Hirntumor

Neurochirurgische Klinik

Definition der Erkrankung

Ein Hirntumor – was ist das?

Ein Hirntumor entsteht entweder primär aus unterschiedlichen Zellen des zentralen Nervensystems (ZNS) oder sekundär als Hirnmetastase, also als Absiedelung von Tumoren außerhalb des ZNS. Zu den primären Hirntumoren zählen u.a. 

  • Gliome, die im Hirngewebe selbst oder in den Liquorräumen des Gehirns wachsen (Astrozytome, Oligodendrogliome, Glioblastome; neuronale und neuronal-gliale Tumore; Ependymome), 
  • Meningeome, die aus den das Gehirn umhüllenden Hirnhäuten entstehen, 
  • Schwannome, die von den Hirnnerven ausgehen (s. Akustikusneurinom)

Meningeome stellen etwa ein Drittel und damit die häufigsten aller primären Hirntumore dar. Die Inzidenz (jährliche Neuerkrankungsrate) steigt mit dem Alter an, so dass v.a. Patienten jenseits des 65. Lebensjahres betroffen sind. 

Gliome sind in ihrer Gesamtheit etwas seltener als Meningeome und weisen je nach Malignitätsgrad eine typische Altersverteilung auf: Während niedriggradige Gliome eine Erkrankung jüngerer Erwachsener sind (3. bis 5. Lebensdekade), liegt das mittlere Erkrankungsalter von höhergradigen Gliomen bei 64 Jahren. Aufgrund erheblicher Fortschritte in der Behandlung der Grunderkrankung und einer Verbesserung der Lebenserwartung, steigt in den letzten Jahren auch die Zahl der Patienten, die aufgrund einer oder mehrerer Hirnmetastasen neurochirurgisch behandelt werden, stetig an. 

Hirntumore werden aufgrund ihrer feingeweblichen (histologischen) und molekularen Eigenschaften und ihres Wachstumsverhaltens entsprechend der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation („WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System“) in bis zu vier verschiedene Schweregrade eingeteilt. Etwa zwei Drittel aller Hirntumore sind gutartig, d. h. sie wachsen langsam und sind bei vielen Tumorentitäten auch vom umliegenden Hirngewebe abzugrenzen. Trotzdem muss ein Hirntumor meist operativ entfernt oder zumindest verkleinert werden, denn im knöchernen Schädel ist der Platz begrenzt und der Hirntumor verdrängt gesundes Hirngewebe oder wächst in dieses hinein – was zu sehr unterschiedlichen Symptomen führen kann. 

Weitere Informationen

Symptome

An diesen Symptomen erkennen Sie einen Hirntumor

Neben zunehmenden Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen können auch epileptische Anfälle oder psychische Veränderungen auf einen Hirntumor hindeuten. 

Diagnose

So diagnostizieren wir einen Hirntumor

Viele unserer Patienten kommen bereits mit einer Diagnosestellung zu uns und suchen Rat für die beste Behandlung. Gerne geben wir eine Zweitmeinung ab.

Selbstverständlich erstellen wir in der Neurochirurgischen Klinik Heidelberg selbst eine Anamnese, versuchen also aus dem Berichteten den Krankheitsverlauf nachzuzeichnen. Auch werden wir hieraus ableitend eventuell weitere körperliche Untersuchungen veranlassen oder weitere, hochauflösende MRT-Aufnahmen.

Ablauf der Behandlung

So behandeln wir einen Hirntumor

Die Hirntumorchirurgie steht am Anfang der Behandlung aller neuroonkologischen Patienten. Trotz aller Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik von Hirntumoren ist es nach wie vor erforderlich, Gewebeproben zu entnehmen, um die exakte Diagnose zu sichern und die molekularen Eigenschaften des Tumors näher zu charakterisieren. Diese Diagnose wiederum die Basis der nicht-chirurgischen Weiterbehandlung und die Prognose unserer Patienten. Hierzu kann eine Biopsie durchgeführt werden, die entweder mit Hilfe stereotaktischer Verfahren (s. Funktionelle Neurochirurgie) oder mit Hilfe der Neuronavigation durchgeführt wird. 

Für die allermeisten Hirntumor-Entitäten konnte allerdings in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass eine weitestgehende oder vollständige Entfernung des Tumors entweder zur Heilung oder zumindest zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt. Daneben führt eine Entfernung oder Verkleinerung des Hirntumors zur Verbesserung neurologischer Ausfallserscheinungen und Reduktion von epileptischen Anfällen. Daher ist das übergeordnete Ziel der Hirntumorchirurgie die sichere und möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung funktionstragender Hirnareale.

In der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg werden pro Jahr mehr als 800 Patienten mit Hirntumoren operiert. Aufgrund ihrer Häufigkeit liegen insbesondere folgende Tumorentitäten im Fokus unserer Behandlung: 

  • Gliome
  • Meningeome
  • Hirnmetastasen 
  • Hypophysenadenome
  • Akustikusneurinome

Modernste OP-Technik für eine präzise und möglichst schonende Entfernung des Tumors

Für ein bestmögliches Operationsergebnis setzen wir neben unserer operativen Erfahrung ein umfangreiches Spektrum modernster OP-Techniken ein. Dabei ist die mikrochirurgische Operation unter Zuhilfenahme moderner OP-Mikroskope eine Selbstverständlichkeit. Mit Hilfe von computergestützten Navigationssystemen können Hirntumore selbst in tief gelegenen Hirnarealen mit hoher Präzision erreicht und sicher entfernt werden.

Intraoperative Bildgebung

Eine besondere operative Herausforderung stellen Gliome dar, die als hirneigene Tumore ohne erkennbare Grenze zum gesunden Hirngewebe wachsen. Hier helfen verschiedene, in Heidelberg routinemäßig eingesetzte, intraoperative Verfahren, um so viel Tumorgewebe als möglich zu entfernen, was eine wichtige Voraussetzung für die weitere Behandlung und den Verlauf der Erkrankung darstellt. 

Bei Kontrastmittel-aufnehmenden Gliomen kann das Tumorgewebe selektiv mit der fluoreszierenden Substanz 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) angefärbt und mit Hilfe spezieller Filter unter dem OP-Mikroskop sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus verfügt die Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg über einen intraoperativen Hochfeld-Kernspintomographen (1.5 Tesla Feldstärke), mit dessen Hilfe ein Resttumor intraoperativ sichtbar gemacht und in der gleichen Operation entfernt werden kann. Dies ist besonders hilfreich bei nicht Kontrastmittel-aufnehmenden Gliomen, wird aber auch routinemäßig bei der Entfernung anderer Gliome sowie in der Hypophysenchirurgie eingesetzt. 

Im Vergleich zu konventionellen OP-Methoden kann das Ausmaß der Tumorentfernung dadurch deutlich erhöht werden. Der Einsatz von 5-ALA und der intraoperativen Kernspintomographie ist nicht nur operativer Standard, sondern auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen innerhalb unserer Klinik sowie in Kooperation mit anderen neurochirurgischen Kliniken deutschlandweit (GesGIM: German Study Group of Intraoperative MRI).

Präoperative funktionelle Bildgebung und intraoperatives Neuromonitoring

Bereits präoperativ können bei unseren Patienten funktionstragende Areale an der Hirnoberfläche (funktionelles MRT) sowie Faserbahnen in der Tiefe des Gehirns (Traktographie) dargestellt und für die OP-Planung berücksichtigt werden. Dies geschieht in wissenschaftlichen Forschungsprojekten unserer Klinik sowie in Kooperation mit den Kollegen der Abteilung für Neuroradiologie. Da die präoperative funktionelle Bildgebung zwar eine gute Näherung, aber keine millimetergenaue Identifikation funktionstragender Areale erlaubt, wird intraoperativ in solchen Fällen stets das elektrophysiologische Neuromonitoring zur Lokalisation und Überwachung der motorischen, sensiblen und Sprachfunktionen eingesetzt (direkte kortikale und subkortikale Stimulation, motorisch/ somatosensorisch evozierte Potentiale, Stimulationssauger). So können neben Gliomen auch Tumore, die in engem Kontakt zu Hirnnerven (z.B. die Akustikusneurinome oder Meningeome der Schädelbasis) liegen, entsprechend schonend operiert werden. 

Bei hirneigenen Tumoren v.a. im Bereich der Motorischen-Zentren und der Sprach-Zentren, kann die Operation auch beim wachen, schmerzfreien Patienten erfolgen, um die entsprechenden Funktionen während der Tumorentfernung zu überwachen und zu erhalten (Wachkraniotomie). Bei diesen Eingriffen steht ein hochspezialisiertes und eingespieltes Team aus erfahrenen Operateuren, Anästhesisten und Pflegekräften zur Verfügung. Außerdem ist die kontinuierliche, d.h. prä-, intra- und postoperative neuropsychologische Testung und Betreuung durch unsere Neuropsychologin gewährleistet. 

Nachsorge

Sorgfältige OP-Nachsorge mit konstanten Ansprechpartnern

Auch nach der Operation sind wir weiter für unsere Patienten da. In regelmäßigen Nachuntersuchungen überprüfen wir das Operationsergebnis. So können wir frühzeitig eine weitere Behandlung planen, falls es im Krankheitsverlauf zu einem erneuten Wachstum des Tumors (Rezidiv) kommen sollte. Diese Nachsorge-Termine übernimmt in der Regel derselbe Arzt, den unsere Patienten bereits als „ihren Arzt“ kennen, der zuvor operiert hat und mit der individuellen Krankengeschichte am besten vertraut ist. 

Die präoperative Beratung und die postoperative Nachsorge finden sowohl im Rahmen spezialisierter Ambulanzen in der Kopfklinik als auch wöchentlich in der neurochirurgisch-neuroonkologischen Sprechstunde im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) statt. 

Optimale Weiterbehandlung dank interdisziplinärer Vernetzung

Je nach Art des Hirntumors kann eine chirurgische Entfernung ausreichen, um die Tumorerkrankung lebenslang zu stabilisieren. In vielen Fällen erfordern Hirntumore allerdings eine zusätzliche Behandlung durch weitere medizinische Fachrichtungen, entweder direkt im Anschluss an den operativen Eingriff oder im Falle eines Tumorrezidivs, um den Therapieerfolg zu verbessern. 

Daher werden unsere Patienten in enger Zusammenarbeit mit den benachbarten Fachabteilungen der Radioonkologie und Neuroonkologie sowie weiteren im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NTC) vertretenen onkologischen Fachrichtungen behandelt. 

Therapieentscheidungen werden interdisziplinär, auch in wöchentlich im NCT stattfindenden Tumorboards, getroffen und basieren auf aktuellsten Studienergebnissen. Je nach Krankheitsbild kommt auch eine Behandlung im Rahmen von Therapiestudien in Frage. Damit sorgen wir für eine optimale Behandlung und Weiterversorgung unserer Patienten nach aktuellem medizinischem Wissen. 

Das zeichnet uns aus

  • Jahrzehntelange Expertise bei der chirurgischen Behandlung aller Formen von Hirntumoren
  • Überdurchschnittliche Ausstattung mit modernster OP-Technologie (Neuronavigation, intraoperatives MRT und CT, fluoreszenzgesteuerte Tumorresektion, intraoperatives elektrophysiologisches Neuromonitoring)
  • Langjährige Erfahrung und routinemäßige Durchführung von Wachkraniotomien zur Tumorresektion in funktionstragenden Arealen
  • Regelmäßige Nachsorge und umfassende Weiterbehandlung in spezialisierten neurochirurgisch-neuroonkologischen Sprechstunden 
  • Durchführung von Therapiestudien
  • Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den benachbarten Fachkliniken der Universitätsmedizin Heidelberg (Neuroradiologie, Neuropathologie, Radioonkologie, Neurologie, Neuroonkologie, MKG-Chirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Medizinische Onkologie) sowie dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT)

Spezialisten

  • Prof. Dr. med. Klaus Zweckberger

    Intensivmedizin, Baden-Württemberg-Zertifikat für Hochschuldidaktik, Fachkunde im Strahlenschutz

    Schwerpunkt

    Vaskuläre Neurochirurgie, Schädelbasischirurgie


  • Dr. med. Christine Jungk

    Intensivmedizin

    Schwerpunkt

    Intrakranielle Tumorchirurgie (z.B. Wachkraniotomie), Stereotaktische Neurochirurgie