Minimal-invasive Kinderchirurgie

Sektion Kinderchirurgie

minimal-invasiv

Erklärung

Die minimal-invasive Chirurgie (MIC) ist eine Operationsmethode, bei der über kleine Schnitte (meist 0,5 bis 2 cm lang) eine Kamera sowie Operationsinstrumente in Körperhöhlen eingeführt werden. Diese Instrumente lassen sich von außen bedienen, während die Kamera die genaue Kontrolle der einzelnen Operationsschritte auf einem Bildschirm ermöglicht.

Zahlreiche Studien haben die Vorteile der MIC auch für Operationen im Kindesalter nachgewiesen. Dazu zählen: kosmetisch schönere Narben, seltenere Wundheilungsstörungen, weniger postoperative Verwachsungen im Bauch, deutlich niedriger postoperative Schmerzmittelbedarf und frühzeitiger Nahrungsaufbau. Auch eine kürzere Krankenhausverweildauer, seltenere Rezidive (Wiederauftreten der Erkrankung) und in speziellen Fällen bessere postoperative Organfunktionen, z.B. der Hodenfunktion nach minimal invasiver Hodensuche im Vergleich zur konventionellen Exploration konnten nachgewiesen werden.

Sicherheit

Minimal-invasive Operationen führen wir in der Kinderchirurgie Heidelberg zuverlässig durch. Wie sicher diese Eingriffe sind, zeigen auch Studien aus erfahrenen Zentren mit mehrere hundert unterschiedlichen Eingriffen: In keinem Fall kam es zu einer laparoskopiebedingten Komplikation mit einer bleibenden Beeinträchtigung des Kindes. Etwa 95 Prozent der minimal-invasiven Eingriffe können erfolgreich beendet werden.

Nur bei zwei bis zehn Prozent der Eingriffe muss im Kindesalter während der OP auf die klassische Operationsmethode über einen größeren Bauchschnitt umgestiegen werden. Komplikations- und Konversionsraten sind nicht altersabhängig, so dass Neugeborene und Säuglinge genauso sicher minimal-invasiv operiert werden können wie Jugendliche oder Erwachsene.

Die minimal-invasive Chirurgie ist als Standartverfahren für zahlreiche Erkrankungen im Kindesalter international etabliert. Seit über 30 Jahren wenden Kinderchirurgen diese Technik bereits an. Dabei sind mehr als 50 Operationsverfahren eigens für Neugeborene, Kinder und Jugendliche entwickelt worden.

Erfahrungen aus der MIC bei Erwachsenen sind bei kleinen Kindern und Neugeborenen jedoch nur begrenzt übertragbar, da sowohl von anästhesiologischer als auch von chirurgischer Seite bei Kindern spezielle Besonderheiten zu beachten sind. In der Kinderanästhesie erfahrene Narkoseärzte und speziell in der minimal-invasiven Kinderchirurgie ausgebildete Operateure ermöglichen in der Kinderchirurgie Heidelberg hohe Sicherheitsstandards in der Durchführung dieser Operationen.

Operatives Vorgehen

Prinzipiell folgt eine minimal-invasive Operation den gleichen Operationsschritte wie eine konventionelle Operation. Bei der MIC wird jedoch ein insgesamt kleinerer Körperzugang benötigt, um zum Zielorgan zu gelangen. Über einen dieser kleineren Zugänge wird eine Kamera eingeführt, über die wir anschließend das Operationsgebiet auf einen Bildschirm betrachten können. Durch weitere kleine Schnitte (meist zwei) werden die Operationsinstrumente mit ihrem Endteil in den Körper eingeführt. Das andere Ende der Instrumente wird von außen vom Chirurgen bedient. Dabei kann er am Bildschirm das Vorgehen genau beobachten.

Die meisten MIC-Eingriffe sind mit drei Zugängen möglich. Bei Kindern ist der Kamerazugang ein Zentimeter lang, die beiden Instrumentenzugänge sind jeweils fünf Millimeter lang. Bei Säuglingen sind die Zugänge entsprechend kleiner (5mm und 3mm). Seit einigen Jahren gibt es auch ein Verfahren möglich, bei dem Kamera und Instrumente über einen einzigen Zugang in den Körper eingebracht werden. Diese sogenannte Single-Port-Variante der MIC ermöglicht vor allem kosmetische Vorteile.

Laparoskopie (minimalinvasive Chirurgie der Bauchhöhle)

Die Laparoskopie ist das zentrale Anwendungsgebiet der minimal-invasiven Chirurgie. Aktuell können etwa 60 Prozent aller abdominalen Operationen bei Kindern laparoskopisch stattfinden. Wir wenden dieses Verfahren sowohl diagnostisch als auch therapeutisch an, z. B. wenn unklare chronische oder akute Beschwerden des Bauches bestehen, die einer chirurgischen Abklärung bedürfen. Vorteile bestehen in der exzellenten Beurteilbarkeit des gesamten Bauchraums (z. B. bei einer unklaren Diagnose), aber auch in der gleichzeitig durchführbaren notwendigen Therapie (z. B. der laparoskopischen Blinddarmentfernung). Die minimal invasive Chirurgie hat sich darüber hinaus bei folgenden Operationen als Goldstandart etabliert:

Blinddarmoperation (Appendektomie)

Eine Blinddarmentzündung oder der Verdacht darauf führt bei Kindern am häufigsten zu einem laparoskopischen Eingriff. Der Wurmfortsatz (Appendix) befindet sich dabei im rechten Unterbauch am Beginn des Dickdarmes. Nach Abtrennung des entzündeten Appendix, wird dieser in einem Bergebeutel eingepackt und über den Bauchnabelzugang entfernt. Eventuell begleitende Verklebungen im Bauchraum können wir während des Eingriffes lösen.

Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)

Die laparoskopische Gallenblasenentfernung eignet sich für Kinder mit einem symptomatischen Gallenblasensteinleiden. Die Gallenblase befindet sich teilweise von der Leber überdeckt im rechten Oberbauch. Nach erfolgreicher Abtrennung wird diese zusammen mit den Steinen in einem Bergebeutel über den Bauchnabelzugang aus dem Körper entfernt.

Milzentfernung (Splenektomie)

Auch die laparoskopische Milzentfernung, z.B. bei hämolytischen Anämien, ist in ihrer Sicherheit und Ausführbarkeit belegt. Die Bergung einer sehr großen Milz kann dagegen Schwierigkeiten machen. Dies wird durch die Zerkleinerung der Milz noch im Körper vereinfacht. Dadurch können wir durch den kleineren Zugang stückweise das große Organ entfernen.

Anti-Reflux-Operation (Fundoplikatio)

Bei 95 Prozent der Refluxkinder ist eine laparoskopische Fundoplikatio gut ausführbar. Dazu setzen wir verschiedene Manschettentechniken ein, z. B. eine 180-Grad-Manschette nach Thal oder eine von 360-Grad-Manschette nach Nissen.

Erkrankungen des inneren Genitales und der Harnwege

Bei Mädchen mit Eierstockszysten etwa erreichen wir minimalinvasiv oft eine bessere Übersicht als durch die konventionelle Operation. Beim Jungen kann das Aufsuchen und Verlagern eines Bauchhodens laparoskopisch erfolgen. Bei etwa einem Drittel der Jungen findet sich keine Hodenanlage. Hier erspart die Laparoskopie die ansonsten ausgedehnte Suche (Exploration) über einen größeren Bauchschnitt. Auch eine Krampfader im Samenstrang (Varikozele) lässt sich laparoskopisch sehr gut mit einer Ligatur oder eines Clip-Verschlusses behandeln. Dies geschieht unter guter Übersicht, bei der auch Nebenäste (Kollaterale) entfernt werden können.

Anlage eines Katheters zur Bauchfelldialyse

Für eine Bauchfelldialyse legen wir einen kleinen Plastikkatheter durch die Bauchwand in die Bauchhöhle. Die dabei durchgeführte Laparoskopie hilft dabei, den Katheter korrekt zu platzieren und Verletzung innerer Organe beim Einlegen des Katheters zu vermeiden. Auch die Entfernung eines Netzteils, bei der ein Teil des großen Netzes entfernt wird, um das Verstopfungsrisiko des Katheters zu reduzieren, lässt sich sehr gut laparoskopisch durchführen.

Thorakoskopie (minimalinvasive Chirurgie der Brusthöhle)

Die minimal-invasive Technik eignet sich auch für Operationen in der Brusthöhle, z. B. lassen sich Lungenherde entfernen, Gewebeproben entnehmen und Entzündungen des Lungenfelles spülen. Darüber hinaus setzen wir sie zur thorakoskopischen Kontrolle bei der Korrektur einer Trichterbrust nach der Nuss-Methode ein. Das erhöht die Sicherheit beim Einführen des Metallbügels, da dies damit unter Sicht möglich ist. Verletzungen lassen sich so vermeiden und der Bügel kann optimal platziert werden.