Behandlungsangebot der Station Roller

Klinik für Allgemeine Psychiatrie

Erklärung

Therapieplan der Station Roller

Außenaktivitäten

Zum Wiedererreichen und zur Erhaltung psychischer Gesundheit gehört eine angemessene und aktive Freizeitgestaltung. Nach dem vorübergehenden krankheitsbedingten Verlust des Realitätsbezuges wird in den Außenaktivitäten der Umgang mit der Lebensumwelt geübt. Alle Patienten nehmen einmal pro Woche z.B. an Spaziergängen mit anschließendem Kaffeetrinken, Kegeln, Ausstellungs-, Kino- oder Theaterbesuchen teil. Nach dem Meeting übernehmen jeweils zwei Patienten die Planung und Organisation (Fahrkarten, Fahrverbindungen, Eintrittskarten, Öffnungszeiten usw.). Die Außenaktivität wird vom Pflegepersonal begleitet und unterstützt.

Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie dient der Verbesserung der Körpergefühls und der Bewegungswahrnehmung. Sie wirkt krankheits- und / oder medikamentös bedingten Bewegungsstörungen entgegen. Neben Spaß und Freude am gemeinsamen Bewegen begünstigt diese Therapieform den Erwerb motorischer Fertigkeiten, das Erfahren und Ausweiten der eigenen Leistungsgrenzen und die Sensibilisierung der Körperwahrnehmung sowie die Ausbildung körpersprachlicher Fähigkeiten. Das Zusammenspiel körperlicher und seelischer Komponenten möchte den Patienten erfahrbar machen, dass durch Bewegung ein emotionaler Ausgleich erreicht werden kann. Die Bewegungstherapie findet 3x wöchentlich statt, 3 x 45 Minuten. Zudem besteht 2x wöchentlich eine stationsübergreifende Bewegungstherapie für Patienten mit zusätzlichen körperlichen Beschwerden.

Weiterhin ist je nach Indikation BWT-Einzeltherapie möglich.

Entspannungstherapie

Das Entspannungstraining orientiert sich am Prinzip der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson und wird unter der Anleitung unseres speziell darauf geschulten Pflegepersonals oder unserer Psychologin im Praktikum durchgeführt. In einer festgelegten Abfolge wird die Aufmerksamkeit auf bestimmte Muskelgruppen gelenkt. Diese werden für einige Sekunden angespannt und anschließend wieder entspannt, wodurch ein zunehmender Entspannungszustand erreicht wird. Diese Technik ist rasch erlernbar und gut für psychotische Patienten geeignet. Wichtige Inhalte des Trainings stellen die Verbesserung der Wahrnehmung des eigenen Körpers, der konstruktive Umgang mit Stresssituationen sowie konkrete Hilfestellung bei Schlafstörungen und bei Ängsten dar. Das Training findet in einer Gruppe von 8 bis 10 Personen zweimal wöchentlich jeweils eine halbe Stunde lang statt.

Ergo- und Werktherapie

In der Ergotherapie werden handwerkliche und kreative Techniken unter Nutzung der individuell vorhandenen Fertigkeiten und Begabungen erlernt und beübt. Durch die Betonung soziokommunikativer Gesichtspunkte spielt diese Therapie in der sozialen und beruflichen Rehabilitation eine besondere Rolle. Die Erfolge handwerklichen Schaffens vermitteln den Patienten Selbstvertrauen und tragen dazu bei eine Rückmeldung über die wieder gewonnene Leistungsfähigkeit zu erhalten. Die Patienten lernen Entscheidungen zu treffen, diese mittels Arbeitsanleitungen umzusetzen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen, eigene Interessen in die Gruppe einzubringen und Kompromisse einzugehen. Gearbeitet wird mit verschiedensten Materialien, z.B. Holz, Peddigrohr, Ton, Textilien, Papier oder auch Speckstein. Für die Ergotherapie werden die Patienten in zwei Gruppen (à 8 Personen) aufgeteilt. Die Therapien werden von einer Ergotherapeutin betreut und finden 4x in der Woche je 60 Minuten lang statt.

Integriertes psychologisches Therapieprogramm (IPT)

Das integrierte psychologische Therapieprogramm ist eine Trainingsgruppe, in der verschiedene Fähigkeiten geprüft werden:

  • Denkfähigkeiten
    z.B.: kreatives Denken, Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit, fördern von positiven Gedanken, vermeiden von negativen Gedanken...
  • Wahrnehmung
    z.B.: Verschiedenartigkeiten der Wahrnehmung, Emotionen erkennen und benennen, Interpretation von Situationen
  • Soziale Fertigkeiten
    z.B.: Selbstwertförderung, Verbesserung von Zutrauen zu sich selbst, sich selbst akzeptieren, sicheres Auftreten, den richtigen Ton treffen
  • Kommunikation
    z.B.: Hinhören, Verstehen, auf andere eingehen, miteinander sprechen
  • Problemlösung
    z.B.: Handlungspläne erstellen, realistische Problemlösungen planen, Bedenken von Konsequenzen

Wir lernen miteinander und voneinander, reden miteinander, versuchen einander zu verstehen und haben vielleicht sogar Spass dabei.

 

Kochgruppe

Eigenständigkeit im häuslichen Bereich stellt die Grundlage für ein selbständiges Leben dar. In der Kochgruppe setzen sich die Patienten mit Fragen einer gesunden, durchdachten und preisbewussten Ernährung auseinander.

Die Kochgruppe besteht aus zwei Patienten, die zwei Wochen lang kochen und jeweils ein oder zwei weitere Mitpatienten zum Essen einladen. Die Patienten sind dazu angehalten, Abläufe zu organisieren, Absprachen miteinander zu treffen und die erforderlichen Einkäufe zu planen und durchzuführen. Die Kochgruppe ist ein ergotherapeutisches Angebot.

Kognitives Training

Das kognitive Training wird an einem Computerarbeitsplatz durchgeführt und setzt sich aus Übungen zu Visumotorik, Auffassung, Reaktion, Konzentration und Merkfähigkeit (Kurzzeitgedächtnis) zusammen. Daneben spielen sprachliche, intellektuelle, ausbildungs- und berufsnahe Themengebiete nach Möglichkeit eine Rolle.

Die Patienten werden angeleitet, ein individuelles Programm wird erarbeitet und kann am stationseigenen PC in Eigenregie vertieft werden.

Das Kognitive Training wird von einer Ergotherapeutin betreut und findet in einer Gruppe bis zu 6 Personen zweimal in der Woche für die Dauer von 45 Minuten statt.

Kunsttherapie

Im geschützten Rahmen der Kunsttherapie kann der Zugang zur eigenen Ausdruckskraft der Patienten angeregt und bewusst erfahrbar gemacht werden, was bei den Teilnehmenden weder Talent noch künstlerisch Können erfordert. Schöpferisches Arbeiten bietet in krankheitsbedingten Ausnahmezeiten eine hilfreiche Unterstützung  zur Bewältigung dieser meist krisenhaft erlebten Situationen. Zur Förderung dieses Prozesses kann mit Themenvorschlägen gearbeitet werden, jederzeit sind jedoch individuelle Ideen und Vorhaben der Patienten in Absprache mit der Therapeutin umsetzbar. Es stehen verschiedene Materialien für das bildnerische Gestalten zur Verfügung. Innerhalb der Gruppe bietet sich die Möglichkeit durch gemeinsame Bildbetrachtung und  Reflexion in Kontakt zu treten. Hierbei ist es uns wichtig den Wünschen der Patienten über die Inhalte Ihrer Bilder zu sprechen oder dies lieber zu unterlassen Raum zu geben und diese zu respektieren. Die Kunsttherapie arbeitet ressourcenorientiert mit dem Ziel die gesunden Ich-Anteile zu stärken und findet in Gruppen von 6 Personen unter Anleitung einer Kunsttherapeutin statt.

Psychoedukationsgruppe

Schwerpunkt der Psychoedukationsgruppe, die wir neben den psychoedukativen Einzelgesprächen anbieten, ist die Vermittlung von Wissen über Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. Die Patienten erhalten in dieser Gruppe die Möglichkeit zu erlernen mit ihrer Erkrankung besser umgehen zu können und eine Einsicht in den Behandlungsablauf zu gewinnen. Inhaltlich stehen Krankheitsgenese, psychosoziale Stressfaktoren, diagnostische Maßnahmen, Therapieformen und Aufklärung über die verwendete Medikation und deren spezifische Wirkung und Nebenwirkung auf dem Programm. Zusätzlich wird über zur Verfügung stehende komplementäre und nachbehandelnde soziale Einrichtungen der Region und weitergehende Hilfs- und Therapiemöglichkeiten informiert. Das Forum gibt den Patienten Raum, ihre persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Erkrankung und der Behandlung auszutauschen und mit den objektiven Informationen zu vergleichen. Die Gruppe findet wöchentlich in einer 50-minütigen Sitzung unter Anleitung der Ärzte und des Psychologin im Praktikum statt. Einzelne Stunden werden auch durch den Sozialarbeiter der Station begleitet.

Metakognitives Training

Metakognition bedeutet "über das Denken nachzudenken". Dazu zählen die Fähigkeit, eigene Entscheidungen und Meinungen kritisch zu überdenken sowie der Umgang mit dem Wissen über grundlegende eigene kognitive Einschränkungen. Viele Patienten mit Psychose weisen Beeinträchtigungen in unterschiedlichen Aspekten der Metakognition auf (z.B. Neigung zu voreiligem Schlussfolgern, Beharrungstendenzen, Schwierigkeiten beim Einfühlen in andere Menschen), die nach heutigem Erkenntnisstand einen Wahn begünstigen oder zu zwischenmenschlichen Problemen führen können. 

Das Metakognitive Training (MKT) versucht, den Patienten eigene problematische Denkstile mit Hilfe zahlreicher Alltagsbeispiele und Übungsaufgaben in unterhaltsamer Form zu veranschaulichen und dadurch bewusster zu machen. Damit ist das Ziel verbunden die metakognitiven Kompetenzen der Patienten nachhaltig zu stärken, sowie psychotische Symptome (insbesondere wahnhafte Überzeugungen) zu reduzieren bzw. deren Wiederkehr entgegenzuwirken.  

Das MKT ist als Gruppentraining konzipiert und wird durch einen Psychologen angeleitet. Es findet zweimal in der Woche für jeweils eine Stunde statt.

Meeting

Einmal wöchentlich findet ein Treffen aller Patienten statt. Im Rahmen dieses Treffens werden aktuelle Probleme, die das Zusammenleben der Patienten auf der Station betreffen besprochen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit organisatorische Fragen zu klären und Kritikpunkte von Seiten der Patienten und des Personals anzubringen. Ein weiterer Punkt ist die Planung der gemeinsamen Außenaktivitäten.

Neu aufgenommene werden in diesem Rahmen begrüßt und erhalten so die Möglichkeit sich begleitet durch die Pflegekraft bei den Mitpatienten vorzustellen. Ebenso werden Patienten die ihren stationären Aufenthalt beendet haben und entlassen werden in diesem Rahmen verabschiedet. Das Meeting hat zumeist eine Zeitdauer von 20 – 30 Minuten.

Trommelgruppe

In der zweimal wöchentlich stattfindenden Trommelgruppe steht neben dem Spaß am gemeinsamen Spiel die Förderung der kommunikativen Fähigkeiten der Patienten im Mittelpunkt. Im gemeinsamen Trommeln wird ein Gruppenerleben, ein Dazugehörigkeitsgefühl gefördert, welches im Verlauf der Erkrankung häufig verloren gegangen ist. In den gemeinsam gespielten rhythmischen Motiven werden Strukturen geschaffen, die durch überschaubare Informationszufuhr und Wiederholung Sicherheit und Vorhersehbarkeit bieten. 

Ohne musikalische Vorbildung können Patienten die vitalisierende Wirkung des gemeinsamen Trommelns erleben, Hemmungen im eigenen Ausdruck überwinden, Spannungen abbauen, ihre körperliche Wahrnehmung verbessern und in ritualisierten Spielangeboten, in lockerer Atmosphäre Konzentration und Ausdauer verbessern.

Visiten

 

Zweimal pro Woche erfolgen Zimmervisiten für alle Patienten durch die Stationsärzte. In diesen Visiten werden unter anderem die Pläne für das Wochenende bzw. dessen Verlauf sowie auch die Ziele für die kommende Behandlungswoche besprochen. Daneben haben die Patienten in diesem Rahmen die Gelegenheit ihren Fachtherapienplan oder andere Anliegen anzusprechen oder Einzelgespräche zu vereinbaren. 

Einmal in der Woche, aktuell am Mittwoch Vormittag findet in einem unserer Funktionsräume eine Visite durch die Oberärztin der Station statt, bei welcher neben den Stationsärzten, die Bezugspflegekräfte der Patienten und auch der Sozialarbeiter anwesend sind. Im Rahmen dieser multiprofessionell besetzten Visite werden die mittel- bis langfristigen Therapieziele und gegebenenfalls auch Änderungen der Behandlungsstrategie thematisiert.

Zeitungsgruppe

In der von unserem Pflegeteam geleitete Zeitungsgruppe sind wir bemüht die Konzentrations- und Merkfähigkeit der Patienten zu verbessern und Sprechhemmungen insbesondere vor anderen anwesenden Personen abzubauen. Daneben besteht das Ziel die Kommunikatons- und Interaktionsschwierigkeiten, welche häufig mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis einhergehen zu verbessern. Ein weiterer Aspekt ist die Unterstützung der Patienten darin ihre eigene Meinung zu bestimmten Themen zu bilden, diese auch zu äußern und gegebenenfalls auch gegen Widerstände zu vertreten. Das Medium Zeitung wurde gewählt, um den Kontakt zur Außenwelt wiederherzustellen und die Patienten über die Geschehnisse in der Region und auch der Welt auf dem Laufenden zu halten. An der Zeitungsgruppe nehmen alle Patienten in zwei Gruppen regelmäßig teil. Sie wird zweimal in der Woche jeweils eine halbe Stunde durchgeführt.