Adipositaschirurgie

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie

minimal-invasiv

Erklärung

Ist ein Patient extrem übergewichtig (Körpermasseindex (BMI) über 35) und liegen bei ihm schwerwiegende Begleit- oder Folgeerkrankungen vor, können chirurgische Maßnahmen zum Einsatz kommen. Voraussetzung dafür sind weitere Voruntersuchungen.

  • In der Endokrinologischen Abteilung der Inneren Medizin (Krehl-Klinik) untersuchen wir, ob andere Ursachen für das Übergewicht vorliegen, etwa eine Überfunktion der Nebennieren, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Zuckererkrankung (Diabetes mellitus).
  • In der Klinik für Psychosomatische Medizin (Krehl-Klinik) stellen wir fest, ob beispielsweise schwere Depressionen oder ein gestörtes Essverhalten das krankhafte Übergewicht erklären können.
  • Zeigen sich keine Hinweise auf endokrinologische oder psychosomatische Ursachen, informieren wir Sie in der  Chirurgischen Klinik über mögliche Operationsverfahren und ermitteln, welches Verfahren für Sie in Frage kommt.

Stimmen alle drei Fachdisziplinen – Endokrinologie, Psychosomatik und Chirurgie – einem operativen Eingriff zu, erstellen wir ein Gutachten zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse an. Dieses leitet der Patient an seine Krankenkasse weiter. Fällt die Rückmeldung der Krankenkasse positiv aus, veranlassen wir zur Vorbereitung der Operation eine Herzuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße sowie eine 24-Stunden-Säuremessung.

Alle notwendigen Untersuchungen führen wir innerhalb des Universitätsklinikums durch. Unser Pflegepersonal koordiniert dabei den zeitlichen Ablauf und begleitet den Patienten von der Erstvorstellung bis hin zur Operation.

 

Therapie

Welche chirurgischen Maßnahmen zum Einsatz kommen, hängt vom Ausmaß des Übergewichts ab und ob und welche Folgeerkrankungen bereits eingetreten sind oder drohen. Bei BMI-Werten über 30 raten wir in der Regel zu einer minimalinvasiven Therapie.

Wir bieten in der Chirurgischen Klinik verschiedene Operationsverfahren an, die wir je nach Situation der Patienten unterschiedlich geeignet sind:

  • Magenballon
    Patienten mit sehr starkem Übergewicht (BMI über 60), bieten wir – in Zusammenarbeit mit unseren Gastroenterologen – das Einsetzen eines Magenballons an. Dieser wird für rund drei Monate in den Magen platziert. Das Ziel dabei: Das Gewicht auf einen BMI unter 60 zu reduzieren, da wir erst dann eine entsprechende Operation wie den Schlauchmagen oder den Magenbypass sicher durchführen können.
  • Magenband (Gastric Banding)
    Das Magenband wenden wir in erster Linie bei jüngeren Patienten unter 18 Jahren oder bei jungen weiblichen Patienten mit einem niedrigen BMI an. Ein Nachteil: eine langfristige Gewichtsabnahme lässt sich nicht sicherstellen. Zudem ist die Nachsorge relativ aufwendig. Ebenfalls gut zu wissen: Nach Entfernung des Magenbandes kann eine sofortige Gewichtszunahme folgen.
  • Schlauchmagen (Gastric Sleeve)
    Vielfältige Gründe sprechen aus unserer Sicht für dieses Verfahren: Erstens reduziert die Verkleinerung des Magens das Essvolumen des Patient pro Mahlzeit deutlich. Zweitens entnehmen wir beim Entfernen (Resektion) von 2/3 des Magens auch hormonaktive Zellen, die für das Hungergefühl verantwortlich sind. Und drittens: Die Magenschlauchresektion lässt sich technisch einfach und sicher durchführen. Zudem können wir belegen, dass Patienten mit einem Magenschlauch bis zu einem Jahr über ein deutlich verringertes Hungergefühl verfügen.
  • Magenbypass (Gastric Bypass)
    In Einzelfällen bieten wir den Magenbypass an. Dabei wird der Magen geteilt, so dass die Nahrung nur in den oberen Teil, den Vormagen gelangt, der rasch Sättigung signalisiert. Der restliche Speisebrei wird dann durch eine Dünndarmschlinge am restlichen Magen vorbei geleitet. Durch die Umleitung nimmt der Körper weniger Nährstoffe auf. Das Gewicht reduziert sich. Wir empfehlen dieses Verfahren vor allem Patienten mit unregelmäßigen Essverhalten oder Patienten, die trotz Ernährungsberatung weiterhin große Mengen an Nahrung zu sich nehmen. Die Operation zeigt gute Langzeiterfolge. Der Nachteil: Die Patienten müssen künftig Spurenelemente oder Vitamine zu sich nehmen.
  • Bilionpankreatische Diversion (Duodenal Switch)
    Dieses OP-Verfahren empfehlen wir nur sehr wenigen Patienten. Zwar verkleinern wir ‒ wie bei einem Schlauchmagen ‒ den Magen, zusätzlich muss aber auch der Zwölffingerdarm (Duodenum) mit einer zuvor durchtrennten Dünndarmschlinge verbunden werden. Mit diesem Verfahren lässt sich ebenfalls die Aufnahme von Nahrung und Nährstoffen auf lange Sicht reduzieren. Zudem können Folgekrankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) in den meisten Fällen geheilt werden. Dennoch: Die Risiken bei diesem Verfahren ‒ großer chirurgischer Eingriff, mehrere Darmnähte und die Gefahr eine anschließende Mangelernährung ‒ wägen wir vorher immer genau ab.

Welches Verfahren für Sie das richtige ist, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen. Vereinbaren Sie einen Termin mit uns. Wir beraten Sie gerne – und umfassend.

Minimalinvasive Eingriffe

Alle unseren adipösen Patienten profitieren von der minimalinvasiven Vorgehensweise bei der Operation. Das heißt, nur sehr kleine Schnitte sind für den Eingriff notwendig. So lassen sich Wundinfekte und Narbenbrüche weitestgehend vermeiden. Zudem verursachen minimalinvasive Zugänge weniger Schmerzen und sorgen für eine schnellere Erholung nach der Operation.

Häufige Nachfragen

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, damit ich operiert werden kann?

Ob Sie operiert werden, hängt von ihrem Körpermasseindex (BMI) ab. Falls dieser größer als 35 ist, kommt ein chirurgischer Eingriff für Sie grundsätzlich in Betracht. Sollte Ihr BMI größer als 35 sein, ist für die Entscheidung zur Operation wesentlich, ob bereits Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder chronische Gelenkbeschwerden entstanden sind. Dazu müssen Sie sich zuvor endokrinologisch und psychosomatisch untersuchen lassen sowie sich in der Chirurgischen Klinik über mögliche Operationsverfahren informieren.

Stimmen alle drei Fachdisziplinen – Endokrinologie, Psychosomatik und Chirurgie – einem operativen Eingriff zu, erstellen wir ein Gutachten zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse an, das Sie an Ihre Krankenkassen weiterleiten müssten. Bei Ablehnung des ersten Gutachtens durch die Krankenkasse, fertigen wir ein Folgegutachten an.

Liegt uns die Kostenzusage der Krankenkasse vor, planen wir Ihre Operation. Dazu sind weitere Untersuchungen (Herzuntersuchung, Ultraschall der Halsgefäße, 24-Stunden-Säuremessung) notwendig. Erweisen sich Ihre Befunde als unauffällig, vereinbaren wir mit Ihnen einen Operationstermin innerhalb der nächsten zwei Wochen.

Von Ihrer ersten Vorstellung bis zur Operation können zwischen sechs bis neun Monaten vergehen. Während dieser Zeit stehen wir Ihnen in unserer Adipositas-Sprechstunde jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.

Welche OP-Methode ist für mich geeignet?

Wir bieten an der Chirurgischen Klinik Heidelberg und im Adipositas-Zentrum hauptsächlich 5 Operationsverfahren an: Magenballon, Magenband, Schlauchmagen, Magenbypass und Duodenaler Switch. Welches Verfahren für Sie das Richtige ist, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin mit uns. Wir beraten Sie gerne – und umfassend.

Wie hoch sind die Kosten für eine Operation? Und was bezahlt die Krankenkasse?

Die Kosten hängen vom OP-Verfahren und der Dauer des stationären Aufenthaltes ab. Die Krankenkasse bezahlen die Kosten der jeweiligen Operationsverfahren in begründeten Fällen. Sie müssen dazu verschiedene Bedingungen erfüllen:

  • Nachweis über ärztlich kontrollierten Abnahmeversuch, Kuren, ärztlich kontrollierte Diäten oder Teilnahme am Optifast-Programm
  • Nachweis, dass keine endokrinologische oder psychosomatische Ursachen für das Übergewicht vorliegen

Bewertet die Krankenkasse das von uns verfasste Gutachten als nicht ausreichend und lehnt die Operation ab, verfassen wir ein Widerspruchsgutachten. Die Gutachten des Adipositas-Zentrum-Heidelberg sind für Sie als Patient kostenfrei.

Wie lange dauert mein Aufenthalt in der Klinik?

In der Regel dauert Ihr stationärer Aufenthalt zwischen zwei und fünf Tagen. Die eigentliche Operationszeit variiert zwischen einer halben und zwei Stunden – je nach Verfahren. Wir führen alle Operationen minimalinvasiv (laparoskopisch) durch. Große Bauchschnitte bleiben Ihnen dadurch erspart, was die Erholungsphase nach der OP deutlich verkürzt. Kurz vor Ihrer Entlassung führen wir nochmals eine Ernährungsberatung durch. So stellen wir Sie auf die neue Situation ein und ermöglichen Ihnen einen reibungslosen Übergang in den Alltag.

Erkrankungen

Spezialisten

PD Dr. Dr. med. Adrian Billeter


Prof. Dr. med. Beat Müller