Hüftgelenknahe Oberschenkelbrüche

Sektion Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Definition der Erkrankung

Unter hüftgelenksnahen Oberschenkelbrüche werden die knöchernen Verletzungen des Oberschenkelkopfs, des Schenkelhalses oder im Bereich des großen und/oder kleinen Rollbügels im Übergangsbereich zwischen dem Oberschenkelschafts und dem Oberschenkelhals subsummiert.

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Symptome

Häufig Schmerzen im Bereich des Hüftgelenkes, Druckschmerzen an der Leiste und über dem großen Rollbügel. Schmerzbedingte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des Hüftgelenkes. Verkürztes außenrotiertes Bein. Bluterguss unter der Haut.

Ursachen

Meist direktes Anpralltrauma bei Sturz auf das Gesäß oder der entsprechenden Körperseite. Ca. 98% der Patienten, die eine hüftgelenksnahe Oberschenkelfraktur erleiden, sind über 65 Jahre alt.

Diagnose

Anamnese mit Ermittlung des Unfallhergangs, körperliche Untersuchung, Röntgen, ggf. Computertomographie zur Evaluation des Frakturverlaufes und von Begleitverletzungen, Labor

Folgeerkrankungen

Mögliche Folgeerkrankungen sind ein vorzeitiger Verschleiß des Hüftgelenks, z. B. auf Grund einer bruchbedingten Durchblutungsstörung des Oberschenkelkopfs oder eine verzögerte oder ausbleibende Knochenheilung. Unbehandelte Brüche führen zu Bewegungs- und Belastungsunfähigkeit und damit zur Immobilität, die wiederum mit der Entwicklung von Infektionen beispielsweise in der Lunge oder den harnableitenden Organe vergesellschaftet sind. Hüftfrakturen zählen zu den Hochrisikofaktoren für eine Thrombose.

Ablauf der Behandlung

Nach Durchführung der erforderlichen Diagnostik erfolgt die exakte Einteilung des Bruches entsprechend der anatomischen Lokalisation und des Bruchverlaufs in hierfür vorgesehen Klassifikationen. So findet bei Schenkelhalsfrakturen beispielsweise die Klassifikationen nach Pauwels und Garden Verwendung, da sie unter klinischen Gesichtspunkten die höchste Relevanz für Therapie und Prognose haben. Unter Berücksichtigung der patientenindividuellen Faktoren (Allgemeinzustand, Vorerkrankungen, Begleitverletzungen, mögliche vorbestehende Hüftgelenkschäden, bereits stattgehabte operative Eingriffe) wird die Art und der Umfang der operativen Therapie mit den Patienten besprochen. Die modernen operativen Behandlungskonzepte unseres Hauses entsprechen den aktuellen Leitlinien bzw. den internationalen Therapieempfehlungen.

Ziel der Operation ist die schnelle Wiedererlangung der Mobilität entsprechend des patientenindividuellen Funktionsanspruchs. So finden zahlreiche Verfahren der operativen Knochenbruchbehandlung (Osteosynthese) Verwendung, wie beispielsweise der proximale Femurnagel (PFNA, DepuySynthes), die dynamische Hüftschraube (DHS, DepuySynthes) oder die proximale Femurplatte, aber auch Gelenkersatzverfahren durch das Einsetzen einer Hüft-Totalendoprothese oder einer Duokopfprothese.

Mögliche Komplikationen / Risiken

Neben den allgemeinen Risiken einer Operation sind mögliche Komplikationen eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes, welche direkt durch den Bruch bedingt ist. Darüber hinaus sind die Frakturheilung in Fehlstellung, Implantatbruch oder -lockerung, Knochenbrüche im Bereich der einliegenden Implantate oder Luxationen des implantierten Gelenkersatz möglich.

Nachsorge

Bei komplikationslosem Verlauf ist üblicherweise ein stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen erforderlich. Obligat ist eine bedarfsorientierte Schmerztherapie, die Behandlung von Begleiterkrankungen oder –verletzungen, die Thromboseprophylaxe und die frühfunktionelle Mobilisation in der Regel unter Vollbelastung. Die physiotherapeutische Übungsbehandlung, sowie physikalische Maßnahmen wie Manuelle Lymphdrainage sind essentieller Bestandteil der Behandlung. Die Physiotherapie wird nach Entlassung weiter verordnet.

Das zeichnet uns aus

Wir behandeln über 300 Patienten pro Jahr mit hüftgelenksnahen Femurfrakturen. Neben dem kompletten Spektrum der osteosynthetischen Knochenbruchbehandlung verfügen wir als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung über eine ausgewiesene Expertise im Einsetzen künstlicher Hüftgelenke.

Schwerpunkte

Traumatologie, Osteosynthese, Endoprothetik

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Gerhard Schmidmaier