapeutischen Prozessfaktoren wie Selbstwirksamkeitserwartungen, Kontrollüberzeugungen, geringerem psychischen Leidensdruck und Depressionswerten. Positive Veränderungen bezüglich der TA eines Patienten im Verlauf einer Psychotherapie können dabei das therapeutische Ergebnis vorhersagen. 

Huber, J., Nikendei, C., Ehrenthal, J.C., Schauenburg, H., Dinger, U. Therapeutic Agency Inventory (2018, Feb 05). Psychotherapy Research, Accepted for Publication

Therapeutic Agency, In-Session Behavior and Patient-Therapist Interaction

Diese Untersuchung hatte zum Ziel die Zusammenhänge zwischen der erlebten therapeutischen Agency (eigene Wirksamkeit) von Patienten, dem beobachtbaren Verhalten während einer Therapiesitzung und der Qualität der Patient-Therapeut Interaktion zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass höhere Agency mit einer besseren therapeutischen Arbeitsbeziehung verknüpft ist. Patienten, die sich in ihrer Therapie selbstwirksamer erlebten, nahmen aktiver an ihrer Therapie teil und zeigten sich seltener feindselig. Die Direktivität des Therapeuten hatte dabei keinen Einfluss auf die erlebte „Agency“ des Patienten. 

Huber, J., Born, A.-K., Claaß, C., Ehrenthal, J. C., Nikendei, C., Schauenburg, H., & Dinger, U. (in press) Therapeutic Agency, In-Session Behavior and Patient-Therapist Interaction. Journal of Clincial Psychology.

Association Between Insight and Outcome of Psychotherapy: Systematic Review and Meta-Analysis

Einsicht bezeichnet das subjektive Verständnis von Zusammenhängen zwischen vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungen, charakteristischen Beziehungsmustern und der Beziehung zwischen interpersonellen Schwierigkeiten, emotionalem Erleben und psychischen Symptomen. Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse zeigen einen signifikanten mittleren Zusammenhang zwischen Einsicht im Verlauf einer Psychotherapie und dem therapeutischen Ergebnis.

Jennissen, S., Huber, J., Ehrenthal, J. C., Schauenburg, H., & Dinger, U. (2018). Association Between Insight and Outcome of Psychotherapy: Systematic Review and Meta-Analysis. American Journal of Psychiatry, doi.org/10.1176/appi.ajp.2018.170

Intervention Training using Peer-Role Play and Standardized Patients in Psychodynamic Psychotherapy Trainees

Die Effekte von Peer-Rollenspielen und der Arbeit mit Simulationspatienten im Rahmen eines Interventionsseminars zur Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen, das seit einiger Zeit am  HIP angeboten wird, wurden untersucht. Das innovative Unterrichtsmodell befördert die Selbstwirksamkeit der Ausbildungsteilnehmer bezüglich der trainierten Interventionstechniken signifikant. Ein Transfer auf danach aufgezeichnete Therapiesitzungen konnte insbesondere für die Elemente  „Klarifizieren“ und „Spiegeln“ beobachtet werden. Die qualitative Untersuchung ergab, dass Ausbildungsteilnehmer ihre Interventionswahl in einer Therapiesitzung nach dem Seminar stärker reflektierten und gleichzeitig ein gesteigertes therapeutisches Selbstverständnis entwickelten. 

Nikendei , C., Huber, J., Ehrenthal, J.C., Herzog, W., Schauenburg, H., & Dinger, U. Intervention Training using Peer-Role Play and Standardized Patients in Psychodynamic Psychotherapy Trainees. Counselling and Psychotherapy Research, accepted for publication.

Attachment styles and interpersonal motives of psychotherapy trainees

Interpersonelle Motive tragen dazu bei, dass Therapeuten die Fähigkeit besitzen ein hilfreiches Arbeitsbündnis zum Patienten zu entwickeln. Diese Studie untersuchte die Frage, wie Bindungsstile und interpersonelle Motive unter angehenden Psychotherapeuten (VT und TfP) verteilt sind und wie sie sich im Vergleich zur Normalbevölkerung darstellen. Die Ergebnisse zeigen, dass psychotherapeutische Ausbildungskandidaten seltener einen vermeidenden Bindungsstil aufwiesen und im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger warmherzig-verträgliche interpersonelle Motive verfolgen.

Rek, I., Ehrenthal, J. C., Strauss, B. M., Schauenburg, H., Nikendei, C., & Dinger, U. (2018). Attachment styles and interpersonal motives of psychotherapy trainees. Psychotherapy, 55(3), 209-215. doi:10.1037/pst0000154

Psychotherapy training: A comparative qualitative study on motivational factors and personal background of psychodynamic and cognitive behavioural psychotherapy candidates

Diese Studie, die in Kooperation mit dem ZPP Heidelberg durchgeführt wurde, untersuchte die Motive angehender Psychotherapeuten hinsichtlich ihrer Berufswahl, in Abhängigkeit von ihrer therapeutischen Orientierung. Es zeigte sich, dass Ausbildungsteilnehmer mit verhaltenstherapeutischer Orientierung eher sozioökonomische Sicherheit als Motiv angaben und sich auf wissenschaftlich-fundierte Methoden sowie auf manual-basierte Prozesse stützen wollen. Psychodynamisch orientierte Ausbildungskandidaten bedenken stärker ihre zukünftige persönliche Entwicklung und biographische Aspekte als einflussreicher für ihre Entscheidung hinsichtlich der therapeutischen Orientierung.

Safi, A., Bents, H., Dinger, U., Ehrenthal, J. C., Ackel-Eisnach, K., Herzog, W., & ... Nikendei, C. (2017). Psychotherapy training: A comparative qualitative study on motivational factors and personal background of psychodynamic and cognitive behavioural psychotherapy candidates. Journal Of Psychotherapy Integration, 27(2), 186-200. doi:10.1037/int0000031

Erwartungen Psychologischer Psychotherapeuten zu Beginn ihrer Ausbildung in Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie – eine vergleichende qualitative Interview-Studie

Die Psychotherapieausbildung rückt zunehmend in den Fokus der Psychotherapieforschung. Bisher ist jedoch wenig bekannt, welche persönlichen und inhaltlichen Erwartungen und Wünsche Psychologen zu Beginn ihrer Therapieausbildung an dieselbe haben. 24 Psychologen wurden zu Beginn ihrer Ausbildung an einem Institut für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und an einem Institut für Verhaltenstherapie in einem halbstandardisierten Einzelinterview zu ihren Erwartungen an die gerade begonnene Ausbildung befragt. Eine zentrale Erwartung an die Ausbildung war die Durchführung praktischer therapeutischer Übungen in einem geschützten Rahmen mit Fokus auf die Behandlungstechnik bei VT-Kandidaten und auf die Patient-Therapeut-Beziehung bei TfP-Kandidaten. Gemeinsam war beiden Gruppen die Betonung der zeitlichen und finanziellen Belastungen insbesondere in der Praktikumszeit, die Bedeutung von Supervision, Selbsterfahrung und persönlicher Weiterentwicklung im Rahmen der Ausbildung.

Nikendei C., Bents H., Dinger U., Huber J., Schmid C., Montan I., Ehrenthal J.C., Herzog W., Schauenburg H., Safi A. (2018). Erwartungen Psychologischer Psychotherapeuten zu Beginn ihrer Ausbildung in Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie – eine vergleichende qualitative Interview-Studie. Psychotherapeut, im Druck.

Zur Entwicklung tiefenpsychologischer Ausbildungsinstitute. Das Beispiel des Heidelberger Instituts für Psychotherapie

Die Veränderungen in der psychotherapeutischen Landschaft stellen auch an psychodynamische Ausbildungsinstitute neue Anforderungen. Hierzu zählen die Etablierung moderner Lehr und Supervisionsformen ebenso wie die Beteiligung an Forschungsaktivitäten, sei es zur Entwicklung psychotherapeutischer Kompetenzen, sei es im Rahmen von Prozess und Wirksamkeitsforschung. Ziel der Arbeit. Beschrieben werden die historische und die institutionelle Entwicklung des Heidelberger Instituts für Psychotherapie (HIP, gegründet 2010), das als universitätsnahes psychodynamisches Ausbildungsinstitut versucht, den genannten Aufgaben gerecht zu werden. Material und Methode. Dargestellt werden Aufbau, curriculare Struktur und Finanzierungsmodell und die Entwicklung von Forschungsstrukturen. Schlussfolgerung. Die Tätigkeit des HIP verläuft in jeder Hinsicht erfolgreich und zeigt damit, dass Vielfalt im Bereich der Psychotherapie(ausbildung) realisierbar und nachgefragt ist.

Schauenburg, H., Dinger, U., Kriebel, A., Huber, J., Friederich, H. C., Herzog, W., & Nikendei, C. (2019). Zur Entwicklung tiefenpsychologischer Ausbildungsinstitute. Psychotherapeut, 64(1), 46-54.