Myelographie

Sektion Vaskuläre und Interventionelle Neuroradiologie

Erklärung

Die Myelographie ist ein invasives Verfahren an der Wirbelsäule, das der weiterführenden bildgebenden Diagnostik bei Engen des Wirbelkanals oder der Nervenaustrittskanäle dient. Eine Myelographie kann erforderlich sein bei Patienten mit funktionellen oder knöchern bedingten Engen des Wirbelkanals oder der Nervenaustrittskanäle, bei Patienten, die metallische Implantate in der zu untersuchenden Region der Wirbelsäule haben (Abbildung 1), oder bei Patienten, die aufgrund eines Herzschrittmachers oder eines anderen Implantates keine Kernspintomographie erhalten können. Bevor eine Myelographie durchgeführt wird, sollte jedoch bereits eine nicht-invasive Diagnostik (Kernspin- oder Computertomographie) durchgeführt worden sein.

Bei der Myelographie wird unter sterilen Bedingungen mit einer speziellen Nadel eine Punktion des Wirbelkanales (im Speziellen des Raumes um das Rückenmark)  an der Lendenwirbelsäule durchgeführt. Dies kann am sitzenden Patienten oder auch unter Durchleuchtung am liegenden Patienten (Bauchlage, ggf. auch Linksseitenlage) erfolgen. In diesen mit Nervenwasser (Liquor) gefüllten Raum wird jodhaltiges (Röntgen-) Kontrastmittel gespritzt, dann wird die Nadel entfernt. Je nach Fragestellung verbleibt das Kontrastmittel in der Lendenwirbelsäule oder wird durch Kopftieflage in die Brust- oder Halswirbelsäule befördert (siehe Abbildung 2). Schließlich werden Röntgenbilder und eine Computertomographie der entsprechenden Region der Wirbelsäule angefertigt.

Patient mit Wirbelkörperbrüchen und metallischem Wirbelsäulenimplantat (dorsale Spondylodese) in der Brustwirbelsäule: A: In der Kernspintomographie ist aufgrund starker Metallartefakte der Wirbelkanal auf Höhe des Implantates nicht abgrenzbar. B: In der Computertomographie ist der Wirbelkanal zwar abgrenzbar, aber das Rückenmark nicht. C: In der Myelo-Computertomographie ist aufgrund des Kontrastmittels das Rückenmark im Wirbelkanal erkennbar.
Punktion des Wirbelkanales an der Lendenwirbelsäule (Durchleuchtungsbild)
Lendenwirbelsäule nach Injektion des Kontrastmittels in den Wirbelkanal (Röntgenbild)
Nach Injektion wurde das Kontrastmittel durch Kopftieflage in die Halswirbelsäule befördert (Röntgenbild)
Post-Myelographie-CT-Bild eines Patienten mit einer multisegmentalen Spinalkanalstenose

Welche Vorbereitung ist notwendig?

Um das Komplikationsrisiko zu senken, sind bestimmte Vorkehrungen zu treffen. Zum Untersuchungstermin muß der Patient aktuelle (d.h. nicht mehr als 14 Tage alte) Laborwerte mitbringen. Folgende Laborwerte sind erforderlich: Gerinnung (Quick, PTT, Thrombocyten), Nierenfunktion (Kreatinin, Harnstoff), Schilddrüse (TSH basal). Die genannten Laborwerte müssen im Normbereich sein. Gegebenenfalls müssen gerinnungshemmende Medikamente mehrere Tage vorher abgesetzt werden. Der Patient muß nüchtern zum Termin erscheinen. Im Anschluß an die Untersuchung sind 6 Stunden Bettruhe einzuhalten.

Termine zur Myelographie können über die Leitstelle Neuroradiologie vereinbart werden.
 

Komplikationen / Risiken

Komplikationen im Rahmen des Verfahrens sind sehr selten. Mögliche Komplikationen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, allergische Reaktion, Schilddrüsenhormonkrise, Infektion, Hirnhautentzündung, Blutung, Verletzung von Nerven mit bleibenden oder vorübergehenden Lähmungen und Sensibilitätsstörungen.