MDS

 

Beim Myelodysplastischen Syndrom (MDS) handelt es sich um eine Ausreifungsstörung der verschiedenen Blutzellreihen im Knochenmark, welche wahrscheinlich auf einen genetischen Defekt der Blutvorläuferzellen (Stammzellen) zurückzuführen ist. Diese Störung führt dazu, dass sich nicht genügend funktionsfähige rote Blutkörperchen („Erythrozyten“, verantwortlich für den Sauerstofftransport) und weiße Blutkörperchen („Leukozyten“, verantwortlich für eine intakte Immunabwehr) in der Blutbahn befinden. Auch die Bildung von Blutplättchen („Thrombozyten, verantwortlich für die Blutgerinnung) kann beeinträchtigt sein. Häufig kommt es in einem späten Stadium dieser Ausreifungsstörung zu einer massiven Vermehrung unreifer und damit funktionsuntüchtiger Stammzellen, welche dann in die Blutbahn ausgeschüttet werden und „Blasten“ genannt werden. Diese Form der Erkrankung bezeichnet man dann als akute Leukämie.

 

Leider ist ein genauer Mechanismus, der zur Krankheitsentstehung sowie zum Fortschreiten der Erkrankung in eine akute Leukämie führt, noch nicht bekannt. Patienten, die aufgrund einer malignen Vorerkrankung eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten hatten, haben ein hohes Risiko, ein MDS zu entwickeln. Auch Benzol und Nikotin können eine Rolle spielen. Meist ist das MDS aber eine Erkrankung des höheren Lebensalters:  Möglicherweise häufen sich durch langjährigen „Gebrauch“ der Stammzellen erworbene Fehler im Erbgut, diese sind jedoch nicht vererbbar.

 

Um ein MDS dauerhaft zu heilen, müssen alle Stammzellen des Patienten durch Stammzellen eines anderen Menschen ersetzt werden. Dies ist mit einer allogenen Stammzell-Transplantation möglich, die in unserem Zentrum einen wichtigen Schwerpunkt mit etwa 100 Transplantationen pro Jahr darstellt. Falls ein Spender zur Verfügung steht, kann eine Transplantation bei fitten Patienten bis zum 70. Lebensjahr durchgeführt werden.

 

Ist eine Stammzell-Transplanation nicht möglich, kann die sich entwickelnde Leukämie über längere Zeit verhindert werden, hierfür stehen Medikamente wie Vidaza, Cytarabin oder Melphalan zur Verfügung. Patienten, bei denen keine Leukämie droht, leiden dennoch häufig unter den Folgen der fehlenden Blutzellen, insbesondere der Anaemie. Hier sind Bluttransfusionen und Injektionen von Erythropoetin angezeigt, neuere Ansätze wie Valproat oder Leflunomid können ebenfalls versucht werden.

 

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Untersuchung von Eiweißmolekülen und Erbmaterialveränderungen, die an der Entstehung bzw. dem Fortschreiten dieser Erkrankung beteiligt sind. Ziel unserer Arbeiten ist ein besseres Verständnis der verschiedenartigen klinischen Verläufe, die Vorhersage des Risikos einer Leukämie und die Verbesserung der Ergebnisse der Stammzell-Tranplantation. Wir kooperieren eng mit dem Pathologischen Institut unseres Klinikums (Dr. M. Andrulis) und mit nationalen und internationalen Arbeitsgruppen.

 

Insbesondere interessieren wir uns für die Frage, wie sich die dysplastisch veränderte Stammzelle im Knochenmark ausbreiten und die gesamte übrige Blutbildung verdrängen kann. Hier könnte sich ein Ansatzpunkt für neuartige Therapieansätze bieten.

 

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeiten ist die Verbesserung der Ergebnisse der Stammzell-Transplantation. Hier muss eine immunologische Reaktion der transplantierten Spenderzellen verstanden und kontrolliert werden, die einerseits gegen die MDS-Zellen des Patienten gerichtet ist und zur Heilung der Erkrankung beiträgt, andererseits aber durch Schädigung der Organe zu schweren Komplikationen führen kann. Diese Komplikation heißt „graft-versus-host-disease“ (GvHD) und stellt derzeit die Hauptursache für die mit einer Stammzell-Transplantation verbundenen Mortalität (Sterberate) und Morbidität (Rate schwerwiegender Erkrankungen) dar. In den letzten Jahren konnten wir basierend auf unseren Forschungsergebnissen Erfolge in der Therapie und Prävention dieser Komplikation verzeichnen.

 

Somit profitieren Patienten mit Myelodysplastischen Syndromen in unserer Klinik von einem lebendigen und sich entwickelndem Forschungsteam, das sich besonders die Verbesserung der Ergebnisse der aktuellen Therapiestrategien zum Ziel setzt.

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