Angiographie

Neuroradiologie

bildgebend

Erklärung

Zerebrale Angiographien und endovaskuläre Eingriffe an den Blutgefäßen des Gehirns stellen einen Schwerpunkt der Abteilung für Neuroradiologie der Universitätsklinik Heidelberg dar. Mit diesen Techniken können die Blutgefäße des Gehirns in höchster Auflösung dargestellt werden und eine Vielzahl  von Erkrankungen der Blutgefäße behandelt werden.

Die Abteilung für Neuroradiologie verfügt eigens über eine Sektion für Interventionelle Neuroradiologie, welche sich spezialisiert hat auf die Behandlungen von Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns. Die Untersuchungen werden durchgeführt an einer Angiographieanlage der allerneuesten Generation (Artis Biplan, Siemens). Mit dieser Anlage können kontinuierlich in 2 Ebenen Aufnahmen mit digitalen Röntgendetektoren gemacht werden. Im Jahr 2008 wurden in der Neuroradiologie Heidelberg mehr  als 800   diagnostische Angiographien sowie mehr als 300 minimal-invasive Eingriffe duchgeführt. Neben dem Sektionsleiter stehen vier weitere erfahrene Untersucher zur Verfügung, die das gesamte Spektrum der interventionellen Eingriffe beherrschen. Für Notfalleingriffe besteht eine Rufbereitschaft rund um die Uhr sieben Tage die Woche. Die Eingriffe werden in der Regel von der Leiste aus durchgeführt. Entweder unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose wird ein feiner Schlauch in die Blutgefäße des Halses oder Gehirns vorgeschoben. Dies wird unter Röntgenstrahlung kontrolliert. Mit der Injektion von Röntgenkontrastmittel können die Blutgefäße in höchster Auflösung dargestellt werden.

Folgende Erkrankungen könne über endovaskuläre Eingriffe behandelt werden:

Aneurysmen der Hirnarterien („Aneurysmacoiling“)

Schwäche der Gefäßwand dar. Manchmal werden sie zufällig gefunden bei Untersuchungen des Gehirns in der MRT oder CT. Am häufigsten fallen sie jedoch auf, indem die Gefäßaussackung platzt („Ruptur“). Hierdurch kommt es zum Austritt von Blut in das Gehirn. Dies kann stärkste Kopfschmerzen hervorrufen, im schlimmsten Fall zum Koma führen. Das Ziel der Behandlung ist ein rascher Verschluss dieser Gefäßaussackung, da sonst die große Gefahr besteht, dass es zu einer erneuten Blutung mit noch schlimmeren Folgen kommt. Bei der endovaskulären Therapie werden über einen winzigen Mikroschlauch feine Platinspiralen in die Gefäßaussackung eingebracht. Dies wird unter Röntgenstrahlung kontrolliert. Das Aneurysma kann komplett mit diesen Platinspiralen ausgestopft werden, so dass es nicht mehr bluten kann. Dies ist eine gute Behandlungsoption bei Aneurysmen, die bereits geblutet haben sowie bei Gefäßaussackungen, welche zufällig gefunden wurden.

Das Bild zeigt eine Gefäßaussackung an der Aufzweigungsstelle der inneren Hirnarterie aus der es geblutet hatte.
Diese Aussackung wurde mit feinsten Platinspiralen vollständig ausgestopft, so dass die Gefäßaussackung nach der Behandlung verschwunden war.

Stenosen (Einengungen) der hirnversorgenden Gefäße

Das Gehirn wird durch die Carotis-Arterien sowie die Vertebral-Arterien mit Blut versorgt. Am häufigsten im Rahmen der Arteriosklerose kommt es zu einer Einengung dieser Blutgefäße, häufig am Abgang der inneren Halsschlagader (A. carotis interna), seltener am Abgang der Vertebral-Arterien oder in den Gefäßabschnitten an der Schädelbasis. Diese Einengungen können zufällig gefunden werden, können sich aber auch durch einen Schlaganfall äußern. Eine  Therapie hierfür ist die Wiederaufweitung der eingeengten Gefäßabschnitte mit Gefäßprothesen (Stent). Auch dies wird von der Leiste aus durchgeführt. Ein dünner Schlauch, auf dem eine Gefäßprothese aufgebracht ist, wird in den Bereich der Gefäßeinengung gebracht. Dies wird unter Röntgenstrahlung kontrolliert. Mit einem Ballon wird die Gefäßprothese aufgedehnt. Hierdurch wird die Einengung des Gefäßes beseitigt und das Gehirn wieder regelrecht mit Blut versorgt.

Nach einem Schlaganfall wurde bei diesem Patienten eine hochgradige Einengung („Stenose“) der inneren Hirnschlagader (Karotisarterie) gefunden.
Unter örtlicher Betäubung konnte diese Einengung mit einer Gefäßprothese („Stent“) beseitigt werden und der Blutfluss zum Gehirn wiederhergestellt werden.

Arteriovenöse Malformationen des Gehirns

Arteriovenöse Malformationen des Gehirns sind Kurzschlussverbindungen von Arterien und Venen. Diese werden manchmal zufällig gefunden bei anderen Schnittbilduntersuchungen des Gehirns. Am häufigsten werden sie jedoch durch Blutungen in das Gehirn auffällig. Hierbei  besteht die große Gefahr, dass es zu einer erneuten Blutung kommt. Dies kann mit der endovaskulären Therapie verhindert werden, indem die Kurzschlussverbindung verschlossen wird. Hierbei wird ein winziger Schlauch von der Leiste unter Röntgenkontrolle mitten in die arteriovenöse Malformation gebracht. Dann wird ein Gewebeklebstoff eingespritzt, der zu einer Verödung dieser Kurzschlussverbindung führt. Diese Behandlung kann alleine zum Erfolg führen, es kann sich jedoch auch eine ergänzende Operation oder Strahlentherapie anschließen.

Bei diesem Patienten war eine Kurzschlussverbindung zwischen Arterien und Venen geplatzt mit der Folge einer Einblutung in das Gehirn. Das Bild links zeigt das Gefäßkonvolut mit stark erweiterten Venen vor der Behandlung.
Nach der Verödung („Embolisation“, rechts gezeigt) färbt sich die Kurzschlussverbindung nicht mehr an, sie konnte komplett mit einem Gewebekleber über einen kleinen Schlauch von der Leiste aus verödet werden.

Auflösung von Gerinnseln beim akuten Schlaganfall (Thrombolyse)

Beim akuten Schlaganfall kommt es häufig zu einem Verschluss von großen Hirnarterien durch einen Blutpfropf (Thrombus). Es ist von entscheidender Bedeutung, diesen möglichst schnell aufzulösen, um die Durchblutung des Gehirns wieder herzustellen. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, ist die endovaskuläre Behandlung. Hierbei wird ein dünner Schlauch von der Leiste aus genau vor den Ort des Verschlusses gebracht. Von dieser Stelle aus kann man zum einen hochwirksame Medikamente direkt an den Ort des Verschlusses spritzen und den Blutpfropf somit aufzulösen. Weitere Möglichkeiten bestehen darin, mit verschiedenen Werkzeugen den Blutpfropf direkt aus dem Gefäß herauszuziehen und somit sofort die Durchblutung des Gehirns wieder herzustellen.

Bei diesem Patienten war es zu einer akuten Lähmung der rechten Körperhälfte gekommen. Als Ursache hierfür fand sich ein Verschluss der mittleren Hauptarterie des Gehirns (Pfeil links, vor Therapie).
Es wurde dann ein winziger Schlauch von der Leiste bis vor den Verschluss gebracht und das Blutgerinnsel, das den Verschluss verursacht hatte aufgelöst. Somit war das Gehirn wieder durchblutet und die Symptome bildeten sich rasch zurück.

Computergesteuerte Schmerztherapie an der Wirbelsäule

Schmerzen der Halswirbelsäule sowie der Lendenwirbelsäule können durch verschiedene degenerative Erkrankungen bedingt sein. Diese kann man mit den verschiedenen Schnittbildverfahren (CT, MRT) sichtbar machen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, millimetergenau unter Röntgenkontrolle unter der Computertomographie hochwirksame Medikamente an Ort und Stelle des Schmerzes zu bringen. Dies kann zu anhaltender Beschwerdebesserung der Schmerzen führen. Diese Form der Therapie kann unter Umständen auch mehrfach durchgeführt werden.

Bei chronischen Rückenschmerzen kann eine gezielte computergestützte Infiltrationstherapie helfen.
Bei degenerativen Veränderungen zwischen den kleinen Wirbelgelenken (oben gezeigt) oder im Gelenk zwischen Kreuzbein und Becken (unten´gezeigt) wird eine Infiltrationsnadel (Pfeil) unter CT-Kontrolle genau an den Ort der Beschwerden gebracht und ein lokales Schmerzmittel verabreicht. Dies kann unmittelbar zu einer Linderung der Schmerzen führen.