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Schwerpunkt Akut- und Intensivneurologie

Die neurologische Intensivstation in Heidelberg bietet eine vollumfängliche, moderne neurologische Intensivmedizin und -ausbildung komplett aus neurologischer Hand an. Neben der stationären Therapie der Schwerstkranken übernehmen wir den Einsatz bei instabilen Patienten in der Notfallambulanz und Neuroradiologie sowie zusammen mit unseren anästhesiologischen Kollegen den Notfalldienst für die gesamte Kopfklinik und das NCT. Wissenschaftlich zählt unser Schwerpunktbereich zu den in der Intensivmedizin national und international anerkanntesten; es werden zahlreiche Studien, insbesondere zur Verbesserung der Behandlung beatmungspflichtiger Patienten mit schwerstem Schlaganfall, durchgeführt.

STRATEGIE

Der Schwerpunkt Akut- und Intensivneurologie hat eine besondere klinische und wissenschaftliche Tradition in der Notfall- und Intensivmedizin, die in Heidelberg seit über 30 Jahren begründet, gepflegt und weiterentwickelt wird. Mit Fokus auf Patienten mit schweren zerebrovaskulären Erkrankungen, die Intensivbetreuung und mechanische Beatmung benötigen, verfolgt das Team der Neurologischen Intensivstation in Heidelberg das Ziel, die Prognose für diese Patienten zu verbessern und Lebensqualität zurückzuerlangen.

Im Jahr 2010 wurden >450 Patienten mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer 11 Tagen aufgenommen. Die Patientenzahlen stiegen 2015 auf >670 mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 8 Tagen. Diese schwer betroffenen und komplexen Patienten werden von einem Team aus über 40 spezialisierten Pflegekräften, 6 Assistenzärzten, einem Funktionsoberarzt, einer Oberärztin und einem Sektionsleiter, beide mit intensivneurologischer Spezialisierung, betreut. Das Team der neurologischen Intensivstation versorgt kritisch kranke Patienten in der Neurologischen Intensivstation (12 Betten) und in der Notfallambulanz und ermöglicht eine rasche Diagnose und optimale Behandlung durch strukturierte individualisierte Behandlungspläne. Das Intensiv-Team ist außerdem verantwortlich für Notfalleinsätze und Reanimationen in der gesamten Kopfklinik. Übergeordnetes Ziel des Schwerpunkts ist die Entwicklung innovativer Ansätze in der neuro-intensivmedizinischen Versorgung und die maßgebliche Beteiligung an (inter)nationalen Kollaborationen, die sich mit der Optimierung der Betreuung von Patienten mit schweren neurologischen Krankheitsbildern in Notfall- und Intensivmedizin befassen.

Ziele

Nicht-invasives Neuromonitoring von zerebraler Sauerstoffversorgung durch Nah-Infrarot-Spektroskopie während intensivmedizinischer und endovaskulärer Behandlung von Schlaganfällen (Noninvasive cerebral oximetry during endovascular therapy for acute ischemic stroke: an observational study. Hametner C, Stanarcevic P, Stampfl S, Rohde S, Veltkamp R, Bösel J. J Cereb Blood Flow Metab. 2015
  • Aufzeigen der Auswirkungen einer Frühtracheostomie bei beatmeten Schlaganfallpatienten und funktionelle Langzeitergebnisse durch eine internationale multizentrische randomisierte Studie (SETPOINT2)
  • Weiterentwicklung von Grundlagen einer optimalen periinterventionellen Schlaganfallversorgung, durch Teilstudien zu Physiologie, Neuromonitoring und Medikamentenwirkung in der SIESTA Studienpopulation
  • Weiterführung und Ausweitung klinischer, multizentrischer und mechanistischer, monozentrischer Forschung bei Patienten mit schwersten Schlaganfällen, um Pathophysiologie und therapeutische Mechanismen aufzuklären und Therapien zu verbessern
  • Intensivierung klinischer Forschung über das Gebiet Schlaganfall hinaus und Auseinandersetzung mit ethischen Fragen wie z.B. Sterbebegleitung
  • Ausweitung der Forschung zum Akut- und Intensivneurologischen Krankheits-Management

ÜBERBLICK 

Die Forschungsaktivität des Schwerpunkts Akut- und Intensivneurologie ist von jeher auf schwere zerebrovaskuläre Erkrankungen ausgerichtet, wie etwa den raumfordernden ischämischen oder zerebralen Schlaganfall und die intrazerebrale oder subarachnoidale Hirnblutung. Der Schwerpunkt war maßgeblich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Neurointensivmedizin (ANIM), später umbenannt in Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin (DGNI), beteiligt und stellt einen wichtigen Bildungsstandort für viele auf dem Gebiet weltweit führenden Wissenschaftler dar. Zu den vielen bahnbrechenden Erfolgen, die bereits unter Prof. Dr. Werner Hacke eingeleitet wurden, gehören wesentliche Fortschritte auf den Gebieten dekompressive Hemikraniektomie bei hemisphärischem Schlaganfall, Hypothermie und Mikrodialyse, Monitoring nach schwerem Schlaganfall sowie Management von Antikoagulationstherapien. Zwei jüngere Erfolge sind die DESTINYII Studie zur dekompressiven Hemikraniektomie bei älteren Schlaganfallpatienten (Jüttler NEJM 2014) und die INCH Studie zu gefrorenem Frischplasma im Vergleich zu Prothrombinkomplex-Konzentrat bei intrazerebralen Blutungen von Patienten mit oraler Antikoagulanzien – Therapie (Steiner Lancet Neurol 2016).

Wissenschaftliche Arbeiten der Arbeitsgruppe Intensivmedizin des Schlaganfalls (J. Bösel) fokussieren auf eine Verbesserung der Oxygenierung des Gehirns nach schwerem Schlaganfall. Die Auswirkungen einer beeinträchtigten Sauerstoffzufuhr bei Schlaganfallpatienten mit einer Anämie wurde in den STRAIGHT Studien aufgezeigt (Kellert Stroke 2011). Nicht-invasives Neuromonitoring der Gehirnoxygenierung durch NIRS und die hieraus resultierenden prognostischen Möglichkeiten während einer Thrombektomie wurden in der COMMAND Studie dargestellt (Hametner JCBFM 2015). Sauerstoff und energiesparende innovative Sedierung mit inhalativen Anästhetika wurden in Bezug auf Sicherheit und Durchführbarkeit der Leichtsedierung in den VANISH Studien untersucht (Bösel Int Care Med 2012; Purrucker BJA 2015). In engem Zusammenhang mit Oxygenierung bei Schlaganfallpatienten steht die Sicherung der Atemwege. Sicherheit, Durchführbarkeit und potentielle Vorteile einer frühzeitigen Tracheostomie wurden in der ersten prospektiven, randomisierten Pilot-Studie SETPOINT beleuchtet (Bösel Stroke 2013) und ein Triggerscore entwickelt, der die Notwendigkeit einer Tracheostomie anzeigt (Schönenberger Neurocrit Care 2015).

Als eine Besonderheit in Heidelberg war das Intensivstationsteam schon immer für das peri-interventionelle Management der endovaskulären Schlaganfalltherapie verantwortlich, die kürzlich zum Behandlungsstandard  bei akuten Verschlüssen großer Gefäße bei ischämischem Schlaganfall erhoben wurde. Mit steigender Anzahl von Thrombektomien hat die Gruppe einen zentralen Beitrag zur Untersuchung und Verbesserung weiterer Aspekte des peri-interventionellen Management geleistet, inklusive der ersten randomisierten Studie SIESTA, die Leichtsedierung ohne Intubation mit intubierter Vollnarkose verglich (Schönenberger Int J Stroke 2015, Schönenberger JAMA 2016) Auf diesen und früheren Erfolgen aufbauend, wurde der Schwerpunkt erweitert, um internationale multizentrische Studien zu entwickeln und durchzuführen, wie beispielsweise die Folgestudie zur Frühtracheotomie SETPOINT2 (Schönenberger Int J Stroke 2016). Auf nationaler und internationaler Ebene ist der Schwerpunkt Akut- und Intensivneurologie Teil mehrerer Kollaborationen und Netzwerke wie der DGNI (Deutsche Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin) mit seinem Forschungsnetzwerk IGNITE, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) oder der Neurocritical Care Society (NCS). Er hat zudem wesentliche Beträge zu zahlreichen internationalen, multizentrischen NICU Studien, wie zum Beispiel DESTNIY II, DEPTH-SOS, INCH, CLEAR-IVH III und ATACH II geleistet.