Cholesteatom

Hals-, Nasen- und Ohrenklinik

Definition der Erkrankung

Ein Cholesteatom ist ein gutartiger, zwiebelschalenartig wachsender Tumor, der weder Krebs ist noch mit Cholesterin zu tun hat. Jedoch kann es aktiv den das Mittelohr umgebenden Knochen, das Felsenbein, angreifen. Hierbei sind zunächst die Gehörknöchelchen und das Gleichgewichtsorgan in Gefahr, dessen Schädigung Schwindel verursacht. Aber auch wichtige Strukturen, wie der Geschichtsnerv, der die Bewegung des Gesichts steuert, der venöse Blutleiter des Gehirns, die Hirnhäute, das Großhirn und das Kleinhirn.

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Ursachen

Bei anhaltendem Unterdruck im Mittelohr, der durch eine Belüftungsstörung verursacht wird, kann insbesondere im Bereich des Epitympanons eine Einziehung des Trommelfells (3) in den Mittelohrraum (4) entstehen. In ihr können sich Entzündungen bilden, die durch die abgeschilferten Zellen der Trommelfellhaut unterhalten wird (1). Dies führt dann zu Ohrenlaufen (Otorrhoe) mit gewöhnlich schlechtem Geruch. Es könne auch Ohrschmerzen (Otalgie) und eine Hörminderung auftreten. Eine Cholesteatom kann auch entstehen nach einem Loch im Trommelfell, das sich nicht spontan verschließt. Hier kann die oberflächliche Trommelfellhaut in die Tiefe des Mittelohres hineinwachsen.

Krankheitsverlauf

Am Ende eines unbehandelten Cholesteatoms kann der Hirnabszess mit allen Möglichkeiten der Komplikationen stehen. Daher ist ein erkanntes Cholesteatom dringlich zu operieren.

Dem Mittelohr benachbart ist der Warzenfortsatz, das Mastoid, dessen Zellen lufthaltig und mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Ein Cholesteatom kann sich hierhin ausbreiten und diese Zellen zerstören. In diesem Fall ist es notwendig, diese Zellen zu eröffnen und operativ auszuräumen, um die Knocheneiterung zu behandeln. Dies kann zu einer sogenannten "offenen Höhle" führen, die lebenslang in regelmäßigen Abständen HNO-ärztlich zu kontrollieren und reinigen ist. Durch die dann fehlende isolierende Luftschicht im Mittelohr ist das Gleichgewichtsorgan durch in das Ohr gelangendes Wasser, das nicht Körpertemperatur hat, sehr leicht zu reizen. Daher ist hier insbesondere Tauchen zu vermeiden, um unkontrollierten Schwindel zu vermeiden.

Mögliche Komplikationen / Risiken

In manchen Fällen kann trotz sorgfältigster Operation nicht mit Sicherheit angenommen werden, dass das Cholesteatom komplett entfernt werden konnte. Hier muss eine zweite Operation in 6 Monaten bis einem Jahr geplant werden, um eine Wiederkehr ausschließen oder rechtzeitig erkennen zu können. Im Rahmen einer solchen "second-look" genannten Operation kann auch eine Hörverbesserung durchgeführt werden, sollte sie im Ersteingriff aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich gewesen sein.

Das Hörvermögen zu erhalten ist selbstverständlich ein vordringliches Ziel, jedoch darf die restlose Entfernung des Cholesteatoms nicht in den Hintergrund rücken. Die meisten Patienten, die sich einer Cholesteatom-Operation unterziehen, behalten ihr Hören oder können von einer Hörverbesserung profitieren. Bei einer geringen Anzahl von Patienten sind die Zerstörungen im Mittelohr jedoch soweit fortgeschritten, dass eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist. Hier bieten Hörgeräte, die den individuellen Bedürfnissen angepasst werden, Abhilfe.

In weniger als 1 Prozent der Cholesteatom-Operationen kann es zu einem Hörverlust bis hin zur Ertaubung während der Operation oder im Laufe der Heilungsprozesses kommen. Dies ist beispielsweise auf Erosionsprozesse am Fenster zwischen Mittel- und Innenohr durch die chronische Knocheneiterung oder durch Infektionen, die hierdurch wandern zurückzuführen.
 

Das Trommelfell wird normalerweise in der gleichen Operation repariert, indem ein Stückchen Muskelhaut (Faszie) unterlegt wird. In mehr als 90 Prozent wächst dieses auf Anhieb an, sodass hier auf weitere Maßnahmen verzichtet werden kann.

Sprechstunden

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Mark Praetorius