Polytrauma

Sektion Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Definition der Erkrankung

Ein Polytrauma ist eine unfallbedingte schwerste Verletzung des menschlichen Körpers die eine akute Lebensbedrohung für den Patienten darstellt. Hierbei ist entweder eine Verletzung direkt lebensbedrohend oder die Kombination mehrerer Verletzungen. 

Weitere Informationen

Ursachen

Das Polytrauma ist in der westlichen Welt die führende Todesursache bei Patienten die jünger als 40 Jahre alt sind. Solche schweren Verletzungen entstehen am häufigsten im Rahmen von Verkehrsunfällen (50% aller Polytraumata) und durch Stürze aus der Höhe (40% aller Polytraumata).

In Deutschland ist im Gegensatz zu anderen Staaten das stumpfe Trauma die führende Verletzungsursache. Hierbei kommt es am häufigsten zu Verletzungen am Kopf (48%) und im Brustkorb (50%) gefolgt von Extremitäten, Bauchraum und Wirbelsäule.

Ablauf der Behandlung

Die Erstversorgung von polytraumatisierten Patienten erfolgt direkt an der Unfallstelle durch den Rettungsdienst und den Notarzt. Häufig müssen Patienten bereits an der Unfallstelle künstlich beatmet werden (ca. 25%) um die Atemwege zu sichern und um die Vitalfunktionen zu stabilisieren. Lebensrettende Sofortmaßnahmen wie eine Brustkorbdrainage bei Lungenkollaps oder Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Herzstillstand werden ggf. umgehend durchgeführt. Sobald der Patient stabil ist erfolgt der Transport entweder im Rettungswagen oder mit dem Rettungshubschrauber direkt in den Schockraum unserer Klinik. Für die präklinische Versorgung in Deutschland hat sich in das PHTLS®-Konzept etabliert. Hierbei handelt es sich um standardisierte Behandlungsabläufe und Algorithmen um die beste mögliche Versorgung an der Unfallstelle sicher zu stellen.

Nach Aktivierung der Schockraumalarmierung durch Notarzt oder Rettungsdienstleitstelle steht an 365 Tagen im Jahr ein hoch spezialisiertes, interdisziplinäres Team von Notfallmedizinern und Pflegekräften bereit um den Notfall entgegen zu nehmen.

Als Haus der Supramaximalversorgung bietet die Unfallchirurgie unseres Klinikums eine state-of-the-art Versorgung auf höchstem Niveau an. Sämtliche medizinische Fachabteilungen sind 24h am Tag verfügbar (Neurochirurgie, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie, Thoraxchirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, etc.).

Nach einer ersten Sichtung des Patienten nach dem ATLS®-Schema werden, falls nötig weitere Notfallmaßnahmen ergriffen. Hierzu gehört eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, des Herzens und der Luge, Röntgenbilder des Brustkorbs und des Beckens sowie eine Blut- und Gerinnungsanalyse. Nach Einschätzung der Spezialisten vor Ort wird entschieden ob ein Patient sofort operiert werden muss (Damage-Control Surgery) oder zunächst eine Ganzkörper-Computertomographie durchgeführt werden kann um sich ein exaktes Bild über die Verletzungsschwere zu machen. Hierbei wird der gesamte Körper von Kopf bis Fuß abgebildet. Durch die Gabe von Kontrastmittel in die Vene können Blutungen lokalisiert und die inneren Organe genau beurteilt werden.

Je nach Befund wird über die weitere Therapie entschieden. Neben allen offenen Operationsverfahren werden auch minimal invasive Notfalleingriffe wie Embolisation und Stent-Implantationen durchgeführt. Die weitere Behandlung erfolgt auf der interdisziplinär geführten Intensivstation (IOPIS 13). Als zertifiziertes überregionales Trauma-Zentrum leiten wir das Traumanetzwerk® „Kurpfalz“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU®) teil.  Hierbei stellen wir neben der Universitätsmedizin Mannheim den zweiten Maximalversorger für das Netzwerk.  

Mit über 150 dokumentierten Schwerstverletzten im Traumaregister® der DGU®, welches gleichzeitig die Qualitätssicherung darstellt, liegt unser Haus weit über dem Bundesdurchschnitt.

Mögliche Komplikationen / Risiken

Schwerste Verletzungen des menschlichen Körpers bedürfen oft einer langen Therapie. Der damit verbundene Krankenhausaufenthalt ist für die Patienten und auch die Angehörigen oftmals sehr belastend. Einige Verletzungen wie schwere Lungenverletzungen oder stumpfe Bauchtraumata können auch noch Tage nach dem Unfall zu Organversagen führen. Unsere intensivmedizinische Abteilung mit den Standorten Chirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie hat eine lange Erfahrung mit solchen Patienten und bindet die Angehörigen in die Therapie mit ein und hält einen ständigen Dialog, damit auch fachfremde Personen die Behandlungskonzepte verstehen können.

Nachsorge

Mit der Entlassung aus unserer Klinik ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Der Rückkehr in das Privat- und Berufsleben ist für viele Patienten eine große Hürde bei der wir Ihnen, unter enger Einbindung von unserem Sozialdienst, zu Seite stehen. Regelmäßige Nach- und Kontrolluntersuchungen werden in unserer Spezialsprechstunde durchgeführt um eine enge Anbindung an unser Haus sicher zu stellen und jederzeit für Fragen und Probleme da zu sein.

Schwerpunkte

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Gerhard Schmidmaier

  • Dr. Tobias Großner

    Schwerpunkt

    Notfallmedizin, DGU-Traumaregisterbeauftragter


  • Dr. med. Ulf Brunnemer

    Orthopädie, Unfallchirurgie