Schulterinstabilität

Sektion Obere Extremitäten

Definition der Erkrankung

Eine instabile Schulter kann zwei Ursachen haben. Entweder handelt es sich um eine angeborene, so genannte habituelle Instabilität oder um eine unfallbedingte Instabilität.

Bei der angeborenen Instabilität ist das gesamte Stützgewebe des Körpers zu schwach, sodass der Oberarmkopf zu viel Spiel in allen Richtungen hat (z. B. bei Kapselbandschwäche). Dadurch kann die Schulter auch ohne große Gewalteinwirkung aus dem Gelenk springen.

Eine unfallbedingte Instabilität entsteht z. B. durch eine Verrenkung (Luxation) des Armes. Entweder können die so genannte Gelenklippe (Labrum), Gelenkbänder und Kapsel eingerissen sein oder es ist zusätzlich zu einem Knochenbruch an der Gelenkpfanne (sog. knöcherner Bankart) oder am Oberarmkopf gekommen. Sie haben dabei das Gefühl, als ob Ihre Schulter rausspringe. Besonders bei Überkopf-Arbeiten, Kontaktsportarten oder Sportarten, die eine große Sturzhäufigkeit aufweisen, tritt diese Form der Instabilität häufig auf.Schulterluxation, Subluxation

Weitere Informationen

Symptome

Bei einer instabilen Schulter kommt es zu wiederholten schmerzhaften Verrenkungen des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne, z. B. bei Stürzen, sportlichen Überkopfaktivitäten oder auch nach einfachen Drehbewegungen. Bei traumatisch bedingter Schulterluxation kann die Schulter nur mit fremder Hilfe wieder eingerenkt werden. Vereinzelt stehen auch unvollständige schmerzhafte "Subluxationen" im Vordergrund.

Diagnose

Durch eine orthopädische Untersuchung erhält der behandelnde Arzt Hinweise auf Vorhandensein, Ausmaß und Richtung der Schulterinstabilität.

Mit einem Röntgenbild können knöcherne Verletzungen an Oberarmkopf und Gelenkpfanne diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Um auch Schädigung an Gelenkkapsel und Bändern zu erkennen, muss in vielen Fällen eine Kernspintomographie an der Schulter durchgeführt werden.

Nach einer traumatischen Schulterluxation bei Patienten/-innen jünger als 25-30 Jahren wird heutzutage die operative Stabilisierung der Schulter durch eine Operation empfohlen. Nur so kann verhindert werden, dass das Gelenk immer wieder auskugelt und weitere Folgeschäden eintreten.

Ablauf der Behandlung

Behandlung bei angeborener Instabilität des Schultergelenkes

Bei der angeborenen Instabilität ist das gesamte Stützgewebe des Körpers zu schwach, sodass der Oberarmkopf zu viel Spiel in allen Richtungen hat. Dadurch kann die Schulter auch ohne große Gewalteinwirkung aus dem Gelenk springen. Diese Form der Instabilität operieren wir nur im Ausnahmefall. Die Versagerrate ist hoch. Stattdessen setzen wir auf ein physiotherapeutische Übungs- und Trainingsprogramme.

 

Operatives Therapieangebot bei Instabilität des Schultergelenkes

Bei einem operativen Eingriff wird durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) das Ausmaß der Schädigung sichtbar. Je nach Schwere der Verletzung wird anschließend in arthroskopischer Technik eine Straffung der Gelenkkapsel vorgenommen. Die Befestigung der abgerissenen Strukturen am Rande der Gelenkpfanne (Labrum) erfolgt mit zwei bis drei kleinen "Fadenankern", die vom Körper im Laufe von Monaten aufgelöst werden (Abb. 1). Die Übertragung eines Knochenspans aus dem eigenen Beckenknochen ist nur bei ausgedehnten Defekten der Gelenkpfanne notwendig. Bei Patienten mit mehrfachen Schulterluxationen, knöchernem Pfannendefekt, sportlich aktiv und jung führen wir die Operation nach Latarjet durch, um die Gefahr der Reluxation zu senken.

Bei anlagebedingter Instabilität der Schulter, also ohne eine Verletzungsursache, ist ein gezieltes Muskelaufbautraining mit Kraftgeräten zu empfehlen. Eine Operation ist hier meistens nicht erforderlich und sinnvoll, wegen der hohen Reluxationsrate.

Mögliche Komplikationen / Risiken

Über 90 Prozent der operierten Patienten sind mit dem Ergebnis der Operation sehr zufrieden. Vereinzelt bleibt manchmal eine fast unmerkliche Einschränkung der Außendrehfähigkeit im Schultergelenk zurück. In seltenen Fällen, meistens nach zu früher Belastung oder nach erneuten Verletzungen, kann es trotz Operation zu einer wiederholten Luxation der Schulter kommen.

Das Risiko von Gelenkentzündungen oder Schädigungen von Blutgefäßen oder Nerven durch die Operation ist gering. Derartige Komplikationen treten in weniger als 2 Prozent der Fälle auf.

Nachsorge

Nach der Operation muss die Schulter für ein bis zwei Wochen durch eine Armschlinge ruhig gestellt werden. Danach beginnt das Bewegungstraining nach festgelegtem Schema, das dem Patienten in schriftlicher Form ausgehändigt wird.

Der stationäre Aufenthalt dauert etwa zwei bis drei Tage. Eine physiotherapeutische Behandlung ist für etwa drei Monate unerlässlich. Anschließend empfehlen wir selbstständiges Muskelaufbautraining für weitere drei Monate.

Wichtig ist außerdem gerade für Sportler, dass eine Belastung der Schulter für insgesamt drei Monate, die Ausübung von Kontakt- und Wurfsportarten sogar bis zu drei bis sechs Monaten nicht möglich ist, da sonst das Gelenk erneut gefährdet ist.

Arbeitsunfähigkeit besteht je nach beruflicher Belastung des Gelenkes für vier bis sechs Wochen.

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Michael W. Maier

    Oberarzt der Klinik
    Schulter- und Ellenbogenchirurgie
    Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie