Blasenersatz

Urologische Klinik

Erklärung

Nach Operationen zur Entfernung der Harnblase - beispielsweise bei bösartigen Tumoren oder schweren anderen Erkrankungen der Blase, die nicht mehr ausheilen können – stehen an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung die Blase zu ersetzen. Die Ziele eines solchen Blasenersatzes sind der Erhalt der Nierenfunktion sowie ein optimales funktionelles und kosmetisches Ergebnis. Idealerweise wird die neue Harnblase, sowohl bei Mann als auch Frau wieder an die Harnröhre angeschlossen (sog. Neoblase bzw. orthotoper Blasenersatz). Sollte bereits auch die Schließmuskelregion von Tumor befallen sein oder andere Gründe vorliegen, die einen Anschluss der Ersatzblase an die Harnröhre nicht erlauben, können alternative Techniken dennoch häufig einen äußeren Urinbeutel (Stoma) vermeiden.

Orthotoper Blasenersatz - Neoblase

Hierbei handelt es sich um die ideale Form des Blasenersatzes bei Mann und Frau. An der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg wird hierzu seit vielen Jahren die Technik nach Studer angewandt. Es handelt sich dabei um ein sicheres und standardisiertes Verfahren, das in zahlreichen Studien mit sehr hohen Patientenzahlen regelmäßig und erfolgreich überprüft wurde und wird.

Aus einem kurzen Stück Dünndarm wird die neue Blase in annähernder Kugelform gebildet und an die Harnröhre oberhalb des sorgfältig erhaltenen Schließmuskels angeschlossen. Die Harnleiter werden in mikrochirurgischer Technik, in der Regel ohne Verwendung innerer oder äußerer Schienen, in die Neoblase eingepflanzt. Der Verzicht auf die Schienen erleichtert postoperativ die komplikationslose Pflege und die schnelle Mobilisierung des Patienten; der Krankenhausaufenthalt kann so häufig auf deutlich unter zwei Wochen begrenzt werden.

Während des Krankenhausaufenthaltes wird der Patient mit seiner neuen Blase vertraut gemacht. Das Kontinenztraining durch erfahrene Physiotherapeuten ist hierbei eine der wichtigsten Maßnahmen, da der Schließmuskel lernen muss ohne die Informationen der Originalblase über z.B. Füllung, Inhalt und Druck seine Arbeit zu verrichten. Ggf. können spezielle Medikamente den Schließmuskel hierbei in der ersten Zeit nach der Operation sinnvoll unterstützen.

Kontinente Harnableitung: Katheterisierbares Nabelstoma

Ist der Anschluss der neu gebildeten Harnblase an die Harnröhre aus unterschiedlichen Gründen (wie zum Beispiel Tumorbefall oder schwere Insuffizienz des Schließmuskels) nicht möglich, so kann mit einer sogenannten kontinenten Harnableitung in kosmetisch und funktionell exzellenter Art und Weise die Anlage eines äußeren Urinbeutels vermieden werden.

Es handelt sich hierbei um komplexe Operationsmethoden, die an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg häufig und in standardisierter Art und Weise in einer modifizierten Indiana-Pouch Technik durchgeführt werden. Die neue Blase wird hierbei aus einem Stück Dickdarm und gegebenenfalls auch Dünndarm gebildet und mit einem neuen Schließmuskel kombiniert, der von für die Umwelt unsichtbar von innen an den Nabeltrichter angeschlossen wird. Dieser neue Schließmuskel, auch als Kontinenzmechanismus bezeichnet, wird in der Regel aus einem Stück eingestülpten Dünndarm (sog. Nippel) geformt, das fest in der Dickdarmklappe verankert wird. Ergebnis dieser Technik ist ein wasserdichter, robuster und ausreichend weiter Kanal, der den Nabel mit der neuen Blase verbindet und über den der Patient mittels eines Katheters regelmäßig und problemlos den Urin entleeren kann. Diese Dünndarmnippeltechnik vermeidet die von verschiedenen Arbeitsgruppen mehrfach beschriebenen Komplikationen der sogenannten Appendixstomata und Yang-Monti Röhrchen (Kontinenzmechanismus mittels Blinddarm oder gerollter Dünndarmsegmente).

Auch hier werden, wie bereits bei der Neoblase beschrieben, die Harnleiter in mikrochirurgischer Technik und wenn möglich ohne Verwendung innerer oder äußerer Schienen, in die neue Harnblase eingepflanzt. Der Verzicht auf die Schienen erleichtert postoperativ die komplikationslose Pflege und die schnelle Mobilisierung des Patienten; der Krankenhausaufenthalt kann so häufig auf deutlich unter zwei Wochen begrenzt werden.