Fuß- und Rückfußprothesen

Abteilung für Prothetik der unteren Extremität

Erklärung

Als Fußprothesen bezeichnet man alle künstlichen Ersatzstücke, die verlorenen gegangene Körperteile unterhalb des Knöchelgelenkes ersetzen. Die einfachste Prothese stellt ein Stück Watte dar, das beispielsweise bei einer Zehenamputation als Formausgleich in den Schuh eingelegt wird. Dazu benötigt man keine speziell geschulte Orthopädietechniker. Doch für den Patienten bedeutet auch die kleinste Amputation einen Funktionsverlust, denn durch die eingeschränkte oder nicht mehr vorhandene Kraft der Zehen verkleinert sich gleichzeitig die Auftrittsfläche.

Fußprothesen haben gegenüber einer Unterschenkelamputation den großen Vorteil, dass die Fußsohle als Belastungsfläche teilweise erhalten bleibt. Prinzipiell könnte jeder Fußamputierte ohne Prothese laufen. Bei kurzen Strecken - und das bedeutet hauptsächlich im häuslichen Umfeld - stellt eine Fußprothese einen großen Gewinn gegenüber einer Unterschenkelamputation dar. Weitere Vorteile sind, dass es zu keiner Beinverkürzung kommt und die Prothese damit auch nicht für einen Längenausgleich sorgen muss. Für längere Gehstrecken wünschen sich aber viele Patienten eine Prothese. Daneben sprechen auch kosmetische Gründe für eine Prothese.

Im Folgenden beschreiben wir Ihnen unser Angebot im Bereich der Fuß- und Rückfußprothesen.

1. Formausgleich als Schuhfüller

Bei einer Zehenamputation bietet sich als einfache Lösung das Aufkleben eines Formausgleichs auf eine normale Einlage an. Bei umfangreicheren Amputationen werden natürlich auch die Ansprüche an die Prothese entsprechend größer.

2. Mittelfußprothesen aus Silikon mit Standardkosmetik

Mittelfußamputationen können prinzipiell mit knöchelfreien Prothesen versorgt werden. Die Abbildungen zeigen eine derartige Versorgung mit einer Silikonprothese. Allerdings ist die Prothese kosmetisch noch nicht an die Gegenseite angepasst. Eine solche Anpassung ist in der Regel sehr teuer. Sie wird von den Kostenträgern oft nicht bezahlt. Beim abgebildeten Patienten konnte die Form der Prothese nicht besser gestaltet werden, da der Stumpf an den Außenseiten sehr auffällig ist. Obwohl wir dünne Materialien verwendet haben, trägt die Prothese hier noch zusätzlich leicht auf. Trägt der Patient Schuhe, ist von der Prothese aber nichts mehr zu sehen (s. Abb.).

3. Mittelfußprothesen aus Silikon mit individueller Kosmetik

In unserem Haus haben wir auch die Möglichkeiten, Prothesen mit individueller Kosmetik anzufertigen. Problematisch ist dabei allerdings nicht nur der Kostenfaktor. Auch die Haut verändert jahreszeitlich bedingt ihre Farbe. Und sogar während eines Tages ist die Hautfarbe nicht immer gleich. Diese Anpassungen allerdings kann auch die beste Silikonkosmetik nicht leisten.

Die Haltbarkeit einer Silikonkosmetik beträgt je nach mechanischer Beanspruchung 1,5 bis 5 Jahre.

4. Funktionelle Nachteile von knöchelfreien Prothesen

Bei den meisten knöchelfreien Prothesen treten funktionelle Probleme auf: Durch den fehlenden Vorfußhebel kann es zu Druckstellen am Stumpfende kommen. Außerdem fehlt in der Abstoßphase des Schrittes auch der Impuls für die Einleitung der Schwungphase. Das Foto zeigt das Abknicken der gesamten Prothese während der Abstoßphase.

Selbst eine steife Sohle, z. B. aus Karbonfaser, kann dieses Abknicken oft nur unbefriedigend verhindern. Wenn die Sohle aber zu steif ist, besteht die Gefahr, dass die Ferse aus der Prothese herausrutscht.

5. Vorfußprothese nach Bellmann

Eine Alternative zu den genannten Prothesen stellt die Vorfußprothese nach Bellmann dar. Dabei wird der Stumpf in einem verwindungssteifen Karbonrahmen gehalten. Diese Konstruktion erlaubt eine gute Führung der Prothese, ohne sich der Gefahr auszusetzen, dass sich Druckstellen am Stumpfende bilden.

Zwar kommt es auch hier am Ende der Abstoßphase zu einem Einknicken der Zehen. Dieses Verhalten ist aber gegenüber den meisten anderen Prothesentypen deutlich reduziert.

Vorfußprothese nach Bellmann im Probezustand
Fertige Vorfußprothese nach Bellmann

6. Rückfußprothesen mit Unterschenkelanlage, Chopart-Prothesen

Je kürzer der Stumpf ist, desto eher wird der Patient in seinem Alltag mit dem Problem der Fußführung konfrontiert. Eine knöchelfreie Prothese wird deshalb bei kürzerem Stumpf immer häufiger als kosmetische Lösung dienen. Dies reicht aus, um bei bestimmten Anlässe eine unauffällige Prothese zu tragen. Wenn es hingegen auf die Funktionalität im Alltag ankommt, wird häufig zusätzlich - oder bei kürzeren Stümpfen ausschließlich - eine Prothese mit Unterschenkelfassung eingesetzt. Hier kann dann auch im Fußbereich mit einer Carbonfeder gearbeitet werden, die ein sehr dynamisches und unauffälliges Gangbild erlaubt.

Prothese bei Amputation nach Chopart
Seitlich instabiler Chopart-Amputationsstumpf
Korrigierte Stellung

7. Prothesen nach Syme-Amputation

robefertige Prothese bei einer Amputation nach Syme mit einem sehr langen Unterschenkelstumpf, der meist endbelastbar ist. Gegenüber einem echten Rückfußstumpf weist diese Amputation eine Höhendifferenz von 5 bis 7 cm auf, die den Unterbau eines aktiven Prothesenfußes ermöglicht.
Fertige Prothese mit kosmetischer Verkleidung und Schuh in Carbonoptik

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