Essentieller Tremor

Neurochirurgische Klinik

Definition der Erkrankung

Essentieller Tremor – was ist das?

Ein essentieller Tremor ist eine neurologische Bewegungsstörung. Solange betroffene Patienten entspannt sind, ist alles in Ordnung. Doch wenn sie Hände schütteln, die Tür aufschließen oder einfach nur eine Tasse Kaffee zum Mund führen wollen, fangen die Hände durch die Muskelanspannung unkontrolliert an zu zittern. Manchmal zittern beim essentiellen Tremor auch die Arme oder Beine, selbst die Stimme kann betroffen sein. In stressigen Situationen wird das Zittern oft noch schlimmer, was die Betroffenen oftmals besonders beschämt.

Die Ursache dieser häufig vererbten Erkrankung ist bisher unbekannt. Dennoch kann ein essentieller Tremor heute erfolgreich durch die so genannte Tiefen Hirnstimulation (THS; deep brain stimulation DBS) behandelt werden. Dieser neurochirurgische Eingriff kommt besonders dann in Frage, wenn beim essentiellen Tremor Medikamente nicht anschlagen, im Laufe der Zeit an Wirksamkeit verlieren oder mit beeinträchtigenden Nebenwirkungen einhergehen.

Bei dieser so genannten Tiefen Hirnstimulation (THS; deep brain stimulation DBS) wird eine feine Elektrode hochpräzise und millimetergenau in die betroffenen Gehirnareale implantiert, wo sie durch schwache elektrische Impulse, ähnlich einem Herzschrittmacher, zu einer Normalisierung der Bewegungen führt. Häufig führt dies zu einer wirksamen Kontrolle des essentiellen Tremors und ermöglicht damit eine normale, zitterarme Bewegung.

Die Lebensqualität von Betroffenen eines essentiellen Tremors lässt sich durch diese Methode um ein Vielfaches steigern.

Weitere Informationen

Symptome

Unkontrolliertes Zittern der Hände, Arme, Beine und der Stimme.

Ursachen

Die Ursache dieser häufig vererbten Erkrankung ist bisher unbekannt.

Diagnose

Interdisziplinäres Patientenscreening für eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung

In der Regel führt die Tiefen Hirnstimulation zu einem sehr deutlichen Rückgang des Zitterns oder sogar zu einem vollständigen Verschwinden des essentiellen Tremors. Der Erfolg der Behandlung ist für unsere Patienten direkt nach der Operation sicht- und spürbar. Auch die bisher benötigten Medikamente können anschließend meist abgesetzt werden. Die OP-Indikation wird im neurologisch-neurochirurgischen Team intensiv und interdisziplinär besprochen. Kommt eine Operation in Betracht, klären wir selbstverständlich ausführlich über den Operationsablauf auf und beleuchten die zu erwartenden Verbesserungen wie auch die möglichen Auswirkungen auf das Sozial- und Privatleben.

Entsprechend können sich unsere Patienten anschließend Zeit nehmen, um sich für oder gegen den Eingriff zu entscheiden.

Ablauf der Behandlung

Essentieller Tremor – Therapie

In der Sektion Stereotaktische Neurochirurgie der Neurochirurgischen Klinik bieten wir die Behandlung von Symptomen des essentiellen Tremors mit Hilfe der Tiefen Hirnstimulation an.

Seit 1995 werden diese Eingriffe an der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg durchgeführt. Damit ist unsere Klinik eine der am längsten auf diesem Gebiet aktiven Abteilungen in Deutschland.

Bei diesem minimal-invasiven Eingriff nutzen wir hochmoderne OP-Technik wie Echtzeit-Bildgebung durch die intraoperative Kernspin- und Computertomografie, sowie spezielle hochpräzise Operationsinstrumente und neueste Computersoftware zur Planung. Hierdurch können unsere Neurochirurgen jeden beliebigen Punkt im Gehirn auf den Millimeter genau erreichen. Neben den Elektroden wird ein kleiner Neurostimulator („Schrittmacher“), meist unterhalb des Schlüsselbeins, implantiert. Dieser Stimulator liefert die Energie für die dauerhafte Stimulation. Je nach verwendetem Schrittmacher ist ein Wechsel des Aggregats nach einigen Jahren bei Aufbrauchen der Batterieleistung (sog. nicht-wiederaufladbarer Stimulator) notwendig.  Bei diesem Eingriff, welcher in lokaler Betäubung oder Kurznarkose durchgeführt werden kann, verbleiben die  Elektroden im Gehirn. Bei einem anderen Stimulatortyp (sog. wiederaufladbarer Stimulator)  muss der Patient das Aggregat regelmäßig – ca. 1h pro Woche - induktiv über die Haut wie einen Akku aufladen. Diese Stimulatoren sind kleiner und versprechen eine Laufzeit von mehr als 10 Jahren.

Ein sicherer Eingriff mit hohen Heilungschancen

Bei der stereotaktischen Operation nutzen unsere Ärzte hochmoderne OP- und Narkosetechniken, wie sie nur spezialisierte Fachzentren großer Universitätskliniken bereithalten können. Durch einen optimierten OP-Ablauf sind wir zudem in der Lage, den Eingriff besonders zügig und mit sehr geringem Komplikationsrisiko durchzuführen. Mit 0,3 Prozent ist das Risiko ernster Komplikationen geringer als etwa das eines Blinddarm-Eingriffs.

Um die korrekte Lage und erwünschte Wirkung der Elektroden zu testen, werden noch während des Eingriffs erste Stimulationen durchgeführt. Hierzu muss unser Patient wach und ansprechbar sein. Entsprechend wird er aus der Narkose „geweckt“. Dies ist jedoch völlig schmerzfrei, da das Gehirn selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt. Und mit Hilfe spezieller Narkose-Mittel und einem ausgefeilten Narkose-Plan reduzieren wir die nötigen Wachzeiten auf ein absolutes Minimum. Beim essentiellen Tremor ist die zu operierende Hirnregion zudem für die Chirurgen sehr leicht zugänglich, sodass die OP-Zeit verkürzt werden kann. Vor Beendigung der OP erfolgt eine Lagekontrolle der Elektroden mittels CT-Bildgebung, um zu garantieren, dass für den Patienten nach der Operation eine optimale Stimulationswirkung erzielt werden kann.

Nachsorge

Sorgfältige OP-Nachsorge mit konstanten Ansprechpartnern

Nach der Operation müssen unsere Patienten in der Regel mit fünf bis sieben weiteren Tagen in der Klinik rechnen. In dieser Zeit werden die eventuell bisher eingenommenen Medikamente schrittweise reduziert und gleichzeitig Stärke und Art der Tiefen Hirnstimulation optimiert. Sollten durch den Tremor noch körperliche Einschränkungen zurückgeblieben sein, überweisen wir anschließend in eine neurologische Rehabilitationsklinik.

Die erste Zeit nach dem Eingriff bestellen wir unsere Patienten dann etwa alle drei Monate zu einer Nachuntersuchung ein. Ist die Stimulation optimal eingestellt, findet einmal im Jahr eine Nachkontrolle statt. Dabei prüfen wir den Batteriestatus und die einwandfreie Funktion des implantierten Stimulators.

Die Kontrolle findet durch die gleichen Ärzte statt, die unserem Patienten bereits bekannt sind, da sie ihn operiert und behandelt haben. Sie kennen schließlich die individuelle Krankengeschichte am besten.

Das zeichnet uns aus

  • Jahrzehntelange Erfahrung und höchste Expertise auf dem Gebiet der Tiefen Hirnstimulation und anderer stereotaktischer Operationen
  • Überdurchschnittliche Ausstattung mit moderner OP-Technologie (intraoperatives CT intraoperatives MRT, OP-Navigation)
  • Sicherer und maximal komfortabler Eingriff dank modernster Narkose-Verfahren und optimierter Operationsabläufe
  • Sorgfältige Risiko-Nutzen-Analyse jedes Patienten in einem zehntägigen neurologischen Screening
  • Hohe interdisziplinäre Vernetzung mit der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Heidelberg
  • Regelmäßige Nachsorge durch die behandelnden Ärzte

Schwerpunkte

Tiefe Hirnstimulation (THS; deep brain stimulation DBS)

Spezialisten

  • Dr. med. Martin Jakobs

    Schwerpunkt

    Funktionelle und stereotaktische Neurochirurgie, operative Schmerztherapie und periphere Nerven


  • Prof. Dr. med. Karl Kiening

    Ärztliches Qualitätsmanagement, Intensivmedizin

    Schwerpunkt

    Wirbelsäulenchirurgie, Stereotaktische Neurochirurgie