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ARTHROSE – NEUE SICHTWEISE EINER ALTEN ERKRANKUNG

Irgendwann sind die Gelenke abgenutzt, und man kann nichts dagegen tun? Diese Sichtweise verändert sich. Heute vermutet man, dass Arthrose in Hüfte oder Knie kein unabwendbares Schicksal mehr ist. Wie Arthrose entsteht, wie man sein Risiko gering hält, welche Hilfe die Medizin bietet und woran derzeit intensiv geforscht wird, sind Themen von Privatdozent Dr. Babak Moradi bei Medizin am Abend am 18. September 2019.

`Gelenkverschleiß´ lautet eine häufig genutzte Umschreibung der Arthrose – „Das ist aber falsch“, sagt Privatdozent Dr. Babak Moradi, Kommissarischer Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Heidelberg und Leiter des Bereichs Endoprothetik. „Der Gelenkknorpel als eine lebende Oberfläche nutzt sich nicht ab. Vielmehr gerät der kontinuierliche Auf- und Abbau aus der Balance.“ Was dabei genau im Gelenk und dem darunter liegenden Knochen passiert, wird derzeit an der orthopädischen Universitätsklinik intensiv erforscht. Bei Medizin am Abend am Mittwoch, 5. Juni 2019, wird Dr. Moradi einen Einblick in den aktuellen Wissensstand rund um die degenerative Gelenkerkrankung, zu Risikofaktoren, Vorbeugung sowie wirksamen und unwirksamen Therapien geben. Einen Schwerpunkt seines Vortrags bilden die Möglichkeiten der modernen Endoprothetik, die heute mit einer Vielzahl individuell anpassbarer Kunstgelenke und zum Teil minimal-invasiver Implantation aufwarten kann. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

Bitte beachten: Die Anzahl der Plätze im Hörsaal ist auf 400 begrenzt.

Obwohl die Arthrose die Menschheit vermutlich seit Anbeginn der Zeiten plagt, ist über die genauen Ursachen – wenn nicht eine Verletzung des Gelenks vorliegt – noch wenig bekannt. Inzwischen geht man sogar davon aus, dass es sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um ein sehr heterogenes Krankheitsbild mit unterschiedlichen zugrundliegenden Mechanismen handelt. „Es gibt Patienten, die bereits mit 50 Jahren in mehreren Gelenken schnell fortschreitend Arthrose entwickeln, andere haben mit 80 noch gesunde Gelenke. Das Alter mit seiner abnehmenden Regenerations­fähigkeit allein kann es also nicht sein“, so Moradi. Vielmehr scheint bei der Arthrose – wie es auch bei vielen anderen Erkrankungen in den letzten Jahren nachgewiesen wurde – die Genetik eine entscheidende Rolle zu spielen, modifiziert durch die jeweiligen Lebensumstände, z.B. Bewegung, Ernährung, Gewicht.

Im fortgeschrittenen Stadium läuft es allerdings immer auf das Gleiche hinaus: Der Gelenkknorpel schwindet, die knöchernen Gelenkanteile reiben schmerzhaft aufeinander, die Beweglichkeit wird massiv eingeschränkt. Doch wie und wo nimmt die Arthrose ihren Anfang, wenn es sich nicht, wie lange gedacht, um simplen Materialverschleiß handelt? „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Entzündungsprozess in Gelenk und Gelenkschleimhaut handelt“, sagt der Orthopäde. „Allerdings gibt es noch viele Unbekannte. Wenn der Körper die entzündlichen Prozesse, die in Gang gesetzt wurden, nicht eindämmen kann, dann schreitet die Erkrankung kontinuierlich voran. Das wird gerade erforscht.“ Die Hoffnung: Wenn man die Prozesse erst versteht, lassen sie sich möglicherweise unterbrechen – wie es bei Rheuma in den letzten Jahrzenten gut gelungen ist.

Dr. Moradi ist optimistisch, dass dies bereits in den kommenden zehn Jahren soweit sein könnte. Bis dahin kann jeder selbst einiges für seine Gelenkgesundheit tun, am besten vorbeugend: Regelmäßiger Sport schützt die Gelenke, weniger Gewicht ebenfalls. Tatsächlich kann eine deutliche Gewichtsreduktion sogar dazu beitragen, dass sich bereits geschädigter Knorpel wieder regeneriert. Im fortgeschrittenen Stadium bleibt zum heutigen Stand nur die Entscheidung für ein Kunstgelenk, um sich wieder schmerzfrei bewegen zu können. Welche Möglichkeiten die moderne Endoprothetik bietet, welche Prothesen für welche Ansprüche zur Verfügung stehen und wie es nach der Operation weitergeht, erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer im Vortrag.

Übungsprogramme

Termin

Mittwoch, 18. September 19 Uhr
Hörsaal Kopfklinik
Im Neuenheimer Feld 400
Eintritt und Parken frei.

Referent

PD Dr. Babak Moradi
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Kommissarischer Geschäftsführender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Heidelberg und Leiter des Bereichs Endoprothetik

Audiobeitrag