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Parkinson-Erkrankung

Definition der Erkrankung

Die Parkinson-Erkrankung ist eine fortschreitende neurologische Störung, die sich langsam entwickelt und zu motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsverlangsamung und Gleichgewichtsproblemen führt. Frühzeitig erkannt, können wir eine individuell angepasste Behandlung entwickeln, um die Symptome zu lindern. Je nach Erkrankungsstadien stehen hierbei eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die von rehabilitativen Therapieansätzen (z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) über medikamentöse Therapieoptionen bis hin zu den kontinuierlichen Therapieverfahren wie den Pumpentherapien oder der Tiefen Hirnstimulation reicht.

Neben der typischen Parkinsonerkrankung, auch Idiopathisches Parkinsonsyndrom (IPS) oder Morbus Parkinson genannt, gibt es seltenere sog. atypische Verlaufsformen der Parkinsonerkrankung wie die Multisystematrophie (MSA) oder die Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP). Auch für die atypischen Parkinsonsyndrome bieten wir eine spezialisierte Diagnostik und die bestmögliche unterstützende Beratung und Therapie an. 

Ambulante und stationäre Behandlungsoptionen

Gerne können Sie sich in unserer Parkinson-Ambulanz für eine Optimierung der medikamentösen Therapie vorstellen (Kontakt)! Wenn dies nicht ausreicht, etwa weil größere Umstellungen erforderlich sind oder eine längere Beobachtungszeit für die Einstellung notwendig ist, dann bieten wir gerne auch eine medikamentöse Therapieeinstellung auf unserer Station für Neurodegenerative Erkrankungen Neuro 6 an. Diese kann entweder im Rahmen eines Aufenthaltes zur Therapieoptimierung (ca. 5-7 Tage) oder im Rahmen einer Komplexbehandlung Parkinson (in der Regel 15 Tage) erfolgen. 

Besonders in den frühen Erkrankungsstadien kann die Diagnosestellung einer Parkinson-Erkrankung eine Herausforderung sein. Um die oft belastende Phase der Diagnosefindung zu verkürzen und möglichst rasch eine gezielte Behandlung beginnen zu können, bieten wir Unterstützung bei der Diagnosestellung an. 

Häufig kann die Diagnose bereits im Rahmen einer klinischen Untersuchung durch einen Spezialisten für Bewegungsstörungen gestellt werden. In einzelnen Fällen können weiterführende Untersuchungen hilfreich sein, um die Diagnose abzusichern oder andere Differentialdiagnosen auszuschließen: 

  • Nervenwasseruntersuchung: kann notwendig sein, um ihre Erkrankung einer speziellen Unterform der Parkinson-Erkrankung zuzuordnen. 
  • Kernspintomographie (MRT): Mittels einer Kernspintomographie werden alternative Ursachen einer Parkinson-Erkrankung wie z.B. Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen, Tumoren oder Vergiftungen ausgeschlossen.
  • Da-TSCAN® (123J-Dat-Scan: Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung wird die Dichte von Dopamintransportern im Gehirn bestimmt. Diese sind bei allen neurodegenerativen Formen des Parkinson-Syndroms (z.B. Parkinson-Erkrankung, atypische Parkinson-Syndrome) vermindert. 
  • 18F FDG PET: Bei dieser Form der Positronenemissionstomographie (PET) wird schwach radioaktiv markierter Traubenzucker (18F FDG) eingesetzt, um den Gehirnstoffwechsel darzustellen. In Bereichen, die von einem neurodegenerativen Prozess betroffen sind, ist oft schon früh der Zuckerstoffwechsel reduziert. Verschiedene Formen neurodegenerativer Erkrankungen können so voneinander abgegrenzt werden. 

„Ziel der medikamentösen Behandlung der Parkinsonerkrankung ist eine Verbesserung Ihrer Alltagsfunktionen und Lebensqualität. Die Therapie richtet sich damit immer nach Ihren individuellen Zielen und Bedürfnissen aus. 

Behandlung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung

Typische motorische Kernsymptome der Parkinson-Erkrankung sind: 

  • Rigor: eine Steifigkeit bzw. ein erhöhter Bewegungswiderstand der Muskulatur
  • Brady- oder Akinese: eine Verlangsamung und Reduktion der Bewegungen. 
  • Tremor: ein Ruhezittern. Dieses tritt am häufigsten an den Armen und Händen auf, kann aber auch andere Körperteile wie z.B. das Kinn oder die Beine betreffen. 

Vor allem in den ersten Jahren der Erkrankung lassen sich die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung in der Regel gut behandeln. Behandlungsprinzip ist, die fehlende Wirkung des Botenstoffes Dopamins im Gehirn zu ersetzen. Hierfür behandeln wir entweder mit Levodopa, einem Vorläufer des Dopamins, das im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt wird. Alternativ werden z.B. sogenannte Dopaminagonisten eingesetzt, Stoffe, die an den Dopaminrezeptoren im Gehirn eine dem Dopamin vergleichbare Wirkung entfalten. Welche dieser Medikamente für Sie am besten geeignet sind, hängt unter anderem von ihrem Alter, möglichen Begleiterkrankungen und persönlichen Vorlieben (z.B. Pflaster oder Tabletteneinnahme) ab. 

Nach einigen Jahren Erkrankungsverlauf treten häufig „Wirkungsfluktuationen“ auf. Ihre Bewegungsfähigkeit ist dann nicht mehr gleichmäßig, sondern es kommt sowohl zu Phasen von Unterbeweglichkeit als auch ggf. Phasen von Überbeweglichkeit (sog. Dyskinesien). Auch diese Symptome lassen sich zunächst häufig durch Anpassung des Medikamentenplans deutlich verbessern.“

Nichtmotorische Symptome der Parkinson-Erkrankung

Neben den beschriebenen motorischen Symptomen, können vielfältige nicht-motorische Symptome die Parkinson-Erkrankung begleiten oder ihr sogar vorausgehen. Zu den häufigen nicht-motorischen Symptomen gehören z.B. 

  • Riechstörungen
  • Schlafstörungen, insbesondere sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörungen
  • Depressionen
  • Gedächtnisstörungen
  • Verdauungsstörungen und Verstopfung
  • Probleme mit der Blasenfunktion
  • Schmerzen

Diese nicht-motorischen Symptome können einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität haben. Gerne beraten wir Sie daher auch diesbezüglich hinsichtlich der für Sie besten Therapieoptionen. 

In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung gelingt es unter Umständen nicht mehr, durch Einnahme von Medikamenten eine gleichmäßig gute Beweglichkeit über den Tag hinweg zu erreichen. Die Notwendigkeit zunehmend häufigerer Medikamenteneinnahmen am Tag (> 5 mal täglich), Fluktuationen der Beweglichkeit, Auftreten von Überbewegungen und unerwünschte Off-Phasen prägen dieses Erkrankungsstadium. 

Dies können Gründe sein, über sog. Kontinuierliche Therapieoptionen nachzudenken, die zum Ziel haben, den ganzen Tag über eine gleichmäßig gute Beweglichkeit zu erreichen. Hier kommen in erster Linie Pumpentherapien oder eine Tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht. 

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein Verfahren, das bei ausgewählten Patienten mit Parkinson, essentiellem Tremor, Dystonie und anderen neurologischen Störungen eingesetzt werden kann. Diese innovative Behandlungsmethode zielt darauf ab, die Symptome der Erkrankung zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Das Verfahren umfasst die Platzierung von winzigen Elektroden in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für die Symptome der Erkrankung verantwortlich sind. Diese Elektroden werden über dünne Kabel mit einem Impulsgenerator, ähnlich wie einem Schrittmacher, verbunden. Dieser wird unter der Haut eingesetzt, meist unterhalb des Schlüsselbeins. Durch gezielte elektrische Stimulation der für Ihre Symptome verantwortlichen Gehirnregionen können unkontrollierte Bewegungen, Zittern und andere motorische Symptome deutlich reduziert werden. Die Stimulation kann den jeweiligen Erfordernissen im Krankheitsverlauf angepasst werden. Die Tiefe Hirnstimulation (THS) wird schon seit rund 30 Jahren erfolgreich eingesetzt und gilt als sicheres und äußerst wirksames Verfahren. 

Nähere Informationen zur Tiefen Hirnstimulation (THS)

Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung kann möglicherweis mit Tabletten oder Pflaster keine ausreichend gleichmäßige Beweglichkeit mehr erreicht werden. Sie leiden unter Wirkungsfluktationen, d.h. Schwankungen in Ihrer Beweglichkeit zwischen Phasen zu geringer Beweglichkeit und Phasen störenden Überbewegungen (Dyskinesien). Dann kommen sog. invasive Therapien wie die Tiefe Hirnstimulation oder die kontinuierliche Medikamentengabe über Pumpen in Betracht. 

Insbesondere, wenn Sie für eine Tiefe Hirnstimulation nicht geeignet sind oder diese nicht wünschen, kann eine Pumpentherapie eine gute Therapiemöglichkeit für das fortgeschrittene Parkinsonsyndrom darstellen. 

Pumpentherapien: Wer ist für eine Pumpentherapie geeignet?

  • Bei Ihnen wurde eine Parkinsonerkrankung diagnostiziert. 
  • Sie sprechen prinzipiell noch gut auf Parkinsonmedikamente an, leiden aber unter Wirkungsfluktuationen. Diese äußern sich durch Phasen der Unterbeweglichkeit, die sich mit störenden Überbewegungen abwechseln. 

Prinzipiell gibt es drei Ansätze für eine Pumpentherapie bei der Parkinson-Erkrankung: 

  • L-Dopa wird in einer gelartigen Präparation über eine Pumpe direkt in den Dünndarm gegeben; dort kann es optimal vom Körper aufgenommen werden. Neben der Mischung aus L-Dopa und Carbidopa in Gelform (LCIG – Levodopa Carbidopa Intestinales Gel) gibt es inzwischen auch Präparate, die zusätzlich Entacapone enthalten, das den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamt und so die Wirkung verstärkt (LECIG – Levodopa Entacapone Carbidopa Intestinales Gel). 
  • L-Dopa wird als Foslevodopa über eine Pumpe „subkutan“, also unter die Haut gegeben. Bei der Foslevodopa-Pumpe ist also im Unteschied zur LCIG- oder LECIG-Pumpe keine Operation notwendig. Die Foslevodopa-Pumpe zur subkutanen Gabe steht voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2024 zur Verfügung. 
  • Apomorphin, ein Dopaminagonist, der an den Rezeptoren im Gehirn eine dem Dopamin vergleichbare Wirkung entfaltet, wird über eine Pumpe subkutan gespritzt. Auch bei der Apomorphin-Pumpe ist im Unterschied zur LCIG- oder LECIG-Pumpe keine Operation notwendig.