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Cancer of Unknown Primary (CUP)

 

Sehr geehrte Patientinnen und Patienten, 

die Diagnose des CUP-Syndroms stellt sich oft als langwieriger und schwieriger Prozess dar. Unsere Expertise und Erfahrung mit diesem seltenen Krankheitsbild ermöglicht eine sorgfältige Diagnostik und eine entsprechende zielführende Behandlung. Die intensive Forschungsarbeit an dieser seltenen Krebserkrankung hat bei uns am Universitätsklinikum Heidelberg einen hohen Stellenwert. Da wir gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) seit 15 Jahren eine Spezialsprechstunde für Patienten mit CUP-Syndrom betreiben, können wir neue Diagnose- und Therapieansätze schnell für Sie zur Verfügung stellen.

Wir möchten die Versorgung und bestmögliche Behandlung von CUP-Patienten sicherstellen und verbessern. 

Ihr

Prof. Dr. med. Alwin Krämer

 

Prof. Dr. med. Alwin Krämer
Schwerpunkt

Hämatologie und Onkologie, CUP-Syndrom


06221 56-5782

Leitung

Oberarzt

Assistenzärzte/-innen

Study Nurse

Sekretariatsmitarbeiter/-innen

Kontakt zur Sprechstunde

CUP-Syndrom

Das CUP-Syndrom steht für die Abkürzung des englischen Begriffs Carcinoma of Unknown Primary und bedeutet Metastasen bei unbekanntem Primärtumor. Es umfasst diejenigen Tumorerkrankungen, bei denen nach Abschluss der Diagnostik zwar Metastasen (Tochtergeschwülste) gefunden werden, aber kein zugehöriger Primärtumor nachweisbar ist. Obwohl der medizinische Fortschritt in den letzten Jahrzehnten zahlreiche neue Diagnoseverfahren und ein verbessertes Verständnis von Krebserkrankungen hervorgebracht hat, ist über die Biologie des CUP-Syndroms weiterhin nur wenig bekannt. Dementsprechend lässt sich diese Tumorform vergleichsweise schwierig behandeln und es besteht in vielen Fällen eine ungünstige Prognose.

Unsere Studien zu diesem Krankheitsbild sollen die Therapieoptionen für Betroffene erweitern. Selbstverständlich wird der Therapieplan auf die individuelle Lebensituation unserer Patienten abgestimmt. 

Ein Krankheitsbild, das viele Fragen aufwirft

Warum wird der Primärtumor nicht gefunden?

Mehrere Faktoren können dafür verantwortlich sein, warum der Ursprungstumors nicht nachweisbar ist:

  • Der Primärtumor ist ungewöhnlich klein und kann mit den üblichen Diagnoseverfahren nicht nachgewiesen werden. 
  • Der Primärtumor ist vom Immunsystem erkannt und zerstört worden.
  • Es hat nie einen Primärtumor gegeben.

Wie kann die Therapie ohne Kenntnis des Primärtumors erfolgen?

Manchmal lassen die diagnostizierten Krebszellen Rückschlüsse darauf zu, in welchem Organ die Erkrankung ihren Ursprung hat. Die Metastasen haben oft eine ähnliche Struktur wie das Herkunftsgewebe, so dass die Therapie auf den mutmaßlichen Primärtumor abgestimmt werden. 

Ist ein Rückschluss auf den Primärtumor nicht möglich, können breit wirksame Chemotherapien oder zielgerichtete molekulare sowie Immuntherapien weiterhelfen.  


Therapie des CUP-Syndroms

Welche Behandlung im individuellen Fall zum Einsatz kommt, hängt u.a. davon ab, ob ein bestimmter Primärtumor wahrscheinlich gemacht werden kann, wie ausgedehnt die Erkrankung ist und welche Erbgutveränderungen die Tumorzellen aufweisen. 

  • Operative Entfernung der Metastasen
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie
  • Antikörpertherapie
  • Zielgerichtete, mutationsspezifische Therapie
  • Immuntherapie

Auf Grundlage einer ausgedehnten Diagnostik und aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse entwickeln wir einen jeweils individuellen Therapieplan.

Begleitung und Beratung unserer Patienten

Die Diagnose CUP-Syndrom ist eine große Belastung, weshalb wir bei allen Fragen und Unsicherheiten an Ihrer Seite stehen.

Zudem empfehlen wir Ihnen den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe: 

cup-forum(at)web.de

 



Unsere Klinischen Studien

Zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie des CUP-Syndroms haben wir gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an der Universitätsklinik Heidelberg vor 15 Jahren eine Spezialsprechstunde für Patienten mit CUP-Syndrom eröffnet. Hier sehen wir mittlerweile pro Jahr ca. 100 neue Patienten mit dieser Erkrankung. Alle schwierigen Fälle werden im Rahmen einer inter-disziplinären Tumorkonferenz mit den Kollegen der Chirurgie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie besprochen.

Zusammen mit dem Institut für Pathologie der Universität Heidelberg bieten wir zudem allen unseren Patienten eine molekulare Aufarbeitung des Tumorgewebes einschließlich Genexpressions- und Mutationsanalyse sowie immunhistochemischer Spezialuntersuchungen an. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen ergibt sich für manche Patienten die Möglichkeit einer zielgerichteten Behandlung auf der Basis von Studienergebnissen zu anderen Tumorerkrankungen.

CUPISCO-Studie

Unter unserer Leitung wird derzeit eine große, internationale Therapiestudie (CUPISCO) durchgeführt, mit der untersucht wird ob molekular zielgerichtete Therapien und Immuntherapien bei Patienten mit neu diagnostiziertem CUP-Syndrom einer Standard-Chemotherapie überlegen sind.

An dieser Studie nehmen mehr als 130 Studienzentren in 34 Ländern teil. Insgesamt werden ca. 800 Patienten im Rahmen dieser Studie behandelt werden.

CheCUP-Studie

In einer weiteren Therapiestudie, die ebenfalls unter unserer Leitung an elf Zentren in Deutschland durchgeführt wird, erhalten Patienten mit CUP-Syndrom, die nicht oder nicht mehr auf eine platin-basierte Chemotherapie ansprechen, eine Immuntherapie mit den beiden Immun-Checkpoint-Hemmern Nivolumab und Ipilimumab (CheCUP).

Studienzentren in Deutschland (CUPISCO-Studie)

Ansprechpartner

Augsburg, Prof. Boris Kubuschok | Berlin, PD Dr. Peter Thuss-Patience | Dachau, Dr. Katrin Schweneker | Dresden, Prof. Gunnar Folprecht | Essen, Prof. Michael Stahl | Frankfurt, Prof. Christian Brandts | Hamburg, PD Dr. Marianne Sinn | Heidelberg, Prof. Alwin Krämer | Jena, Prof. Thomas Ernst | Mainz, Prof. Thomas Wölfel | Mannheim, Prof. Ralf-Dieter Hofheinz | Mönchengladbach, Dr. Marius Bartels | München, Prof. Volker Heinemann | Münster, Prof. Annalen Bleckmann | Oldenburg/Hst., Dr. Gerdt Hübner

Studienzentren in Deutschland (CheCUP-Studie)

Ansprechpartner

Augsburg, Prof. Boris Kubuschok | Berlin, PD Dr. Peter Thuss-Patience | Essen, Prof. Michael Stahl | Gütersloh, PD Dr. Philipp Schütt  | Heidelberg, Prof. Alwin Krämer | Jena, Prof. Thomas Ernst | Leipzig, Prof. Ulrich Hacker | München, Dr. Benedikt Westphalen | Oldenburg/Hst., Dr. Gerdt Hübner | Stuttgart, PD Dr. Harald Löffler | Tübingen, Prof. Michael Bitzer



Präklinische Aktivitäten

Bis zur Zulassung eines neuen Krebsmedikaments müssen mehrere vorklinische Prüfungen bestanden und mehrere Stufen der klinischen Prüfung durchlaufen werden. Vorteile der Teilnahme an klinischen Studien liegen für unsere Patienten im frühen Zugang zu innovativen Behandlungen. Diese Therapieoptionen stehen kurz vor der Zulassung und geben Antworten zu verschiedenen Aspekten zur Biologie des CUP-Syndroms:

(1) Mit Hilfe von Genexpressions- und DNA-Methylierungsanalysen versuchen wir den für das jeweilige CUP-Syndrom verantwortlichen Primärtumor zu identifizieren, um Aussagen darüber zu ermöglichen, ob das Ansprechen auf molekular zielgerichtete und immunologische Therapien von der Art des Primärtumors abhängig ist.

(2) DNA-Methylierungsanalysen erlauben darüber hinaus zu untersuchen ob Erbgutveränderungen im größeren Maßstab - sogenannte chromosomale Instabilität - einen Einfluß auf therapeutisches Ansprechen und Erkrankungsprognose haben.

(3) Weiterhin wird untersucht, ob Liquid Biopsies - also die Untersuchung genetischer Eigenschaften von Tumoren mithilfe einfacher Blutentnahmen - aufwändige Tumorbiopsien ersetzten können und darüber hinaus verbesserte und vereinfachte Aussagen über den Erkrankungsverlauf und das Ansprechen auf Therapien zulassen.

(4) Die Etablierung sogenannter Organoidkulturen aus CUP-Tumorbiopsaten - also die Züchtung lebender patienten-spezifischer Tumorzellen in Zellkultur - soll es ermöglichen, das Ansprechen der jeweiligen CUP-Erkrankung auf verschiedene Medikamente nach Austestung im Labor vorherzusagen.

Folprecht G, Trautmann K, Stein A, Hübner G, Stahl M, Kasper S, Kretzschmar A, Köhne CH, Grünwald V, Hofheinz R, Schütte K, Löffler H, Bokemeyer C, Krämer A, Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) - CUP group: Adding cetuximab to paclitaxel and carboplatin for first-line treatment of carcinoma of unknown primary (CUP): results of the phase II PACET-CUP trial. Br J Cancer (online ahead of print), 2020.

Ross JS, Sokol ES, Moch H, Mileshkin L, Baciarello G, Losa F, Beringer A, Thomas M, Elvin J, Ngo N, Jin DX, Krämer A: Comprehensive genomic profiling of carcinoma-of-unknown-primary-origin: retrospective molecular classification considering the CUPISCO study design. Oncologist (online ahead of print), 2020.

Bochtler T, Reiling A, Endris V, Hielscher T, Volckmar AL, Neumann O, Kirchner M, Budczies J, Heukamp LC, Leichsenring J, Allgäuer M, Kazdal D, Löffler H, Weichert W, Schirmacher P, Stenzinger A, Krämer A: Integrated clinico-molecular characterization identifies RAS activation and CDKN2A deletion as independent adverse prognostic factors in cancer of unknown primary. Int J Cancer 146: 3053-3064, 2020.

Kirchner M, Neumann O, Volckmar AL, Stögbauer F, Allgäuer M, Budczies J, Rempel E, Brandt R, von Winterfeld M, Leichsenring J, Bochtler T, Krämer A, Springfeld C, Schirmacher P, Penzel R, Endris V, Stenzinger A: Reliable and fast RNA-based detection of gene fusions in formalin-fixed and paraffin-embedded carcinoma samples. Cancers 11: E1309, 2019.

Bochtler T, Endris V, Leichsenring J, Reiling A, Neumann O, Volckmar A-L, Kirchner M, Allgäuer M, Schirmacher P, Krämer A, Stenzinger A: Comparative genetic profiling aids diagnosis and clinical decision making in challenging cases of CUP syndrome. Int J Cancer 145: 2963-2973, 2019.