Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Klinik für Gastroenterologie, Infektionen, Vergiftungen

Definition der Erkrankung

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa als den beiden wichtigsten Verlaufsformen gehören zu den Erkrankungen, deren Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Man schätzt, dass etwa 0,01% bis 0,1% der Bevölkerung davon betroffen sind. Das bedeutet, dass in Deutschland von 100.000 Menschen 10 bis 100 daran leiden. Jedes Jahr kommen circa 1 bis 8 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen hinzu. Frauen erkranken häufiger als Männer und der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr.

COLITIS ULCEROSA

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Schleimhaut des Dickdarms (Colon). Sie beginnt meist im Enddarm (Rektum) und die Entzündung kann sich dann kontinuierlich in die tiefer gelegene Dickdarmabschnitte ausbreiten.

MIKROSKOPISCHE KOLITIS

Eine seltenere Ursache für chronischen Durchfall stellt die mikroskopische Kolitis dar. Patienten mit dieser Erkrankung leidern unter wässrigen Durchfällen bei normalem endoskopischen und radiologischem Befund.

MORBUS CROHN

Beim Morbus Crohn können im Gegensatz zur Colitis ulcerosa alle Abschnitte des Magen-Darm-Traktes vom Mund bis zum After betroffen sein. Am häufigsten sind der letzte Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) und der angrenzende Dickdarm (Zökum, Colon ascendens) entzündet. Typisch für die Erkrankung ist eine diskontinuierliche Entzündung der Darmwand, das heißt gesundes Gewebe wechselt mit erkrankten Bereichen ab.

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Symptome

Die Patienten klagen hauptsächlich über blutig-schleimige Durchfälle mit krampfartigen Leibschmerzen.

Klinisches Hauptmerkmal sind oftmals langjährig bestehende heftigste Leibschmerzen mit (schleimigen) Durchfällen und stärkere Gewichtsverluste. Daneben kann es zu Fistelbildungen kommen, die sich in perianalen Hautöffnungen bzw. in Verbindungen zwischen Darm und Harnblase oder Darm und Vagina mit entsprechendem Schleim-und Stuhlabgang zeigen.

Diagnose

Sichern lässt sich die Diagnose durch endoskopisch-bioptische Untersuchungen von Rektum und Kolon (Koloskopie). Gleichzeitig sollte eine Erkrankung des oberen Gastrointestinaltraktes ausgeschlossen werden.

Die Diagnose wird durch die Entnahme von Schleimhautproben (Biopsien) im Rahmen einer Koloskopie gesichert, wobei sich feingeweblich unter anderem eine Vermehrung weißer Blutkörperchen (Lymphozyten und Eosinophilen) in der Darmwand und eine Abflachung des Darmepithels finden.

Die Diagnosestellung ist manchmal schwierig. Sichern lässt sich die Diagnose durch endoskopisch-bioptische Untersuchungen von Rektum, Kolon und terminalem Ileum durch eine Koloskopie. Der gesamte Dünndarm kann durch radiologische Verfahren wie z.B. ein Kernspintomogramm (MRT) untersucht werden. Gleichzeitig sollte eine Beteiligung des oberen Gastrointestinaltraktes durch eine endoskopische Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und oberen Dünndarms (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie) ausgeschlossen bzw. bestätigt werden.

Ablauf der Behandlung

Die Therapie der Colitis ulcerosa richtet sich nach der Ausbreitung und der Schwere der Erkrankung. Ist die Erkrankung auf den Enddarm beschränkt, so kann eine lokale Behandlung mit Zäpfchen (Suppositorien) oder Einläufen versucht werden, während bei einer Ausbreitung der Entzündung in höher gelegene Darmabschnitte eine (zusätzliche) Medikation in Tablettenform (orale Medikation) notwendig ist. Gesicherte Erfolge in der Akutbehandlung der Colitis ulcerosa bestehen für die Therapie mit Aminosalicylaten und bei schwereren Schüben für Corticosteroide. Bei chronischen Verläufen ist möglicherweise eine konservative (das heißt nicht-chirurgische) Behandlung mit Azathioprin indiziert. In der Rezidivprophylaxe der Colitis ulcerosa haben Aminosalicylate einen gesicherten Stellenwert. Da die Erkrankung auf den Dickdarm (Colon) beschränkt ist, kann die Colitis ulcerosa durch eine Entfernung des Dickdarms (Colektomie) geheilt werden. Eine Colektomie kommt bei schweren chronischen, medikamentös nicht behandelbaren Verläufen in Betracht.

Die Therapie des Morbus Crohn wird in Abhängigkeit von der Lokalisation und der Schwere der Erkrankung gewählt. Bei leichtem bis mäßig schwerem Schub ist ein Therapieversuch mit Aminosalicylaten bzw. bei ileozoekalem Befall mit Budesonid gerechtfertigt. Bei schwererem Schub kommt Prednisolon zum Einsatz und bei häufigen Schüben bzw. Nichtansprechen oder steroidabhängigem Verlauf kann zusätzlich Azathioprin bzw. 6-Mercaptopurin eingesetzt werden. Infliximab ist ein Reservemedikament und sollte nur bei trotz ausreichender Medikation mit Steroiden und Azathioprin bestehender hoher Krankheitsaktivität zum Einsatz kommen. Eine generelle remissionserhaltende Therapie existiert nicht sondern muß unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsverlaufes und spezifischen Risikoprofils gewählt werden.

Beiden Erkrankungen, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, gemeinsam ist, dass auch außerhalb des Darms gelegene (extraintestinale) Organe entzündet sein können; hierzu gehören Gelenke, Haut, Augen, Leber, Gallenwege und ganz selten Niere und Atemwege.

In manchen Fällen steht die Entzündung dieser Organe, z.B. der Gelenke zunächst für längere Zeit im Vordergrund der Erkrankung, und es sollte dann auch an die Möglichkeit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung gedacht werden. Eine adäquate Behandlung der Darmentzündung führt häufig zu einer Besserung auch der extraintestinal erkrankten Organe.