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Schwerpunkt Vaskuläre Neurologie

Die Heidelberger Stroke Unit ist eine der größten Einheiten für die Behandlung von akuten Schlaganfällen in Europa. Im Jahr 2015 wurden hier und auf der neurologischen Intensivstation >1.300 Patienten mit akutem Schlaganfall behandelt. Besonderen Schwerpunkt legen wir auf rekanalisierende Akutbehandlungen (z.B. die systemische Thrombolyse und die endovaskuläre Schlaganfalltherapie gemeinsam mit dem Team der Abteilung Neuroradiologie), die wir als überregionales Zentrum auch teleneurologisch vernetzt anbieten. Darüberhinaus entwickeln wir in klinischen Studien diese Therapien weiter.

STRATEGIE

Ziel der Schwerpunkts Vaskuläre Neurologie ist die Verbindung interdisziplinärer Patientenversorgung auf höchstem Niveau mit innovativen klinischen Studien und umfassender Lehre. Der Schwerpunkt ist somit Garant dafür, dass die bahnbrechenden Arbeiten von Herrn Prof. Hacke und seine in den letzten Jahrzehnten aufgebauten Schlaganfallversorgungskonzepte fortgeführt werden. Die Kernaufgaben im Bereich der Patientenbetreuung werden im Wesentlichen von der Stroke Unit und Neurologischen Wachstation (Neuro 5) übernommen, in enger Zusammenarbeit mit den Teams der Notfallambulanz, der Intensivstation, der Neurovaskulären Ambulanz und des teleneurologischen Netzwerks sowie den Abteilungen für Neuroradiologie, Neurochirurgie, Gefäßchirurgie, Kardiologie und Angiologie. Die wissenschaftlichen Aktivitäten des Schwerpunkts konzentrieren sich auf die Planung und Durchführung von multizentrischen Studien zur Akutversorgung (ECASS4; Amiri IJS 2016) und Prävention (SPACE-2; Reiff IJS 2014) von Schlaganfall.

Ziele

MODIFIZIERTER RANKIN-SCORE AM TAG 90 DER SWIFT-PRIME STUDIE (SAVER JL N ENGL J MED 2015)
  • Verstärkte Rekrutierung von Patienten in klinische Studien, um den Zugang zu neuen Behandlungskonzepten zu ermöglichen
  •  Initiierung und Koordination von innovativen klinischen Studienkonzepten
  • Etablierung eines überregionalen Netzwerks, das hochwertige und effiziente Patientenversorgung und endovaskuläre Schlaganfalltherapie für alle Patienten in der Rhein-Neckar Region ermöglicht (FAST)
  • Teilnahme an nationalen und internationalen Gremien (Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen Baden-Württemberg (ASBW), Deutsche Schlaganfall Gesellschaft, European Stroke Organization) und Federführung in der Entwicklung von Leitlinien 
  • Intensivierung der Grundlagenforschung in der vaskulären Neurologie

ÜBERBLICK

Als revolutionärer Durchbruch in der endovaskulären Versorgung von Schlaganfallpatienten zeigte die MR CLEAN, die 2014 auf der World Stroke Conference in Istanbul vorgestellt wurde, dass die Thrombektomie im Vergleich mit der herkömmlichen Thrombolysetherapie den Gesundheitszustand des Patienten nachhaltig verbessern kann. Diese Ergebnisse wurden durch vier weitere Studien eindrucksvoll bestätigt, inklusive der Euro-US SWIFT PRIME Studie (Saver N Engl J Med 2015, siehe Abbildung), bei der Werner Hacke Mitglied des SWIFT PRIME Lenkungsausschusses war. Diese neuartigen Behandlungskonzepte bieten schwer betroffenen Schlaganfall-Patienten erstmals eine gute Prognose. In der Neurologischen Klinik Heidelberg wird die medizinisch, organisatorisch und logistisch komplexe Thrombektomie-Behandlung interdisziplinär von der Notfallambulanz der Abteilung Neurologie, der Sektion für Interventionelle Neuroradiologie (Markus Möhlenbruch) in der Abteilung für Neuroradiologie (Martin Bendszus)und der Neurologische Intensivstation durchgeführt.

In 2015 verdoppelte sich die Anzahl der endovaskulären Schlaganfalltherapien und überschritt erstmals die Anzahl der Patienten, die eine alleinige Lysetherapie erhielten. Von 948 Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall wurden 307 Patienten (32.3%) mit Rekanalisationsmaßnahmen behandelt, 76 Patienten mit systemischer Thrombolyse, 110 Patienten mit endovaskulärer Schlaganfalltherapie (Thrombektomie) und 121 Fälle mit einer Kombination aus beiden Modalitäten. Damit hat die Heidelberger Stroke Unit im Vergleich mit 14% im gesamten Land Baden-Württemberg einen besonders hohen Therapieanteil an Thrombolysen bzw. Thrombektomien. Darüber hinaus bestätigten Validierungsstudien der Arbeitsgruppe Schlaganfall-Versorgungsforschung (Christoph Gumbinger) erstmals die Sicherheit und Wirksamkeit der systemischen Thrombolyse in der klinischen Routine (Gumbinger BMJ 2014).

Für eine verbesserte Betreuung und Behandlung von Schlaganfallpatienten in der Region wurde kürzlich das von der Dietmar-Hopp-Stiftung finanzierte Schlaganfallkonsortium Rhein Neckar (FAST) - – bestehend aus der Neurologischen Klinik Heidelberg und geplant mehr als 30 regionalen Partnerzentren –  ins Leben gerufen. FAST soll für Schlaganfallpatienten in der Region durch gemeinsame Standardvorgehensweisen (SOPs), einheitliche IT Strukturen und Logistik sowie strukturierte Weiter- und Fortbildungen und eine zentrale Koordinierungsstelle eine bestmögliche Versorgung ermöglichen. Ziel ist es eine messbare Verbesserung der Versorgung von Schlaganfallpatienten in der Rhein-Neckar Region mit einer Senkung von Tod und Behinderung durch häufigere und schnellere adäquate Behandlung. Das Netzwerk soll paradigmatisch aufzeigen, wie durch strukturelle regionale Verbesserungen der Versorgungsqualität die Folgen einer Volkserkrankung reduziert werden können.

Peter Ringleb hat für die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie die S2K Richtlinie Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls - Rekanalisierende Therapie erarbeitet. Peter Ringleb ist zudem Mitglied des Lenkungsausschusses der S3 Richtlinien zur Carotisstenose (Eckstein Dtsch Ärztebl Int 2013) und unterstützt ein nationales Qualitätssicherungsprojekt der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Weitere Kollegen der Sektion Vaskuläre Neurologie sind Mitglieder der Arbeitsgruppe Schlaganfall und der Arbeitsgruppe Carotid Reconstruction der Geschäftsstelle Qualitätssicherung im Krankenhaus (GeQik®).

Zur Förderung von öffentlichem Bewusstsein und Bildung organsiert der Schwerpunkt regelmäßige Veranstaltungen. So bietet der Heidelberger Tag der Offenen Tür und Schlaganfalltag Informationen zu den neusten Behandlungsmöglichkeiten und zur Prävention von Schlaganfall für Patienten, Angehörige und die breite Öffentlichkeit. Das von der Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neurologie durchgeführte Neurovaskuläre Symposium bringt Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, um Ergebnisse aus laufenden Studien vorzustellen und neue Therapiekonzepte zu diskutieren.