Pseudarthrose

Sektion Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Definition der Erkrankung

Aus einer gestörten Knochenbruchheilung kann ein Falschgelenk, eine sogenannte Pseudarthrose, entstehen.

                                     

Weitere Informationen

Symptome

Schmerzen, Instabilität, Rötung, Überwärmung, Fehlstellung

Ursachen

Zu den begünstigenden Risikofaktoren für die Ausbildung einer Pseudarthrose gehören Rauchen, Übergewicht, Diabetes mellitus und ein hohes Alter. In diesen Patientengruppen kann das Risiko für eine ausbleibende Knochenheilung bis zu 30% betragen. Die häufigste Ursache für eine gestörte Knochenbruchheilung ist eine Durchblutungsstörung des gebrochenen Knochens. Auch offene Brüche verursachen häufiger Pseudarthrosen, da sich Bakterien im Knochen einnisten können und so die Bruchheilung verzögern oder verhindern (Infektpseudarthrose).

Diagnose

Vor Behandlungsbeginn wird bei allen Patienten mit einer Pseudarthrose zusätzlich zur Röntgen- und CT-Diagnostik die Durchblutung des Knochens analysiert um Zeichen einer Infektion oder Minderdurchblutung zu erkennen. Dies erfolgt mit kontrastverstärktem Ultraschall (CEUS) und der kontrastverstärkten Magnetresonanztomographie (DCE-MRT). Diese innovativen Methoden ohne Strahlenbelastung wurden in unserer Klinik für die Diagnostik von Pseudarthrosen etabliert und liefern für die Behandlung wertvolle Zusatzinformationen.

Ablauf der Behandlung

Je eher die Durchblutungsstörung der Knochenbruchstelle erkannt wird, desto früher kann man sich dafür entscheiden mit knochenstimulierenden oder operativen Maßnahmen einzugreifen. Trotz modernster Infrastruktur und Operationstechnik ist die Behandlung von Pseudarthrosen sehr zeitaufwändig und erfordert Geduld von Patient und Arzt.

Je nachdem, ob eine Infektpseudarthrose oder Minderdurchblutung vermutet wird erfolgt zunächst die Entfernung des alten Implantats sowie die Reinigung der Pseudarthrose. Der entstandene Defekt wird dann mit einem Antibiotikum-haltigen Zement überbrückt, um den herum sich in den folgenden Wochen eine gut durchblutete Membran bildet (Technik nach Masquelet). Zur Stabilisierung kommen vorwiegend moderne winkelstabile Platten und Marknägel zum Einsatz.

Der Knochenzementplatzhalter wird ca. 6 Wochen später entfernt und durch körpereigenen Knochen ersetzt. Je nach Defektgröße verwenden wir Knochen vom Beckenkamm oder aus dem Oberschenkelknochen, der mittels RIA („Reamer Irrigator Aspirator“, Fa. DePuy Synthes) durch Aufbohren gewonnen wird. Das RIA Bohrmehl enthält zahlreiche körpereigene Wachstumsfaktoren die eine Knochenneubildung stimulieren. Es ist lediglich ein kleiner Zugang seitlich im Bereich des Hüftgelenkes erforderlich. Zur Auffüllung größerer Defekte wird außerdem resorbierbarer Kunstknochen (Tricalciumphosphat) hinzugegeben.

Während der Operation werden routinemäßig bei allen Patienten Gewebeproben aus dem Bereich des Falschgelenkes entnommen und zur feingeweblichen und bakteriologischen Untersuchung eingesendet. Ein Teil des entnommen Gewebes wird für Studienzwecke verwendet. Im Labor werden dann verschiedene Botenstoffe (Zytokine) nachgewiesen, die die Durchblutung bei der Knochenbruchheilung beeinflussen. Außerdem werden die entfernten Implantate mittels einer speziellen Technik (Sonifikation) auf Bakterienbesiedelung untersucht.

Mögliche Komplikationen / Risiken

Materialversagen, ausbleibende Heilung, Re-OP

Nachsorge

Postoperativ ist von einem mehrtägigen stationären Aufenthalt des Patienten auszugehen, in dessen Rahmen bereits mit der Physiotherapie begonnen wird. Nach Entlassung folgt ein allmählicher Belastungsaufbau sowie regelmäßige Heilkontrollen in unserer Spezialsprechstunde.

Das zeichnet uns aus

Die routinierte Anwendung innovativer diagnostischer und therapeutischer Techniken zur optimalen Behandlung von Pseudarthrosen ist Folge unserer international anerkannten klinisch-experimentellen Forschung. Deren Erkenntnisse werden insb. bei der Entwicklung neuer Implantate und Knochenersatzverfahren berücksichtigt.

Weiterführende Informationen

Schwerpunkte

CEUS, DCE-MRT, Sonifikation, Zytokinexpressionsanalyse

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Gerhard Schmidmaier

  • PD Dr. med. Christian A. Fischer