Einrichtungen

Station Jaspers

Gehört zu Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Allgemeine Psychiatrie

Allgemeinpflegestation

Kontakt
Voßstraße 2
69115 Heidelberg
Anfahrt


06221 56-4459
06221 56-1741

Besuchszeiten

Keine Besuchszeiten

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Leitung

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs

Ärztliche Leitung


Angelika Wagner

Pflegerische Leitung


Personen

Iris Eberle

Stationsärztin


Helena Hirsch

Klinische Sozialarbeit


Dr. Dipl.-Psych. Daniela Noe

Ltd. Psychologin


Dr. med. Ilinca Schmidinger

Stationsärztin


Allgemeine Informationen

Die Station Jaspers ist eine offene Station zur Behandlung von Menschen mit monopolaren affektiven Störungen (nur Depression oder Manie) und bipolaren affektiven Störungen (z. B. manisch-depressive Erkrankungen) sowie schizoaffektiven Erkrankungen, bei denen die affektive Symptomatik im Vordergrund steht.

Integriert in das Stationskonzept ist eine fachspezifische Mutter-Kind- und Schwangerentherapie. Das Angebot richtet sich an Frauen mit Kindern im Alter von 0-2 Jahren.

Das Behandlungskonzept

Die Station folgt einem multimodalen Behandlungskonzept, dessen Schwerpunkte:

  • in der medizinisch-medikamentösen Therapie,
  • in der vorwiegend verhaltenstherapeutisch orientierten Psychotherapie &
  • in soziotherapeutischen Interventionen liegen.

Zusätzlich werden durch verschiedene Fachtherapien bestimmte Aktivitäten, Fertigkeiten und Erlebnisbereiche der Patienten gezielt gefördert. Dazu gehören Bewegungs- und Tanztherapie, Ergotherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, Computertraining, Arbeitstherapie, Selbstsicherheitstraining, Angstgruppe, Verhaltenstherapiegruppe sowie gemeinsame Außenaktivitäten.

95% der Patienten werden psychopharmakologisch behandelt. Dabei ist der Anteil therapieresistenter Depressionen hoch, sodass spezielle Behandlungsverfahren erforderlich sind. Darüber hinaus besteht bei den oft älteren Patienten ein hohes Maß an Komorbidität, die in der antidepressiven Therapie mitberücksichtigt werden muss.

Etwa 2/3 aller Patienten leiden unter Störungen, die aufgrund vielfältiger psychosozialer Belastungen über supportive Gespräche hinaus einer spezifischen Psychotherapie bedürfen. Problembereiche bestehen häufig in partnerschaftlichen oder familiären Konflikten, in der mangelnden Bewältigung kritischer Lebensereignisse oder in persönlichkeitsbedingten Defiziten der Verhaltens-, Wahrnehmungs-, Denk- und Interaktionsstile.

Die eingesetzten psychotherapeutischen Strategien entsprechen den genannten Belastungen und Problemen; sie orientieren sich am derzeitigen wissenschaftlichen Stand der Therapieforschung. Die Psychotherapie der depressiven Störungen enthält dabei folgende Elemente:

Psychoedukation:

Vermittlung von Wissen über Symptomatik der Depression, Diagnose, Krankheitsmodell, Psychopharmakologie, psychotherapeutisches Veränderungsmodell, Selbstwirksamkeit

Verhaltensaktivierung:

Erstellung von Aktivierungsplänen, Selbstbeobachtungsprotokolle

Kognitive Therapie:

Selbstbeobachtungsprotokolle, Identifikation negativer Denkstile, Korrektur dysfunktionaler Kognitionen, Verhaltensexperimente

Interpersonelle Therapie:

Bewältigung von Verlusten, Rollenwechseln, interpersonellen Konflikten: biographisch orientiertes Vorgehen; Klärung von Beziehungserwartungen und Konfliktmustern, Problembewältigung

Rückfallprophylaxe:

medikamentöse Prophylaxe, Früherkennung, Bewältigungsstrategien, Zukunftsplanung

Paar- und familientherapeutische Interventionen:

Fremdanamnesen, Ressourcenaktivierung, Paar- und Familiengespräche, Angehörigengruppe mit psychoedukativem Konzept.

Nach Besserung der akuten Symptomatik besteht die Möglichkeit, durch Arbeitsversuch auf externen Praktikumsplätzen die Wiedereingliederung ins Berufsleben vorzubereiten.

Die Therapien

Die Behandlung erfolgt mit psychotherapeutischen, pharmakotherapeutischen und soziotherapeutischen Maßnahmen.

Das therapeutische Spektrum umfaßt:

  • Psycho- und Verhaltenstherapie einzeln oder in Gruppe
  • Medikamentöse Therapie
  • Bewegungstherapie (BWT)
  • Ergotherapie
  • Musiktherapie
  • Kunsttherapie
  • Soziales Kompetenztraining
  • Aussenaktivitäten
  • Entspannungstherapie
  • Konzentrations- und Gedächtnistraining
  • Arbeitstherapie
  • Wachtherapie
  • Lichttherapie
  • Andere Gruppentherapien: Für bestimmte Störungen stehen auch Einzelplätze in Therapiegruppen auf anderen Stationen zur Verfügung (z.B. Angst-, Suchtgruppe).

Namensgebung

Karl Jaspers (1883-1969), Psychiater und Philosoph, war von 1909-1915 an der Heidelberger Psychiatrischen Klinik tätig.

1913 erschien die erst Auflage seiner „Allgemeinen Psychopathologie“, die bis heute als eine der Grundlagen des Faches gilt.

Karl Jaspers arbeitete darin das Verstehen durch ein einfühlendes Sich - Hineinversetzen in die Erlebnisweisen des Kranken und die Erklärung durch Verknüpfung wiederholter Erfahrungen zu objektiven Regelmäßigkeiten als wesentliche Zugangswege zum Seelenleben heraus. Diese Unterscheidung bezieht sich unter anderem auf psychotherapeutische und naturwissenschaftliche Ansätze in der Psychiatrie.

1921 wurde Karl Jaspers Professor für Philosophie in Heidelberg. Nach seiner Emigration während des nationalsozialistischen Regimes übernahm er nach dem Krieg erneut seinen Lehrstuhl, wechselte dann aber 1948 nach Basel.

Als einer der führenden Vertreter der Existenzphilosophie nahm Karl Jaspers an den politischen und kulturellen Problemen seiner Zeit ebenso regen Anteil wie an der weiteren Entwicklung der Psychiatrie. Sie verdankt ihm die Erkenntnis, dass ein tieferes Verständnis der Welt des seelisch Kranken nicht ohne eine philosophisch orientierte Vergegenwärtigung der menschlichen Existenz möglich ist.