Einrichtungen

Station Roller

Gehört zu Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Allgemeine Psychiatrie

Allgemeinpflegestation

Kontakt
Voßstraße 4
69115 Heidelberg
Anfahrt


06221 56-4457
06221 56-1740

Besuchszeiten
  

Leitung

Prof. Dr. med. Robert Christian Wolf

Ärztliche Leitung


Anja Kemptner

Stationsleitung


Stellvertretende Leitung

Suna Seker

Stellv. Stationsleitung


Personen

Christian Adler

Klinische Sozialarbeit

Schwerpunkt

Station Roller / Station von Gebsattel


06221 56-35758

Dr. med. Juliane Horvath

Stationsärztin


Dr. Marie-Luise Otte

Stationsärztin


Allgemeine Informationen

Zielgruppe und Behandlungskonzept

Auf dieser Station werden überwiegend Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, also Menschen mit schizophrenen, schizoaffektiven oder atypischen Psychosen behandelt. Auch Patienten mit sog. Doppeldiagnosen wie Psychose und Sucht, Psychose und Essstörungen und Psychose und Persönlichkeitsstörungen werden behandelt. Häufig stehen Beeinträchtigungen in der Kontaktfähigkeit, Störungen des Antriebs, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen im Zentrum.

Die Station C.F. Roller ist eine offen geführte Station mit überwiegend an einer schizophrenen Erkrankung leidenden Patienten, die eine medizinische, soziale und berufliche Betreuung in einem multiprofessionellen Team benötigen.

Die Patienten werden nach dem Abklingen der akuten Symptomatik auf die Entlassung nach Hause oder auf den Übergang in eine teilstationäre oder komplementäre Behandlungseinrichtung vorbereitet. Ziel der therapeutischen Bemühungen ist die Wiederherstellung der Selbständigkeit in den Bereichen Ausbildung, Beruf und Wohnen. 

Aufgrund der spezifischen Charakteristika der Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises gehört die medikamentöse Therapie zu den wesentlichen Bestandteilen der stationären Behandlung. Dabei werden Medikamente, vor allem Antipsychotika, eingesetzt, die krankhafte Veränderungen des Erlebens und Verhaltens beeinflussen. Individuell an jeden Patienten angepasst, ist es unser Bestreben eine möglichst nebenwirkungsarme, jedoch Stabilität herbeiführende und erhaltende medikamentöse Einstellung zu finden, welche die Lebensqualität unserer Patienten in möglichst geringem Maße einschränkt. 

Die selbstständige und eigenverantwortliche Einnahme der Medikamente werden trainiert und die Aneignung eines fundierten Wissens über Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikation im Rahmen der Psychoedukationsgruppe und der Einzelgespräche werden angestrebt.

Zur differenzierten Einschätzung der neurokognitiven Leistungsfähigkeit steht uns über die PAKT-Ambulanz die Möglichkeit zu einer eingehenden neuropsychologischen Testung zur Verfügung. Manche Patienten haben während einer akuten Erkrankung Probleme mit dem Gedächtnis, der Konzentration und anderen geistigen Funktionen, über deren Ausmaß die psychologische Testung Aufschluss geben kann. Im Vordergrund steht meist die Messung der aktuellen kognitiven Leistungsfähigkeit, die z.B. durch die Testung von Konzentration und Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Ausdauer erfasst wird. Nach einem kurzen Gespräch werden die verschiedensten Aufgaben vorgegeben, z.B. Wörter lernen, sich Geschichten merken, Zahlen auf einem Blatt verbinden und vieles mehr. Auch krankheitsspezifische Veränderungen wie Depressivität oder paranoide Tendenzen können testdiagnostisch objektiviert werden. Das dabei erstellte Leistungsprofil ist eine wichtige zusätzliche Information für eine optimale Behandlungs- sowie Berufs- und Zukunftsplanung.

Neben Diagnostik, einer differenzierten Psychopharmakotherapie und einer multiprofessionellen Behandlung stehen stützende sowie sozio- und verhaltenstherapeutische Ansätze im Mittelpunkt unserer therapeutischen Bemühungen.

Mehr Informationen zum Behandlungsangebot der Station Roller

Ausstattung

Die Station C.F. Roller verfügt über insgesamt 17 stationäre und 3 teilstationäre Plätze. Es befinden sich 3 Dreibettzimmer, 2 Zweibettzimmer und 4 Einzelzimmer auf der Station, welche jeweils über ein eigenes Badezimmer verfügen. Für die teilstationären Patienten bietet die Station einen Ruheraum mit bequemen Liegemöglichkeiten. Für unsere Patienten stehen neben einem Fitness-Raum mit verschiedenen Trainingsgeräten 2 Freizeiträume zur Verfügung, in welchen die ‚Möglichkeiten zum Billiard-, Tischtennis und Speedhockeyspielen gegeben sind. Daneben befindet sich ein Leseraum mit einer Bibliothek und einem PC-Arbeitsplatz auf der Station. Im Außenbereich der Station wurde in liebevoller Arbeit ein kleiner Garten angelegt, in welchem die Patienten unter Anleitung des Pflegepersonals verschiedene Gemüsesorten oder Kräuter anpflanzen, pflegen und ernten. Mit dem Ertrag kann der Eigenbedarf der Station und der Kochgruppe gedeckt werden. Die Mahlzeiten werden in einem gemeinsamen Speisesaal eingenommen, welcher ausserhalb der Essenszeiten als Aufenthaltsraum mit Fernseher und Stereoanlage genutzt werden kann. Sowohl im Unter- als auch im Dachgeschoss befinden sich weitere Funktions- und Therapieräume.

Die Idee einer ganzheitlichen Behandlung, die sowohl medizinische Maßnahmen wie klinische Untersuchungen und Pharmakotherapie als auch psycho- und sozialtherapeutische Verfahren beinhaltet, wird durch die Interdisziplinarität gewährleistet. Unser Stationsteam ist multiprofessionell besetzt mit:

  • 1 Oberarzt
  • 2 Stationsärzten
  • 2 Psychologinnen im Praktikum
  • 1 Sozialarbeiter
  • 13 Pflegekräften sowie Schülern und Zivildienstleistenden

Dieses Team wird durch eine Ergotherapeutin sowie eine Bewegungs-, eine Kunsttherapeutin und einen Musiktherapeuten komplettiert.

Angehörigengruppe

Die Angehörigen haben für unsere Patienten eine wichtige stützende Funktion im Leben. Aktuelle Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Informationsgruppen für Angehörige, damit die Patienten und die wichtigen Bezugspersonen die gleiche Sprache sprechen und rechtzeitig gemeinsam Maßnahmen im Falle einer Krise bzw. eines drohenden Rückfalls einleiten können. Wichtige Aufgaben einer Angehörigengruppe sind daher die Vermittlung von Informationen über Rückfallverhütung, die möglichen Ursachen der Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten sowohl pharmakologischen wie auch psychotherapeutisch. Daneben soll den Angehörigen eine Unterstützung geboten werden Sicherheit in ihrem Verhalten gegenüber dem erkrankten Familienangehörigen wiederzugewinnen, da diese häufig aufgrund der Erkrankung und der damit verbundenen erlebten Verhaltensänderung des Patienten verlorengegangen ist. Daneben werden die Angehörigen über soziale Unterstützungsmaßnahmen, Selbsthilfegruppe und Vereine informiert.  Ein weiterer wichtiger  Aspekt der Gruppe ist es den Angehörigen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen zu bieten und sich somit im gemeinsamen Gespräch entlasten zu können. Für viele Angehörige ist es sehr hilfreich zu erfahren, dass sie nicht alleine da stehen und andere ganz ähnliche Schwierigkeiten haben und Problemsituationen bewältigen müssen wie sie selbst auch. Daneben besteht im Rahmen dieses gemeinsamen Treffens die Möglichkeit aus der eigenen Abkapselung herauszufinden.

Die Angehörigengruppe wird kontinuierlich von einem Arzt, einem Sozialarbeiter und einer Pflegekraft geleitet. Um Berufstätigen die Gelegenheit zu geben, an der Gruppe teilzunehmen, finden die Treffen jeden dritten Montag im Monat von 18.30- 20.00 Uhr in der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg im Seminarraum Querspange Ost im Haus 1 statt. Die Gruppe ist für Angehörige stationär und ambulant behandelter Patienten zugänglich.

Da zu Beginn der Treffen wichtige Infos der vergangenen Sitzungen wiederholt werden, ist ein Einstieg in die Gruppe jederzeit möglich.

Wir bitten jedoch um eine vorherige Anmeldung um die zu erwartende Teilnehmerzahl abschätzen und vorbereiten zu können.

Namensgebung

Christian Friedrich Roller  wurde im Jahr 1802 in Pforzheim geboren. Er studierte in Tübingen, Göttingen und Heidelberg Medizin und ließ sich nach der Approbation im Jahr 1822 zunächst als praktischer Arzt in Pforzheim nieder.

Angeregt durch seinen Vater, der ärztlich für die in Pforzheim internierten psychisch Kranken von 1804 bis zu seinem Tode im Jahr 1814 verantwortlich war, begann sich auch Christian Friedrich Roller zunehmend für die Psychiatrie zu interessieren. Im Auftrag der Badischen Großherzoglichen Regierung bereiste er 1825 verschiedene psychiatrische Einrichtungen in Europa, um Unterbringung und Behandlung der Patienten zu studieren. 1827 trennt die Stadt Pforzheim die bis dahin gemeinschaftliche Unterbringung Krimineller und psychisch Kranker und verbrachte die psychisch Kranken nach Heidelberg, wo sie in dem späteren Collegium Academicum bis zur Fertigstellung einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden sollten. Roller war zunächst als Assistenzarzt, später als Leiter des Collegium Academicum mit den psychisch Kranken in Heidelberg befasst. 1831 trat er durch die Publikation einer Monographie hervor, die den damaligen Stand der Wissenschaft und der humanitären Forderungen für die Behandlung psychisch Kranker zusammenfasste.

Seine Ideen einer modernen, behandlungsorientierten Psychiatrie setzte Roller, zu der Zeit einer der Meinungsführer in Deutschland auf diesem Gebiet, 1842 mit der konzeptuellen und baulichen Gestaltung der Klinik Illenau in Achern um. Die Bevorzugung der ländlichen Lage für eine psychiatrische Einrichtung entsprach der Vorstellung, dass die Patienten mit der äußeren auch innere Distanz zu Konfliktherden gewinnen würden, die zum Entstehen oder Unterhalt ihrer Krankheit beigetragen haben könnten. Es gab damals noch keine Möglichkeit der psychopharmakologischen Behandlung.

1844 gründete Roller zusammen mit anderen Psychiatern die "Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie", die bis zum Beginn des ersten Weltkrieges eines der einflussreichsten Publikationsorgane für Nervenärzte war.

Christian Friedrich Roller starb am 4. Januar 1878 in Achern.