Herztransplantation

Klinik für Herzchirurgie

Erklärung

Indikation

Die Herztransplantation ist die Behandlungsmöglichkeit der Wahl für eine anderweitig nicht behandelbare terminale Herzmuskelschwäche (chronische Herzinsuffizienz). Die chronische Herzinsuffizienz ist heutzutage eine der weltweit am häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen mit jährlicher Zunahme der Erkrankungshäufigkeit. Es gibt eine Vielzahl von Herzerkrankungen, die in das Krankheitsbild "chronische Herzmuskelschwäche" münden. Dabei ist die ischämische Herzerkrankung auf der Basis einer koronaren Herzerkrankung zahlenmäßig die wichtigste, gefolgt von der dilatativen Kardiomyopathie und Herzklappenerkrankungen. Seltenere Ursachen sind angeborene Herzfehler und Stoffwechselerkrankungen (Muskeldystrophien und Amyloidose).

Der nachwievor bestehende Mangel an Spenderorganen macht es erforderlich, den Kreis möglicher Herztransplantationsempfänger auf diejenigen mit den höchsten Erfolgsaussichten einzuschränken. Für viele Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz stehen heute organerhaltende herzchirurgische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die eine Herztransplantation vielfach nicht erforderlich machen und sehr gute Langzeitergebnisse aufweisen.

Technik der Transplantation

Die heute noch am weitesten verbreitete Technik der Herztransplantation ist das in den 1960er Jahren von Lower und Shumway entwickelte Verfahren. Dabei nutzte man vom Herzen des Organempfängers die beiden Herzvorkammern (Vorhöfe) sowie die Abgänge der großen Gefäße. An die Vorhöfe des Organempfängers werden die passend geschnittenen Vorhöfe des Spenderherzens angeschlossen. Anschließend erfolgt der Anschluss der Hauptschlagader (Aorta) und der Lungenschlagader an das Empfängerherz.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte zeigten sich aber auch gravierende Nachteile dieser Technik. Viele Arbeitsgruppen beobachteten einen erhöhten Anteil von Patienten mit Herzrhythmusstörungen, die teilweise einer dauerhaften Schrittmacherbehandlung bedurften. Weiterhin wurden Veränderungen der Vorhofgeometrie mit ungünstigen Einflüssen auf das Füllungsverhalten des Spenderorgans gesehen. Bei einzelnen Patienten entwickelten sich an den sehr langen Nahtreihen an und zwischen den Herzkammern kleine Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall begünstigen können.

Um die Nachteile der Implantationstechnik von Lower und Shumway zu umgehen wurde Anfang der 1990er Jahre das Verfahren der sogenannten total orthotopen Herztransplantation entwickelt, bei der ein Spenderorgan komplett transplantiert wird. Der rechte und linke Vorhof bleiben jeweils vollständig intakt. Der linke Vorhof wird direkt an die von der rechten und linken Lunge kommende Pulmonalvene angeschlossen. Eine Verschiebung der linksseitigen Vorhofgeometrie und eine daraus resultierende Füllungsbehinderung sind so nicht mehr möglich. Im Bereich des rechten Vorhofs wird das Spenderorgan direkt ober- und unterhalb der Vorkammer mit der oberen und unteren großen Hohlvene verbunden. Weil so auch der rechte Vorhof komplett intakt bleibt, ist das Risiko schwerwiegender Herzrhythmusstörungen und die Notwendigkeit einer Schrittmacherbehandlung deutlich vermindert.

An der Klinik für Herzchirurgie in Heidelberg wird das total orthotope Verfahren seit den 1990igern regelmäßig angewandt. Damit ist die Heidelberger Klinik für Herzchirurgie mit dieser Methode führend. Trotz der etwas schwierigeren chirurgischen Technik sind die Ergebnisse exzellent zum Vorteil für unsere Patienten.

Kardiale Amyloidose

Eine weitere Besonderheit des Heidelberger Transplantationsprogramms besteht in der Behandlung von Patienten mit kardialer Amyloidose. Dabei handelt es sich um eine sehr seltene Erkrankung, bei der ein pathologisches Eiweiß im Herzen abgelagert wird. Diese Herzen sind sehr steif und hart. Die Überlebenrate ohne Transplantation liegt bei etwa 30 Prozent nach zwei Jahren. Das Problem dabei ist, dass die Grunderkrankung durch die Transplantation nicht beseitigt wird und die Art der Grunderkrankung als semimaligne eingestuft wird und somit in vielen Zentren als Kontraindikation zur Transplantation gilt.

Durch das multidisziplinäre Vorgehen an der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg - mit einer Expertengruppe bestehend aus Hämatologen, Kardiologen, Onkologen, Chirurgen, Pathologen und Herzchirurgen - besteht für diese schwerstkranken Patienten eine Therapiemöglichkeit in unserer Klinik. Je nach Quelle des pathologischen Proteins, schließt sich nach der Transplantation eine Chemotherapie, kombiniert mit Stammzellen oder eine Lebertransplantation an. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr ermutigend.

Es ist selbstverständlich, dass diese Leistungen nicht einzelnen Personen oder Abteilungen allein zugeschrieben werden können. Die enge und freundschaftliche Kooperation aller Fachgruppen, der Pflegekräfte und nicht zuletzt der Patienten mit ihrer Selbsthilfegruppe macht das Heidelberger Transplantationsprogramm so erfolgreich.